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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-10-11 · 41 (11.10.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
41 (11.10.1895)
Date
1895-10-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Hl». 41. Jahrgang IV. Nertin, lt. Moöer 1895. Herausgeber: A. Levin, Uersin. Bezugspreis: vierleljäyrl. 2 Mk. s-ih' Hrschcint an jedem Areitag. Bezugspreis für das Anstand: Mir. 2,50. Au beziehen durch die Post, ^^^^^ur^ere^L^pe^oueu^md^en^Bu^haudel^E^^E^, Redaktion und Verlag: chr. Kamönrgerstr. 21. Anzeigen, die Zeile 25 Bl», nehnreu alle Auuoirceu-Expeditioueu sowie unser Bureau entgegen. J Ju bat lic#>tfäfcntnnicmntt%icn in Berlin. i. Der Zeitpunkt für die Wahlen zur Repräsentanten-Versammluug der Berliner jüdischen Gemeinde ist nahegerückt. Zehn Repräsentanten scheiden ordnungsmäßig aus, fünfzehn Mandate von Stellvertretern kommen zur Erledigung. Bon dem Ergebnis der Wahlen wird es abhängen, welche Entwickelung die Verwaltung unserer Gemeinde einschlagen soll. Unseren anhaltenden Bemühungen, unseren unausgesetzten Mahnungen ist es gelungen, für manche Beschwerde Abstellung zu erwirken, manchen Schaden zu beseitigen. Wir haben die Errichtung neuer Religiousschulen, die Vermehrung der Andachts-Gelegenheiten, die Einführung des Jugendgottcsdienstes erzielt. Deß dürfen wir froh sein; aber zur Befriedigung fehlt uns der Grund; denn was noch aussteht, ist ungleich mehr und ungleich bedeutsamer, als was wir erlangt haben, und das Erlangte selbst ist nicht gesichert, wenn die bevorstehende Wahl nicht auf Männer fällt, die in unserem Sinne mit Hingebung und Eifer thätig sein wollen. Nicht ohne Beschämung denken wir daran, daß es erst unserer Agitation bedurft hat, um die Gemeindeverwaltung zu veranlassen, die gottesdienstlichen Veranstaltungen zum mindesten für die hohen Feiertage an schicklichen Stätten zu treffen. Man entschloß sich erst unter unserem Drängen, solche Gebetsstätten in größerer Zahl einzurichten, während man Jahre hindurch mit einer einzigen anskommen zu dürfen geglaubt hatte. Doch bis zur Stunde sind die Aufwendungen nach Zahl und llmfang unzureichend, bis zur Stunde ist es ein Gewerbe geblieben, Gebetsversammlungen einzurichten und aus dem Andachtsbedürfnis der Gemeindemitglieder Gewinn zu ziehen. So wird dem Heiligen selbst das Profane angeheftet, der Gottesdienst mit der Spekulation verknüpft, die Andacht gleichsam auf dem Wege der Submifsiou befriedigt. Freilich sind diese privaten Veranstaltungen noch besser als keine Veranstaltungen; aber für die Gemeinde Berlin, die größte Deutschlands, ist es ein Makel, daß sie die Erfüllung ihrer unzweifelhaften Pflicht dem Geschäftssinn Privater zur Ausbeutung überläßt. Noch jüngst waren vierundzwanzig solcher Ilnternehmungen in den öffentlichen Blättern angekünoigt. Die Ankündigungen, oft genug schon in der Form anstößig, kehren alljährlich wieder — ein Beweis, daß die Unternehmer dabei ihre Rechnung finden; ein Beweis zugleich, daß die Gemeinde nicht einmal eine finanzielle Last auf sich nehmen würde, wenn sie in dieser Beziehung thäte, was ihr obliegt. Selbstverständlich sind auch diese „fliegenden" Andachtsstätten, wenn der Ausdruck gestattet ist, nur als Notbehelf für die hohen Festtage zulässig. Nie wäre es zu der Syuagogen-Not gekommen, die wir beklagen, wenn nicht die Neigung zu Prunkbauten mit kostspieligem Dienst die Befürchtung hervorgerufen hätte, daß die Vermehrung der Synagogen die Steuerlast für die Gemeinde-Mitglieder ungebührlich erhöhen würde. Wir haben an den vorhandenen Prunksynagogen genug, wir verlangen nur Andachtsstätten von würdig-einfacher Ausstattung. Wenn Kirchenbauten mit hohen Türmen und Plätzen für 1200 Personen mit einem Aufwand von weniger als dreimalhunderttausend Mark sich Herstellen lassen, so muß eine erheblich kleinere Summe für einen Synagogenbau ausreichen, der 1500 Betenden Raum geivährt. Vier solche Gotteshäuser, räumlich angemessen verteilt, im Westen jenseits des Leipzigerplatzes, im Süden zwischen Oranien- und Andreasplatz, im Norden zwischen Schönhauser-Allee und Chausseestraße, endlich im Stadtteile Moabit sich erhebend, würden zusammen nicht so viel Kosten verursachen wie eine der bestehenden Luxus-Synagogen und einer vielfachen Anzahl von Andächtigen Gelegenheit zu geineinfamem Gebet bieten. Unter allen Umständen muß es das Ziel bleiben, daß die Kultus-Gemeinde allen ihren Mitgliedern alle erforderlichen Kultus-Einrichtungen zur Verfügung stellt. Es würde kaum nötig sein, deswegen die Gemeinde- Steuern zu erhöhen. Sobald dafür gesorgt wird, daß alle Steuerpflichtigen und Steuerfähigen auch thatsächlich angemessene Beiträge leisten — wozu eine Reform des dezentralisierten Einschätzungsverfahrens nach kommunalem Muster sich empfehlen würde — wird die seitherige Steuerquote sich als ausreichend erweisen. Ein großer Gewinn wäre es dabei, daß die Separatgemeinden, deren Vorhandensein die Gefahr einer Vorbereitung zur Trennung in sich birgt, ihre Existenzberechtigung verlören und damit die Doppelbesteuerung aufhörte, die darum nicht weniger eine Last ist, weil sie scheinbar freiwillig übernommen wird. _ Wie sehr es in unserem Programm liegt, die Einheitlichkeit der Gemeinde zu erhalten und zugleich allen verschiedenen Richtungen innerhalb der Gemeinde zu ihrem vollen Recht zu verhelfen, das soll in den ferneren Erläuterungen dargethun werden, aus denen erhellen wird, daß wir „gleiches Recht für Alle" nicht blos mit den Lippen proklamieren, daß wir „gleiches Recht für Alle" aufrichtigen Herzens anstreben. fit* ttc de* .jitd. Gettieittde iit VevNti.

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