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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-11-06 · 49 (6.11.1895) · p. Seite 809

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
49 (6.11.1895)
Date
1895-11-06
Page
Seite 809 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 49. Allgemeine Jsraelitische^Wochenschrift. Seite 809. ist sattsam bekannt. Die Juden wurden für ihre Prinzipientreue bestraft, und die „Deutschnationalen" (revts Antisemiten) danken es ihnen in ihrer Weise, daß die Juden die Deutschen nicht im Stich gelassen haben . . . — („Geistiger Rit u almord.") So würden wahrscheinlich Antisemiten-Blätter den folgenden Bericht überschrieben haben, wenn die aktiven Personen Juden wären. Wir aber geben ihn ohne Neberschrift und ohne Glosse wieder, so wie wir ihn in der Krakauer Wochenschrift „Sprawedliwose" finden: Eine zwölfjährige Waise der verstorbenen Eheleute Getzel Theemann und seiner Gattin, aus einem Dorfe unweit Kalwary, stand bei einem Israeliten in Wadowice in Dienst. Dieser wohnt im Hause des christlichen Schlossermeisters Grzybek, welcher, nach Aussage einer Magd, die bei Grzybek bedienstet war, das Mädchen überredet haben soll, zum Christentum überzutreten. Der Schlosserineister Grzybek ersuchte auch einmal in Wadowiee die Geistlichen dieser Diöcese das Kind zur Taufe zu bringen, welches Anliegen dieselben zurückwiesen. Im Monate Februar d. I. ist die zwölfjährige Leni Theemaun vom Hause ihres israelitischen Dienstherrn in Wadowice verschwunden. Der Verdacht, das Kind weggeschafft zu haben, lenkte sich sogleich auf den Schloffermeister Grzybek. Der Advokat Dr. Korn in Wadowice überreichte gegen denselben im Februar d. I. eine Klage, in welcher die Zurückgabe des Kindes gefordert wird. Der erwähnte Schlossermeister behauptet, daß er das Mädchen einem Schneidermeister, namens Mecnarowski, übergeben habe und dieser gab zu Protokoll, daß er dasselbe in Krakau einem Gerichtsdiener übergeben habe, welcher aber nicht zu eruieren ist. Bis heute ist es dein Gerichte in Wadowice nicht gelungen, Grzybek zur Rückstellung des Kindes an die Verwandten desselben zu verhalten. Dieser Vorfall würde den Herrn Justizminister gewiß interessieren und wir bitten hiermit die israelitischen Herren Abgeordneten aus Galizien, daß sie die Güte haben mögen, denselben von diesem Ereignisse in Kenntnis zu setzen. * Die päpstliche Presse in Italien polemisiert seit kurzem scharf gegen den Antisemitismus. Als unlängst ein deutscher Mitarbeiter im „Osservatore Cattolico" über die bekannte antisemitische Kundgebung des deutschen Episkopats in Fulda berichtete, knüpfte das wegen seiner früheren Verbissenheit bekannte Blatt daran einige zustimmende Bemerkungen, worin es ausführte, daß der Antisemitismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen sich immer deutlicher von den Lehren des Christentums entferne, daß es demnach Pflicht des katholischen Klerus sei, ganz entschieden, ohne Rücksicht auf vereinzelte Ausnahmen, dagegen Stellung zu nehmen. Auch der „Osservatore Romano" hat sich in ähnlicher Weise ausgesprochen, und als später ein deutsches Antisemitenblatt mit der Behauptung hervortrat, daß daß Episkopat in Fulda ganz im Gegenteil eine den Juden „sehr feindliche Entschließung" gefaßt hätte, bewerte dieses hochosftziöse vatikanische Organ lakonisch: „Unserem Wissen nach liegt hier ein grober Irrtum vor, und war unsere ursprüngliche Information durchaus zutreffend, wonach das Episkopat im Gegenteil den antisemitischen Auswüchsen scharf tadelnd entgegengetreten ist . . . Jede andere Darstellung ist unzutreffend." — Wir begrüßen diese Haltung mit