Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1892
- Issue
- 3 (13.10.1892)
- Date
- 1892-10-13
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 3. Seite 46. I r s ch tage des allgemeinen deutsch-israelitischen Lehrerbundes; auf diesen Lehrertagen sollen diesbezügliche Vorträge gehalten werden. 2. Durch Provinzialversammlangen der jüdischen Volksschullehrer, in denen methodische Erfahrungen ausgetauscht und provinzielle Fragen besprochen werden. 3. Durch die Einrichtung einer Zentralbibliothek, aus welcher die jüdischen Lehrer leihweise und kostenlos teurere und seltenere wissenschaftliche Werke erhalten können. 4. Durch Schaffung eines besondern Vereinsorgans oder durch die Wahl einer schon bestehenden jüdischen Fachzeitschrift zum Vereinsvrgan. VJ. Die Verwirklichung aller dieser Wünsche durch Petitionen, Vorstellungen und Deputationen bei den zuständigen Behörden. — c. Ist mit dem Deutsch-israelitischen Lehrerbund auch eine Pensions-Zulage und Unterstützungs- Sterbekasse zu verbinden? Wir stehen nicht an, diese Frage mit einem runden und glatten Ja! zu beantworten. Daß die bestehenden Kassen der Provinzialvereine ungenügend sind, ist bereits oben nachgewüseu. — Nun bestehen aber in einzelnen Provinzen bereits Pestalozzi-Vereine, Sterbekassen-, Unterstützungs- und Emeritenvereine im Anschlüsse an die allgemeinen Lehrervereine welche wohl auch jüdische Lehrer zu ihren Mitgliedern zählen. Allein auch diese Kassen find zum großen Teile ungenügend dotiert und können darum, bei der großen Anzahl ihrer Mitglieder, auch wenig Mittel für den Einzelnen verwenden. Die jüdischen Lehrer zahlen also Beiträge für zwei oder mehrere kleinere Kassen, ohne daß die Gesamtunterstützungssumme nennenswert ist. Wenn wir hingegen einen etwas erhöhten Beitrag für euren einzigen Verein zahlen, in dessen Kasse dann auch die angesammelten Fonds der einzelnen Provinzialvereine fließen wiirden; wenn ferner dieser Zentralkasse auch die Fonds der durch Private gegründeten Unterstütznngskassen znfließen würden, wie z. B. die „Hilfskasse für jüdische Knltusbeamte in Berlin," „Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen" oder der Unterstützungsfond des Deutsch-Israelitischen Gemeindebnndes; wenn endlich durch besondere Verträge des Deutsch-Israelitischen Lehrerbnndes mit Bnch- und Papierhandlungen, mit Nähmaschinenfabrikanten und Pianofortefabriken, mit Feuer- und Lebensversicherungs-Gesellschaften ein besonderer Prozentsatz zugesichert wird von jedem Geschäfte, das mit einem Mitglied des Bundes abgeschlossen wird, wenn endlich Gemeinden und Private sich zu einem jährlichen Beitrage an diese Zentralkasse verpflichten, dann könnte bei der geringen Anzahl der jüdischen Lehrer in jedem Einzelfall eine recht bedeutende Summe ausgezahlt und viele Thränen getrocknet, vielen den Stand entwürdigenden und die Geber belästigenden Betteleien der Boden entzogen, durch Bewilligung vonDarlehen so manche hoffnungsvolle Existenz vom wirtschaftlichen Niedergange errettet werden. Es ist also notwendig, daß eine allgemeine Unterstützungs- und Darlehenskasse für alle jüdischen öffentlichen Volksschullehrer und K u l t u s b e a m t e n des deutschen Reiches, mit dem Deutsch-Israelitischen Lehrerbnnd vereinigt werde. Diese Kasse könnte allerdings auch im Anschlüsse an eine bereits bestehende Kasse, z. B. die Achawa in Frankfurt a. M. oder an eine Versicherungsgesellschaft