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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-12-13 · 50 (13.12.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
50 (13.12.1895)
Date
1895-12-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Hlo. SV. Jahrgang i v. Herausgeber A.Levi«, ZSerttn. er n t VerNn, 13. Dezember 1895. $tf$ntnn. Bezugspreis: viertekjährk. 2 Wk. Erscheint an jedem Areitag. IZezugspreis für das Anstand: Wk. 2,50. Zu beziehen durch die Po unsere Expeditionen und den Buchhandel_ ft, Anzeigen, Redaktion und Vertag: chr Kamburgerstr. 21. die Aeite 25 Rsi, nehmen alle Annoncen-Expeditionen sowie unser Bureau entgegen.' Judäa und Hellas. Von Dr- S. Bernfeld. Die Rabbinerwahl in Berlin. II. Von M. A- Klausner. Warum ging Ahlwardt nach Amerika. Von Dr- M. Ahlwardt auf Reisen. Von Julius Freund. Unsere Rabiner. II. Von Dr. I- Caro- Shylock- I. Zahn um Zahn. Wochen-Chronik. — Lose Blätter- — Brief- und Fragekasten. Kalender — Anzeigen. Judäa und Kekkas. (Zur Ehamikkah-Feier.) Von Dr. S. Bernfeld. In jüdischen Häusern — wohl nicht mehr in allen — werden alljährlich an diesen Tagen Lichter angezündet, um einen Sieg, den unsere Vorfahren vor mehr als zweitausend Jahren über einen zahlreichen und mächtigen Feind erfochten hat, zu feiern. Aber wenn auch die Lichter angezündet werden — das Herz bleibt finster und kalt, Aenn die Erinnerung an jene glorreiche Zeit ist verblaßt und das Bewußtsein der Bedeutung jenes ruhmreichen Ereignisses nicht nur für den jüdischen Stamm, sondern für die ganze zivilisierte Menschheit, fehlt in unserer Zeit der Blasiertheit und der Mattherzigkeit. Wir müssen freilich die zähe Widerstandskraft des jüdischen Stammes bewundern, der, obwohl seit mehr als einem Jahrhundert an ihm operiert wird, um ihm jede selbständige Regung, jede Faser des historischen Bewußtseins gründlich wegzudisputieren, noch immer, wenn auch nur mechanisch, an seinen Idealen hängt. Und so zünden sie zum Teil in ihren Häusern die Lichter an, hören zum Teil wohl auch auf die schönen Worte, mit denen diese weihevollen Tage eingeweiht werden, obwohl man bei dieser Gelegenheit mit dem Propheten Jesaias klagen darf, daß sie der heiligen Sache nur noch mit den Lippen treu geblieben, während sie mit ihrem Herzen fern sind.-- Seit den Hasmonäerkümpfen hat Israel genug der Stürme erlebt; es hat seitdem sogar seine national-territoriale Selbständigkeit eingebüßt und alle Bitternisse des leidvollen Erils bis zur Neige durchkostet. Seitdem hat Israel auf tausend Schlachtfeldern gekämpft und geblutet, manche Schlacht sogar verloren; aber nie hat es die heilige Fahne aus der Hand gegeben, nie hat der jüdische Stamm aufgehört, sich zu den Idealen zu bekennen, denen es ewige Treue geschworen. — Ach, im Anfänge trat der jüdische Genius sehr würdig und respekteinflößend auf; aber sie haben ihm durch eine leidvolle Zeit die Schönheit des Kriegsmannes geraubt; der jüdische Stamm konnte später gegen brutale Uebermacht und rohe Wut nur die Resignation eines auf Gott vertrauenden Volkes, das in Leiden und Dulden seinen Adel suchte, zeigen. Aber die heilige Fahne gab es dennoch nicht aus der Hand. Es war oft kein schöner Rahmen, aber um so schöner und ergreifender war das Bild: ein schwacher Stamm, kämpfend . gegen eine Welt von Feinden und Widersachern! Aber das ewige Licht scheint zu erlöschen; ein mattherziges und feiges Geschlecht, unwürdig der großen Lehren, ließ freiwillig die Fahne niederfallen und sogar in den Schmutz zerren . . . die ruhmreiche Geschichte Israels wurde zur Phrase und zur Lüge. Was Hellas in einem tausendjährigen Kampf mit allen Mitteln der Macht und der Uebermacht nicht erreichen konnte: — die geistige Unterjochung Israels — dies scheinen ihm Unwissenheit und Feigheit zu erleichtern. Dürfen wir noch das Chanukkah-Fest feiern? Haben wir noch ein Recht, an jene Kämpfe zu erinnern? Nun, wir wollen es doch thun, für Wenige zu ihrer Stärkung, für die Meisten aber zu ihrer Beschämung. Der erste Zusammenstoß zwischen Judäa und Hellas, der freilich damals mit der wunderbaren Errettung Jrsaels endete, um später wieder zum hellen Kampf aufzulodern, der erste feindliche Zusammenstoß zwischen der jüdischen und griechischen Kultur, wurde, wie wir zu unserer Beschämung sagen müssen, durch Juden selbst vermittelt. Wir nehmen bei dieser Gelegenheit Veranlassung, auf eine eigentümliche Erscheinung in der jüdischen Geschichte hinzuweisen: Stets waren es bei uns die offiziellen Vertreter unserer Sache, denen die Obhut über die heilgsten Ideale des Volkes anvertraut ward, stets waren es diese beamteten Personen, welche das Judentum im ersten Anflug zu verraten bereit waren. Sie thaten es ohne jeden Widerstand, wenn der Druck von außen kam; sie thaten es aber auch in innerer Entartung, aus kleinlicher Eitelkeit, aus Verstocktheit, Egoismus und um den niedrigen Instinkten des Volkes zu schmeicheln. Als es hieß, die Reinheit der jüdischen Lehre gegen schädliche Einflüsse von außen, gegen Götzendienst und heidnischen Kultus zu schützen, da waren es nicht die beamteten Priester, welche, wie sie es schon aus Anstand hätten thun müssen, den Verirrungen des

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