Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 6 (1897)
- Issue
- 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- Seite 368 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 368. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 22. Als das Gebet zu Ende war, wandte er sich zu Manasse und sagte: „Worin besteht also das Mittel, das Ihr mir anraten wollt, um einträgliche Verbindungen mit den Sephardim zu bekommen?" „Jnderthat, ich wunderte mich, warum Ihr Eure Praxis als Trostprediger nicht auch auf die spanischen Juden ausdehnt," antwortete Manasse ernsthast. „Aber nachdem wir soeben gehört haben, daß die Sterbeziffer der Juden in Grodno so groß ist, würde ich Euch den ernstlichen Rat geben, dorthin zurückzukehren." „Nein, sie können nicht vergessen, daß ich einmal Knabe war," antwortete der Rabbi mit demselben Ernst. „Die spanischen Juden sind mir lieber, sie sind alle wohlhabend. Vielleicht sterben sie nicht so oft wie die Russen, aber sie sterben sozusagen besser. Ihr wollt mir also Empfehlungen geben und mit Eueren vornehmen Freunden von mir sprechen, wenn ich Euch recht verstanden habe." „Recht verstanden?" wiederholte Manasse mit würdigem Erstaunen. „Ihr habt mich nicht recht verstanden, ich werde nichts dergleichen thun." „Aber Ihr habt es mir ja selbst vorgeschlagen," rief der Rabbi ausgeregt. (Fortsetzung folgt ) Brief- und Fragekasten. Geehrte Redaktion! Eine Frage in Nr. 19 Ihrer w- Zeitschrift veranlaßt mich zu nachstehender Erwiderung. Vor allem möchte ich meinem Befremden Ausdruck geben, daß der Fragesteller hinter dem Gebrauche „am Sederabende beim Herzählen der 10 Plagen den Finger in den Becher zu tauchen und einen Tropfen Wein zur Erde zu sprengen", Aberglauben wittert. Weiß denn der Fragesteller nicht, daß das Judentum den Aberglauben mit dem Götzendienst gleichstellt? Wir dürfen daher das Zutrauen zu unseren gelehrten Vorfahren haben, daß sie keinen Gebrauch einsührten, der nur im Entferntesten an Aberglauben grenzt. Vielmehr ist es zu bedauern, daß oft der tiefe Sinn, welcher in den alten Gebräuchen liegt, vielen unverständlich ist. fron min bw Von den verschiedenen Erklärungen, welche es über den in Rede stehenden Gebrauch giebt, will ich nachstehende anführen. Ein Hauptgrundsatz, ein mins bn: ist: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Ja sogar den Feinden sollen wir Gutes thun. „Wenn dein Feind fällt, so freue dich nicht u. s. w." lautet ein anderer Spruch der Propheten. In der Sedernacht erzählen wir von der wunderbaren Erlösung aus Egypten und von den großen Strafgerichten, welche an den Peinigern vollzogen wurden. Hätte Pharao sich nicht so hartnäckig geweigert, die Israeliten ziehen zu lassen, so wären ihm die 10 Plagen erspart geblieben. Wir sollen daher keine Freude, vielmehr das Gefühl des Bedauerns empfinden, daß die gütige Vorsehung gleichsam gezwungen war, au Pharao und Egypten die 10 Plagen zu verhängen. Diesen Gedanken veranschaulichen wir dadurch, indem wir bei der Erwähnung einer jeden Plage den Finger in den gefüllten Becher tauchen und diesen um einen Tropfen vermindern. Vielleicht leuchtet diese Erklärung, deren es noch mehrere giebt, ein. L. B., Würzburg. iiraimi i min 'reMTmwwriiiiiiJii —- teo Bad Kolberg Uikolailrirchplah 3, in unmittelb.Nähe des Strandes, des Frnhkonzertplahes u. der Koolliäder. empfiehlt sich den geehrten Herrschaften angelegentlichst. Durch Umbau ist der Speisesaal vielfach vergrößert. Aufmerksame Bedienung. Anerkannt gute Küche; exquisite Weine. Pensionen auf 4—8 Wochen, sowie elegant eingericht. Zimmer zu zivilen Preisen. Hausdiener am Bahnhof. In meinem Verlag erschien soeben: "pTp 'fbv Schulchan Aruch 1. Teil Orach Chajixn, in deutscher Uebersetzung. Die religiösen Satzungen, Vorschriften, Sitten und Bräuche des Judentums in Synagoge, Schule und Haus, nebst vollständigem System des synagogalen Kalenders. 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