z. B. die Victoria in Berlin geschehen, welche emeritierten Lehrern eine Pensionszulage zusichert, in Notfällen den Lehrern ein Darlehen oder eine Unterstützung bewilligt, bei Todesfällen ein Sterbegeld und den Hinterbliebenen eine u r u n. kfortlaufeude jährliche Unterstützung oder Pension, zu den gesetzlichen Witwen- und Waisenpensionen in Aussicht stellt. — Wahrlich, es sind große und schöne " ufgaben, welche eines Deutsch-Israelitischen Lehrerbunbes harren und für viele Jahre hinaus ist da Arbeit genug geschaffen, ja manche Aufgaben sind wohl Aufgaben für die Ewigkeit und verbürgen einem solchen Bunde eine beständige Dauer. Gerade in heutiger Zeit, wo in höheren Kreisen eine Trennung der Schulen und ihrer Lehrer nach Konfessionen mit allen möglichen Mitteln, welche die herrschende Macht besitzt, durchzuführen versucht wird, ist die beste Gelegenheit, unsere Wünsche durchzuführen, und zugleich solchen Verdächtigungen, als ob die jüdischen Schüler und die jüdischen Lehrer nachteilig auf die christlichen Schüler und die christlichen Schulen wirkten, mit aller Macht entgegen zn treten. Sind solche Aufgaben nicht des Schweißes der Edlen wert? Aber freilich, Resolutionen von Vereinen, die 30 bis 50 Mitglieder zählen, machen eben keinen Eindruck. Und wenn heute ein jüdischer Lehrerverein diesen Wunsch ausspricht und morgen ein anderer jenen und wenn diese Wünsche noch obenein einander widersprechen, wie das bisweilen geschehen ist, dann hat freilich Börne recht mit seiner Behauptung, daß zwei deutsche Inden drei Meinungen haben! Was sollen die Behörden da von dem jüdischen Lehrerstande denken und was von einer Religion, deren Bekenner so uneinig und über die Grundlehren ihrer Religion so verschiedener Meinung sind? — (Schluß folgt). jose Kliitter. Fabeln und Erzählungen unserer alten Lehrer. von Dr. £ Levynsohn. Obwohl einige der Fabeln jedermann bekannt sind, so bleibt doch das eigentümliche Gepräge, wie es von unseren Alten ihnen gegeben wurde, interessant, und selbst die Wissenschaft kann ihm rnanche natnrhistorische womente entnehmen, wir beginnen mit dem berüchtigten Reinecke. l) Der Fuchs sah einst die. Fische, wie sie aus Furcht gefangen zu werden, tiefere Orter im Wasser aufsuchten. „Rommt herauf und heraus, meine Freunde," rief er ihnen zu, „wir wollen nach Sitte unserer Vorvordern friedlich bei einander wohnen!" — „Thor," erwiderten die Fische, „bewährst Du so Deine Klugheit, die man Dir nachrühmt!? Wir sind am Orte unseres Lebe ns nicht sicher, wie könnten wir es am Orte unseres sicheren Todes fein?" (Berachot 6(, 6.) 2. Der Fuchs riet einst seinem Freunde Isegrimm am Rüsttage zum Sabbat in der Rüche eines wohlthällgen Israeliten sich einzufinden, um bei der Zubereitung der Speisen recht artig seine Hülfe anzubieten. Als nun infolge dessen der Wolf eine Portion Schläge sich geholt hatte, zog er den Verräter zur Rechenschaft. Dieser aber meinte, sein Freund habe deshalb das Mißgeschick erfahren, weil dessen Vater früher einmal bei gleichem Besuche in der Rüche, statt behülflich zu sein, nur den eigenen wagen bedachte und die besten Stücke gestohlen hatte. — Der wenig getröstete Wolf fragte: „warum soll ich aber für meinen. Vater büßen?" — „Ja," antwortete jener mit frommer Wiens, „so will es die heilige Schrift: Die Litern verzehren unreife Trauben, und die Zähne der Rinder werden stumpf darob." (Jeremias 3\, 29). (Sanhedrin 38, b).