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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-12-20 · 51 (20.12.1895) · p. Seite 846

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
51 (20.12.1895)
Date
1895-12-20
Page
Seite 846 (sequence 18)
Language
German
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Seile 846. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 51. — Grabreden, gehalten von Dr. N. Brüll s. A. Rabbiner in Frankfurt a. M. Aus seinem Nachlasse herausgegeben. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmann. — Veröffentlichungen aus dem Nachlasse hervorragender Männer werden zumeist mißtrauisch ausgenommen; denn sie sind — nach G. Freptags Ausdruck — Schnitzellitteratur. Das vorliegende Werk ist jedoch ein abgeschlossenes Ganzes, das sowohl inhaltlich als formell wertvoll ist. Manche der Trauerreden wirken auf den Leser tief ergreifend. Diese Predigtsammlung zeichnet sich auch dadurch aus, daß sie keine Reden enthält, die man, wie Heine sagt, ihrer Langweiligkeit wegen den Sündern in der Hölle als Straflektüre zuweist. Die Reden Brülls sind schon darum nicht langweilig, weil sie zuin Teil wahrhaft homiletische Elemente enthalten und nicht denjenigen „modernen" Predigten gleichen, die es vergessen lassen, daß Israel neben der Bibel noch andere Litteraturwerke von hoher Bedeutung besitzt, die nur solche allgemein bekannte Talmud- und Midraschstellen enthalten, welche — man verzeihe den Ausdruck — auch die Spatzen auf den Dächern pfeifen. Die Grabreden Brülls gehören demnach nicht zu den Reden, die Trauerreden auf die jüdische Litteratur sind. Die vorliegende Grabredensammlung sei daher bestens empfohlen. Dr. I. Niemirower. Ast Kliitter. Aphorismen. Bei manchen Schriftstellern ist es sehr zu beklagen, daß sie nur dann und wann Plagiate begehen. - Leute, die jedes Wort auf die Goldwage legen, werden gewöhnlich im Besitz falscher Gewichte gefunden. Keine Mitgift ist häufig Scheidemiinze. Nur in der Jugend kann man sich berauschen, ohne zu trinken. Geistesverwandte können uns ebenso unangenehm werden, wie wirkliche. Das Mutterauge in Thränen ist wie der Ocean, man sieht nichts als Himmel und Wasser. Ein Freund ist viel, ein guter Freund wenig- Es giebt auch unechte Spitzen der Gesellschaft. Wer ein Herz finden will, darf es nicht suchen. Dem Juden nimmt man heute auch die römische Nase krumm- Schönheit vergeht, Tugend besteht. Leider pflegt aber die Schönheit konsequenter zu sein- Die Zeit flieht, weil sie weiß, daß man sie totschlagen will. Es giebt Menschen, welche einem Andern Rosen auf den Weg streuen, damit er sich an den Dornen verletze. Wer Dir zeigt, was eine Harke ist, zeigt Dir wohl auch, was ein Mensch kämpft erst oft mit sich, wenn er einen Andern besiegen will. Wenn der Spiritist Geist hätte, würde er keinen zitieren. Auzunehmen ist, daß das lenkbare Luftschiff früher als das lenkbare Weib erkunden werden wird- Der Schriftsteller ist schlechter dran als der Zeichner, weil man sich leichter ansschreiben als auszeichnen kann. Julius Stetten heim. 45. „Nach Deinem Vermögen bestelle Deine Kost, mehr verwende auf Deine Kleidung und das meiste auf Deine Wohnung." Eine Klugheitsregel, die ihren Boden darin hat, daß die Menschen am meisten nach dem Scheine urteilen, und die gesellschaftliche Stellung, ja auch unser Enverb und unsre Wirksamkeit von der Meinung der Menschen über uns abhängt. Im Volke hört man von klugen Leuten das Wort: Die Menschen sehen nicht, was ich im Leibe, wohl aber, was ich auf dem Leibe habe. 46. „Von der Zunge konnnt Gutes, von der Zunge