Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 6 (1897)
- Issue
- 23 (4.6.1897)
- Date
- 1897-06-04
- Page
- Seite 384 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 384. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 23. er nie geglaubt, aber jetzt in seiner Verzweiflung und Ungläubigkeit regte sich in ihm die unbestimmte Hoffnung, daß wenigstens etwas aus dem Krach gerettet werden könne. „Oh, Ihr sollt sie Euch selbst auswählen," antwortete Manasse liebenswürdig. „Wir werden uns einen großen Plan von London verschaffen, und ich werde das Gebiet, in dem ich schnorre, mit rotem Stist bezeichnen. Dann sucht Ihr Euch darin einen Bezirk aus, der Euch paßt: wir können sagen, zwei Hauptstraßen und ein Dutzend Nebengassen. Diese werden wir mit blauem Stist bezeichnen und ich werde mich verpflichten, von Eurem Hochzeitstage an dort nicht zu schnorren. Ich brauche Euch nicht zu sagen, wie wertvoll eine solche Provinz bereits jetzt ist; unter der sorgfältigen Verwaltung, die Ihr ihr angedeihen lassen könnt, können die Einkünfte verdoppelt, verdreifacht werden, und Ihr braucht mir nicht mehr als zehn Perzent davon abzugeben." Jankele schritt wie mesmerisiert dahin; sein herrischer Gönner hatte ihn in einen Somnambulen verwandelt. „Oh, da sind wir ja," sagte Manasse, plötzlich stehen bleibend. Wollt Ihr Euch nicht die Braut ansehen und ihr Glück wünschen?" Ein Freudenstrahl zuckte über Jankeles Gesicht und verscheuchte seine Düsterkkit. Was lag an allem Andern? — Da Eostas schöne Tochter blieb ihm ja doch, nnd das war eine solide, ausreichende Genugthuung. Er lvar froh, daß sie wenigstens nicht einen Posten der Mitgift bildete. Die ahnungslose Braut öffnete die Thüre. „Ha, Jankele," sagte Manasse, dessen Vaterherz beim 'Anblick ihrer Schönheit warm wurde, „Ihr werdet nicht nur ein König, sondern auch ein reicher König sein. Es steht ja geschrieben: „Wer ist reich? Der ein schönes Weib besitzt." * * * 5. Kapitel. (Zeigt wie der König den Machamad auflöste.) Manasse da Eosta (derart in dem fcierlldjcu Schreiben seiner Namenssülle entkleidet) war vor den Machamad vorgeladen worden, da die beabsichtigte Verbindung seiner Tochter mit einem polnischen Juden in der Brust der Synagogenvorsteher Entsetzen und Mißvergnügen erregt hatte. Der Machamad war ein Nat der Fünf, nicht weniger gefürchtet als der bekanntere Rat der Zehn. Gleich dem venetianischen Tribunal, das die Aufmerksamkeit der Geschichte ungerechtermaßen monopolisiert hat, wurde er jährlich gewählt, und zwar von den Aeltesten, gerade so wie der Rat der Zehn von der Aristokratie gewählt wurde. Die „edlen Herren des Machamad," wie sie genannt wurden, verwalteten die Angelegenheiten der spanisch - portugiesischen Gemeinde, und ihre Oligarchie würde zweifellos für Alles, was schiedsrichtlich und inquisitorisch ist, sprichwörtlich geworden sein, wenn die Nnkunde von ihrer Existenz nicht so verbreitet gewesen wäre. Der Machamad selbst hielt sich für den Mittelpunkt der Schöpfung. Bei einer Gelegeuheit weigerte er sich sogar, sich der Autorität des Lord-Mayors von London zu beugen. Ein sephardischer Schnorrer lebte und bewegte sich nur „mit Erlaubnis des Machamad." Ohne seine Einwilligung konnte er im Plane der Dinge