Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 7 (1898)
- Issue
- 10 (11.3.1898)
- Date
- 1898-03-11
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Zeitschrift für die GesMintereffen des Judentums. Nebst einer wissenschaftlichen Beilage. ttft Berlin, 11. März 1898. <.r. 10. Jahrgang V1L rs Redakteur: K. A. Rlausner. Verlag: Liegfrie- Lronbach, Serlin W. 57. Telephon: Amt VI, Ar. 796. Post-Ieitungsliste Ar. (j(0. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Oesterreich-Ungarn 2,50 MK., alle anderen Länder 3.— MK. Erscheint an jedem Freitag, die wissenschaftliche Beilage monatlich einmal. Zu beziehen durch die Post, den Buchhandel oder unsere Expedition. Anzeigen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 85 Pf. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. Inhalt: Die Politik. Ehristentum und Monarchie. — Konservative und Antisemiten. — Herr Stöcker, die Fortschritspartei und das Großjudentum. — Die feindlichen Brüder. — Polnischer Antisemitismus. Von M. A. K. — Der Berliner Gemeinde-Etat vom 1. April 1898 bis 31. März 1901. Von M. A. Klausner. — Die Schlußredaklion der Thora. — Sprechsaal. Der Normaletat. Von L. P. — Das Gutachten des Berliner Rabbinats über die Einrichtung eines Sonntagsgottesdienstes. Von Rabbiner Dr. B. SeligkowitzCöthen. — Literarisches. „Ich suchte Dich." Von Nahida Lazarus. — „Ueber Dogmenbildung im Judentum." Von Dr. I. Guttmann. — „Ein kurzer Gang durch die jüdische Geschichte und ein kurzer Gang durch die jüdische Literatur." Von Dr. Braun. — Wochenchronik. Wochenkalender. — Berlin: Austritt aus der Gemeinde. — Die wunderliche Taufe in Wiesbaden. — Vortrag im Literaturverein. — Israelitisches Heimathaus. — Nordhausen: Jüdische Altertümer. — Mainz: Einst und jetzt. — Bamberg: Ein Fastnachtsscherz? — Memel: Jüdische Volksschule. — Personalnachcichten. Feuilleton: Die Enkelkinder des Ghetto. Von I. Zangwill (Fortsetzung). — Brief- und Fragekasten. Die Politik. — (Christentum und Monarchie.) Die Kreuzzeitung erzählt ihren Lesern in einem Artikel über „die Quintessenz des konservativen Programms", daß aus der christlichen Erkenntnis die unverbrüchliche Treue zu der Monarchie von Gottes Gnaden beruhe. „Wir wollen" — so heißt es in unserem Programm — „die Monarchie von Gottes Gnaden unangetastet erhalten wissen und bekämpfen, bei gesetzlich gesicherter bürgerlicher Freiheit für alle und bei wirksamer Beteiligung der Nation an der Gesetzgebung, jeden Versuch, die Monarchie zu Gunsten eines parlamentarischen Regiments zu beschränken. Die Konservativen sind also keine „Vernunftsmonarchisten", ihnen ist die Königstreue Herzenssache. Diejenigen Liberalen, die rasch bei der Hand sind, mit einer „Revision der monarchischen Gesinnung" zu drohen, sofern die Regierung einen ihnen nicht genehmen Kurs einschlägt, die aber gleichwohl das verbrauchte satyrische Schlagwort „und der König absolut, wenn er unfern Willen thut" ernsthast auf die Konservativen anwenden, werden das Wesen des christlichkonservativen Monarchismus niemals verstehcu. Sie werden niemals begreifen, daß eine unbedingte Ergebenheit zum Monarchen keineswegs die Selbständigkeit ausschließt, und daß andererseits ein ehrfurchtsvoll ausgesprochener Meinungsunterschied mit der Krone nicht „Fronde" genannt werden kann. Uebrigens ist es eine alte Thatsache, daß diejenigen Elemente, welche an der Monarchie rütteln, in erster Linie Feinde der christlichen Religion sind, und hauptsächlich diesem Umstande entspringt die unversönliche Feindschaft zwischen Demokratie und Konservativen." Wir haben nicht nötig, an dieser Stelle die unerhörte Anmaßlichkeit der Behauptung zurückzuweisen, daß die Konservativen aufrichtiger königstreu seien, als die Liberalen. Wer sein geschichtliches Schulpensum nicht völlig vergessen hat, der weiß, wie viele Königsmörder unter denen gewesen sind, die sich konservativ und „königstreu bis ins Mark" zu nennen lieben. Nur darauf haben wir hinzuweisen ein besonderes Anrecht, daß der Gedanke der Monarchie von Gottes Gnaden jüdischen Ursprungs ist. Noch heute lautet der Gruß des Juden an seinen Landesherrn: „Gepriesen sei, der von seiner Majestät den Menschensöhnen mitgeteilt hat." Mit der christlichen Erkenntnis also hat die Treue zum Monarchen nur mittelbar, nämlich aus dem Umwege über das Judentum, zu thun. Es ist möglich, daß das Christentum auch aus sich heraus zu dieser Erkenntnis gekommen wäre, aber die Thatsache ist nicht wegzuleugnen, daß diese Erkenntnis zu der jüdischen Ueberkommenschaft des Christentums gehört. Das sollte die Kreuzzeitung aus der Bibel wissen, selbst wenn jener jüdische Königsgruß ihr noch niemals zu Ohren gekommen sein sollte, und wir vermuten sogar, daß sie es weiß, obwohl wir nicht geneigt sind, ihre Kenntnisse im allgemeinen und ihre Bibelkenntnisse im besonderen allzuhoch einzuschätzen. Vielleicht ist es der jüdische Ursprung des Gottesgnadcntums, der