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Jeschurun · 1892-10-06 · 2 (2. Probennummer) (6.10.1892) · p. [Seite]

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Journal
Jeschurun
Volume
1892
Issue
2 (2. Probennummer) (6.10.1892)
Date
1892-10-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ajx. 2. (%♦ Probenummer.) Königsberg i.Pr., den 6.Oktober. (Ä. Probenummer.) 1892. ww Israelitisches Heitteittöe- Herausgeber: A. Urvin in Tilstt. Erscheint jeden Donnerstag. Zu beziehen durch die Post oder die Expedition. Spr. d. Bärer 1, 2. ll# Verlag: G. Moser, Königsberg. Preis vierteljährlich 2 Mark. Anzeigen die viergespaltene Petitzeile 20 Pfg. Inhalt: Wochenübersicht. ' Die „15 Grundsätze der jüd. Sittenlehre." Bon y. Herzberg (Bromberg.) Drei Rätselbücher. Bon Rabb. Dr. Rosenthal (Rogasen.) Das Pharisäertum. Bon Bezirksrabb. vr. Grünebanm (Landau.) Mädchen - Konfirniationsunterrickt. Bon Rabb. vr. Grttnwald (Jungbmizlau.) Die Methode des hebr. Untere. Bon Pred. I. Stnrmann (Osterode). Revue der Presse. — Kleine Chronik. Das böse Masel. Erzählung von M. Scherbel (Gumbinnen.) Gedicht. Bon Rabb. Dr. Goldschmidt (Offenbach). Brief von Teutobold. Kritische Blätter. — Gedenktage. — Vereinsbote. —Für und Wider. Vakanzen. — Brief und Fragekasten. — Anzeigen. Wochenübersicht. Zum jüdischen Neujahrsfeste ist unseren Widersachern eine Freude bereitet worden; sie haben in der Person eines Herrn Leopold Caro aus Lemberg einen Juden gefunden, der in den annoch antisemitischen Leipziger „Grenzboten" in ihre Posaune stößt. Zwar will der Blaser anderen und uns einreden, es sei ein moderner jüdischer Schosar, dem er kreischende Töne entlocke, um uns aufzurütteln, uns zur „Teschuwa" — Rück- und Umkehr zu mahnen; allein wenn man das Instrument näher betrachtet, so sieht man allsogleich, daß es ein alt-antisemitisches Horn ist, dessen er sich bedient und daß er den Schofarton nur nachahmt, indem er unrein und — falsch bläst. Einen gewissen jüdischen Idealismus vermeint man in den Zeilen za finden, in denen der Verf. sich gegen jene Rücksichtslosigkeit wendet, die das Erwerbsleben in der Gegenwart durchzieht, oder gegen die Käuflichkeit und Unwahrhaftigkeit der Presse, die mit „hochmütigen Witzworten über den Zusammenhang zwischen Sittlichkeit und Volkswirtschaft hinweggeht; in ihrer Hexenküche Aufregung, Begeisterung, Gleichgiltigkeit, Haß und Verachtung künstlich herzustellen versteht; anstatt des Beweises die Phrase setzt, den Hohn, die Jntrigue, den Schimpf oder das Totschweigen; die jede sachliche Auseinandersetzung verschmäht u. s. w.;" ein unverfälscht antisemitischer Zug aber giebt sich in dem Bestreben kund, die Schuld für dieses Unheil den Juden aufzubürden. — Im Lande des rücksichtslosen Egoismus und der reklamesüchtigen Geschäftsmacherei pur exce lence, in Amerika, bilden die Juden eine verschwindende Minderzahl; und in den Gegenden Deutschlands, wo die Juden bis vor wenigen Jahrzehnten gar nicht und jetzt noch in sehr geringem Maße vertreten sind, ist der Wettbewerb der um das Dasein Kämpfenden nicht minder unsittlich und rücksichtslos wie in denjenigen Ländern, die dem Herrn Recht sanwalt Caro zu seiner Zeichnung „gesessen" haben. Und was die Zeitungspresse anbelangt, deren Schwächen der Verfasser bloßlegt, so giebt das Wiener ,,Volksblattt" dem dortigen „Tagblatt"; die Berliner Zeitung mit demKreuz an derStirnedermitdemBürenamKopfe, und der „Reichsherold" dem „Vorwärts" nichts nach: überall Parteilichkeit, Befangenheit und Unehrlichkeit dem Andersdenkenden gegenüber; überall Rücksichtslosigkeit im Wettbeberb der um das Dasein Kämpfenden. Alle diese Mißverhältnisse sind Produkte unserer, dem Materialismus mit Haut und Haar verfallenen und von einem unversöhnlichen Parteihaß erfüllten Zeit, nicht aber die Schöpfung einzelner Racen oder Klassen. Doch ein jüdischer Gelehrter — wenn ich nicht irre: Zu uz -— sagte einmal, das Schimpfen auf den Talmud sei der erste Schritt zur Apostasie; das Schimpfen auf die Juden seitens eines Juden ist der lötzte. Nun, ein frommes christliches Blatt hat dem Herrn Caro bereits die Hand gereicht — wohl bekomnüs beiden Teilen! * * * Er wird bei unseren Nachbarn natürlich lauter Ehrenmänner finden. Und sollte Herr C. zum Katholicismus übertreten, so möchten wir ihn an den Kanonikus und Professor Herrn Aug. Rohling verweisen, der sich zwar in seiner Wahrheitsliebe und Eidesfestigkeit wieder einmal blamiert hat, aber trotzdem ein „ehrenwerter Mann" ist — wie Figura zeigt. — Der Inhalt des Briefes, den Herr Rohling an einen Zeitungs-Korrespondenten in Cöln gerichtet und in welchem er seine Überzeugung ausgesprochen hat, daß die Buschofss einen Ritualmord begangen haben, daß der Clever Prozeß eine Komedie war, mit Judengeld aufgeführt zur Verhöhnung der Gerechtigkeit und des ehrlichen christlichen Volkes, daß er die Geschworenen mindestens für superlative Esel halte — dieser Brief ist unseren Lesern aus der politischen Tagespresse bekannt. Das Bekanntwerden des Brief s kam dem Schreiber desselben jedoch ungelegen. Was thnn? Je nun.

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