Dank. Kier und dort. — Anläßlich des November-Avancements innerhalb der galizischen Korpskomnianden wurden auch folgende jüdische Offiziere befördert: Hauptmann Isaak Cjustina zum Artilleriezeugsverwalter in Przemysl (Majorsrang); zu Hauptleuten: die Oberlieutenant Filip Epstein, David Schapira, Camillo Eisenschimmel, Jacob Nossek und Moritz Feldmann; zu Oberlieutenanten: die Lieutenante Benedikt Herzan und Arthur Popper; zu Lieutenanten: die Kadetten Karl Ilngar und Othmar Herzig. Ferner wurde Oberarzt Dr. Leou Weißberg zum Regimcutsarzt und Licutenant-Rechnungssührer Jakob Goldhardt zum Oberlieuteuaut-Rechuuugssührcr ernannt. — Unsere antisemitischen Leser, die schwache Nerven haben, ersuchen wir, diesen kurzen Bericht zu überschlagen. — Wie das „K. Ung. Korr.-Bür" erfährt, hat der König von Ungarn das Gesetz über die freie Religionsübung genehmigt; das Gesetz werde nächstens veröffentlicht werden. — Bon der Wahl des Oberrabbiners in Bulgarien ist es wieder ganz still geworden. R. Jizchak Bakisch versieht die repräsentativen und amtlichen Obliegenheiten desselben und dürfte dies allem Anscheine nach noch recht lange thun. Die Gemeinde steht vor der Notwendigkeit, die Mittel für die Besoldung des Obcrrabbiners zu beschaffen. Die provisorische Verwaltung hat beschlossen, aus drei der Gemeinde gehörenden Grundstücken Miethshäuser zu errichten, deren Ertrag für die Dotierung des Oberrabbiners, eventuell auch für den Bau der großen sephardischen Synagoge und für die Errichtung einer Mädchenschule bestimmt sein soll- — Literarische Notiz. Patriotische Reden! Unter dem Titel „Kaiser-Reden" veröffentlicht Herr Dr. Kohy, Rabbiner in Jnowrazlaw, eine Sammlung patriotischer Reden. Einige Reden zur Geburtstagsfeier Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm II., Festrede zur Feier des 25 jährigen Regierungs-Jubiläums .Kaiser Wilhelm I., Gedächtnisrede aus Kaiser Wilhelm I., Gedächtnisrede auf Kaiser Friedrich HI. u. s. w. bilden den Gehalt des patriotischen Werkes! Preis 1 Mark- Als Schul-Prämie besonders geeignet. Bestellnngen sind an den Verfasser zu richten. — Personalien. Herx Ra witsch er ist von Soraw N-Lnach Malmö in Schweden berufen worden. — In Breslau verschied vor einigen Tagen der langjährige Kantor der alten Synagoge, Herr M. Rosenthal. Fast vier Jahrzehnte hat der Verstorbene dort amtiert, und war wegen seines liebenswürdigen Charakters, seiner Schlichtheit und Geradheit allgemein beliebt. Er ruhe in Frieden! — Zinn Prediger und Vorbeter in Bremen wurde Herr Dr. Nosenack von hier gewählt. Aachchaundraht. Einst und jetzt. (Den „Liberalen" ins Stammbuch). Ehannkkah, das Weihesest, Ist wieder uns erschienen; Welch' Lust und Freude blitzte einst Aus aller Inden Mienen! Wie wurde Makkabäer-Mut Bewundert und besungen, Doch wie die Alten sungen einst, Nicht zwitschern jetzt die' Jungen! Wie stimmten weich den Sinn und mild Mit ihrem Schein die Kerzen; Die Weihelichtlein brachten Trost Manch' schwergeprüftem Herzen. Wozn braucht heut' man diesen Kranit Wozu ein müßig Träumend Die Makkabäer „feiern" sie Jetzt unter Weihnachtsbäumen. F. N. Kries- und Fragkkasttil. — Obgleich in der heil. Schrift „Channucka" nur mit kurzem n vorkommt, findet man in andern Büchern häufig das Wort mit langem u. Selbst Heidenheim ist hierin nicht konsequent. Woher diese Inkonsequenz, welche um so befremdender, als das Fest, falls das Wort mit langem u geschrieben wird, nach grammatischer Regel Ehannuch o heißen müßte. L. in H. — Das Channuckasest kann ail jedem Tag der Woche beginnen, nur nicht am Dienstag. Warum nicht? L. in H.

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