kommt Schlimmes; ist es Gutes, giebt's nichts besseres, ist es Schlimmes, giebt's nichts schlimmeres." (Vajikr. rab.) Die Wirkungen der guten und bösen Rede. 47. Woher es komme, ward ein frommer Mann gefragt. Daß er in aller Not stets bleibe unverzagt. Ich nehme, sprach er da, die Augen wohl in Acht, In meinen Augen liegt mir meines Glückes Macht. Sobald der Morgen sich dem Blicke aufgethan, So fängt der Augen Pflicht vor allen Pflichten an. Zum Himmel heb' ich sie empor und sage mir: Hier ist, und einzig hier, des Lebens Ziel und Zier. Zuni zweiten lenk' ich sie zur Erde und bedenke, Wie klein der Raum, worein den Leib man einstens senke. Zum dritten blick ich rings um mich und nehme wahr, So manchen, der noch schwebt in größter Not und Fahr. So leb' ich fort, so lang die Augen mir noch treu. Und preise Gott und mein Geschick alltäglich neu. *6 Wo ist in der Schrift das Telephon ganz deutlich dargestellt? — Im 5. Buche Mosis Kap. 4 V. 12, in den Worten: „Den Laut der Worte habt ihr gelöst, aber eine Gestalt habt ihr nicht gesehen, außer dem Laute." *5 Wo ist in der heiligen Schrift der Telegraph ganz deutlich dargestellt? AntwoA: Im Psalm 19, Vers 4—5: „Keine Reden und keine Worte, nicht wird ihre Stimme gelöst. Ueber die ganze Erde geht ihre Schnur und bis zum Ende des Erdballs ihr Wort." *5 Rabbi Bär Meisels wurde i. I. 1849 von feiner Gemeinde in Krakau in den österreichischen Reichstag gewählt. Bei Gelegenheit einer Audienz frug ihn der Minister: Sagen Sie, Herr Rabbiner, woher kommt es denn eigentlich, daß die Juden immer ihren Platz auf der Linken nehmen. Schlagfertig antwortete der kluge Rabbi sofort: Ja, Ercellenz, weil sie keine Rechte haben. Kriesmi> KMkastkil. Herrn I. N.. Duisburg. In vorliegender Form unverständlich. Läßt sich die Notiz nicht vopulärer gestalten? Wir würden sie dann gern bringen. Herrn E. M- Bütow- Wir sind nicht in der Lage, längere Berichte in einer bestimmten, von dem Einsender zu bezeichnenden Nr. zu bringen. Herrn H. N., L. Ueber den Verein für Rheinland-Westfalen werden wir gut informierte Berichte bringen können, da Herr Seminarlehrer Treu nunmehr zu unseren ständigen eifrigen Mitarbeitern gehört- — Zur Mendelss oh n-Kontra v erse sei der Hinweis gestattet, wie bereits 1836 der gelehrte Verfasser der „19 Briefe über Judentum", Samson Raph. Hirsch über die Bedeutung Mendelssohns dachte und schrieb- In seinem 18. Briefe heißt cs u. a. von M-: „Eigentlich groß nur in philosophischen Disziplinen der Metaphysik und Aesthetik, Th. nach nur philologischästhetisch entwickelnd, das Judentum als Wissenschaft nicht aus sich selber erbauend, sondern nur gegen politischen Unverstand und fronimchristliche Zumutungen verteidigend us. w. — Seme Nachfolger begnügten sich, eifrig Thnach philologischästhetisch zu entwickeln, den Maureh zu studieren und doch humanistische Studien anzubauen und zu verbreiten, aber — das Judentum, Th. nach und Schaß als Wissenschaft — blieb verwahrlost." — Also vor bereits 60 Jahren rechtfertigte ein genialer Forscher die Ansichten Dr. Bernfelds, der bescheiden meint, so lange nicht bedeutendere Männer ihre Stimme erheben, müsse er es „wagen", einer fest eingelebten Ansicht den Krieg zu erklären. Wie gesagt, es h a t bereits eine Autorität gesprochen. (Auch über Moimon s. Brf. 18.) Für Dr- Bernfeld, wie für die werten Leser dürfte diese Erinnerung nicht uninteresfant sein, zugleich ein Beweis, wie die „19 Briefe", welche s- Z. epochemachend wirkten, heute noch — lesenswert sind. A. Mannheimer, Harburg, Schwaben-

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