keinen gesetzlichen Platz haben, ohne die Erlaubnis des Machamad durste er nicht heiraten, mit dessen Erlaubnis konnte er rasch geschieden werden. Jnderthat er durste ohne die Sanktion des Rates der Fünf sterben; aber das war die einzige Großthat seines Lebens, die von dessen Oberaufsicht frei war, und ohne die Erlaubnis des Machamad durste er entschieden nicht begraben werden. Der Chacham selbst, der Weise oder Oberrabbi der Gemeinde, konnte ohne die „Erlaubnis des Machamad" seine Herde nicht in heiliger Ehe verbinden. Diese Autorität war nicht blos negativ und passiv, sondern sie war auch positiv aktiv. Um ein Jachid — ein anerkanntes Gemeindemitglied — zu sein, mußte man sich unter ein Joch beugen, das noch schwerer war als das der Thora, von der Finta oder Kopfsteuer nicht zu reden. Wehe dem, der sich weigerte, Vormund der Gefangenen — also der, der die gefangenen Geiseln, oder die von den Türken in Gewahrsam gehaltenen Kriegsgefangenen loskauste — oder Vorsteher der Gemeinde oder Parnas des heiligen Landes oder „Bräutigam der Thora" oder einer der sonstigen zahlreichen Würdenträger einer komplizierten Verfassung zu werden! Häufige und schwere Geldstrafen zu Gunsten der Armenbüchse erwarteten ihn „mit Erlaubnis des Machamad". Wehe dem Wicht, der sich in der Synagoge „durch Beleidigung des Vorstehers oder grobe Beschimpfung irgend einer anderen Person," wie die köstliche Vorschrift lautete, schlecht aufführte! ^Nachdrückliche und qualvolle Strafen standen auf diesen und ähnlichen Vergehen: Entziehung der „Mizwos": der Erlaubnis, die Gesetzesrolle einzuschließen oder die Bundeslade zu öffnen, schmähliche Relegierung hinter das Lesepult, Ent ziehung von Gerechtsamen, das Verbot des Rasierens aus einige Wochen. Wenn der Jachid das Amt übernahm, aber gegen die pünktliche und rechtmäßige Erfüllung seiner Pflichten verstieß, so wurde er nicht weniger gestraft. Eine Geldbuße im Betrage von 40 Pfund vertrieb Jsak Disraeli, den Sammler der „Merkwürdigkeiten der Litteratur", ans der Synagoge und ermöglichte jene politische Merkwürdigkeit, die Laufbahn Lord Beaconssields. Die Väter der Synagoge, die in jenen Tagen, als Pepys die Unanständigkeiten in ihrer kleinen Synagoge in Kings-Street bemerkte, ihre Verfassung in reinem Eastilianisch niederschrieben, gedachten mit ihren (Statuten die Gemeinde zu festigen, nicht 311 zersetzen. (Fortsetzung folgt.) sind 'an unseren Staffier, Herrn vtVTCjCVT m. Katzenstein (in Firma: Katzenstein und Benjamin) Börsenplatz 11, Frankfurt am Alain zu richten, auch sind sämtliche Mitglieder des Central- und der verschiedenen Lokal - Comites und ferner die verehrlichen Herren Rabbiner und Vorsteher nahezu sämtlicher Gemeinden des In- und Auslandes bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und zu befördern. Sämtliche schriftliche Zusendungen sind an unseren Schriftführer Herrn Dr. Israel Roes, Schöne Aussicht 5, Frankfurt a. Main zu richten, an den man sich auch wegen Drucksachen zu Sammelzwecken wenden wolle. ra l »^ . Aas GenLrrat-Konrn^ zur Errichtung eines großen jüdischen Krankenhauses 1 in Jerusalem. A Verantwortlicher Redakteur: A. Levin, Berlin. — Verlag: Siegfried Cronbach, Berlin W. 57. — Druck: Arthur Scholeur, Berlin S., Roßstr. 3.