Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 40 (4.10.1895)
- Date
- 1895-10-04
- Page
- Seite 646 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 646. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. 9ir. 40. in der Person des Mnllcrgehilsen Esomor verhaftet worden. Der Mörder hat seine Dhat vor dein königlichen Bezirksgericht in Bamos-Mikola mich bereits eingestanden. Ferner wurde auch der eigene Baker des ermordeten lindes in Hast genommen, da derselbe nicht nur Kenntnis von Morde gehabt, sondern anch an der Ausführung desselben sich beteiligt haben soll. * St. Aus Amerika. Aus den Berichten der Bereinigten jüdischen Wohlthütigkeits-Gesellschafteu in New-Z)ork geht hervor, daß 2805 Applikationen für Unterstützung im verflossenen Monat gemacht wurden. 482 Kleiderstücke, 186 Paar Schuhe und 21 Stücke Möbel, Betten u. s. w. kamen znr Berteilung. 86 Leichen wurden beerdigt, 17 Wöchnerinnen wurden unterstützt, 04 Kranke erhielten ärztliche Abwartung und 2848 Rezepte wurden verschrieben. Bareinnahmen während des Monats beliefen sich auf Doll. 10,702,66 und die Ausgaben waren wie folgt: Gelduuterstützuug Dollar 8,814,75, Transport Dollar 157, Materialien Dollar 08, Medikamente und ärztliche Hilfe Doll. 597, für Wöchnerinnen Doll. 112, Industrieschule Doll. 284, Arbeitsnachweisung Doll. 489, freie Beerdigung Doll. 529; im ganzen Dollar 7518,22. — „Wenn einer eine Reise thut, dann kann er was erzählen". Der Rabbiner I. Leonard Levp von P h i l a d e l p h i a kehrte dieser Tage von einer ausgedehnten Reise zurück und es wurde ihm von dem Berwaltungvrat seiner Gemeinde Tempel Keneseth Israel ein öffentlicher Empfang gegeben. Er bereifte Palästina .und besichtigte die vielen feheuswüroigen Monumente und historischen Plätze da und gab davon eine interessante Schilderung. Unter andern besuchte er auch die jüdischen Kolonien dortselbft, wovon zwanzig unter dem Schutz des Barons Edmund von Rothschild stehen. Dieselben sind verhältnismäßig erfolgreich, aber eine größere Besiedlung Palästina's seitens der Inden hält er für eine Chimäre. Tie Umstände wären durchaus dagegen, das Land ist zum größten Teil von ungeschlachten Gebirgsvölkern bewohnt und von einem geordneten Regierungswesen kann dort vorderhand keine Rede sein. In Jerusalem wohnen 25,000 Juden, wovon viele dem Hungertode preisgegeben wären, wäre es nicht für die Unterstützungen, welche von bcn Juden der ganzen Welt für die Armen dahin fließen. Es werden jetzt Anstrengungen gemacht, die Scheidegrenze zwischen den portugiesischen und deutschen, respektive polnischen Juden niederzubrechen und eine Bereinigung herzustellen. Hier u»l> dort. - Der &> nmanitäts - V c r c t n G « wnl - Tan w veranstaltet am Sonntag, 10. Oktober er., abends 8 Uhr in den Tvcftfälen von Arnims .Hotel, Unter den Linden 44, ein Simchas 7auro-Kräiizchen, verbunden mit musikalisch, deklamatorischen Vorträgen. Die Beteiligung durfte eine recht rege werden, da abgesehen davon, das; groste und namhaste Künstler Mitwirken, der llcberschnß des Ertrages zu 61 misten der brasse der 61 nstav-Michaelis-Stiftung bestimmt ist, welche den Zweck hat, Mitglieder zu unterstiitzm, welche krank und rekonvaleszent sind, die sonst laut Statut des Vereins aus dessen Fonds nicht mehr unterstützt werden können. - Billets sind nur b is zI, m 10. Oktoberftr. bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern zu haben. — Ter Synagoqen-Gemeinde-Vorstand in 61 log a n erhielt vor kurzem von der kön'igl. Negierung zu Licgnitz die Benachrichtigung, daß die seiner Zeit von dem verstorbenen Rentier Herrn Elias Eduard Weisstein daselbst gestifteten Legate durch den König bestätigt worden sind. Tie Legate — in Snmma 12 000 Mark — werden allgemeinen Armenzweckcii dienen und insbesondere auch strebsamen junge» Leuten zu gute kommen, die sich dem Stndinm oder dem Handwerke widmen, wobei das Banhandwerk besondere Berücksichtigung findet. Auch de»! Verein znr Bekleidung armer Schulkinder sind alljährliche Unterstützungen zngcwendct. — Wie seiner Zeit berichtet, wird schon seit Jahren von den in Schoppinitz, Rosdzin und Burovietz wohnhaften Mitgliedern Lynagogen-Gcmeinde Myslowitz die Abzweigung von der letztere» geplant und die Begründung einer eigenen Gemeinde beabsichtigt. Tiefer Plan ist jedoch zu Wasser geworden, weil durch diese Abzweigung die Existenz der Myslowitzer Gemeinde gefährdet wäre, da fast die Hälfte der zu dieser 61cmeinde gehörigen Mitglieder in den vorbezcich neten Ortschaften ihren Wohnsitz hat, und sind nun dieselben mit ihre», Anträge ans Abzweigung vom Regierungspräsidenten endgiltig abgewiesen worden. -- Tie Redaktion der „Kleinen Presse" in Frankfurt a. M. teilt mit, daß Herr v- Hammcrstein die Klage gegen sie und Sonnemann znrückgenommen. Tas ist nett von ihm. Das Blatt hält aber seine Widerklage wegen verleumderischer Beleidigung ansrecht. — Wie der „Pcster Lloyd" zu melden weiß, ist vor knrzcm i» der Treßtenacr Kirche (Arvaer Komitat) der ans Riga gebürtige, 2"> Jahre alte Libovaer Rabbiner (?) Ignaz Besser zum römisch-katholische» Glauben übergetrctcn. Als Tanfpaten fungierten der Advokat Engen Vilcsek und dessen Gattin. — Zum Rabbiner wird der Apostat wohl nur ad majoram doi gloriam von seinen Tanfpaten gemach' worden sei». -- Das n n gari s ch e Abgeordnetenhans nahm die Vorlage» über die Rezeption der jüdischen Religion sowie über die freie Religioiisübniig unverändert in der Fassung des Ausschusses an. - Baron Henry von Worms in L o n d o n hat eine Pecrschast angeiiomineii. Er hatte zweimal ministerielle Stellung unter Lord Salisbury und ist jetzt Parlamentsmitglied für einen Liverpools Wahlbezirk. Seine erste Frau war eine geborene von Todesco aus Wien, seine zweite ist die Tochter des verstorbenen Alderman Sir Benjamin Phillips, der vor etwa 20 Jahren sich als Lordmai,or besonders anszeichnete. Sein Sohn Mr. Fandest Phillips wird wahrscheinlich für das kommende Jahr gewählt werden. Sir Bcnjami», ein gewandter und litterarisch sehr begabter Weltmann, war Charles Dickens' langjähriger, hochgeschätzter Freund. Antisemitische Vorurteile kann man den englischen Tories nicht zum Vorwurf machen. — Syrische Melodie»• Einen kurzen Aufenthalt in Breslau des Administrators der jüdischen Ackerbankolonien „Mischmar ha-Iardeu" i» Syrien, des Herrn David Schub, benutzte ein Freund der Kolonisationsbestreblingen dazu, sich bei dem genannten Herrn eingehend nach der Lebensweise und den Sitten der jüdischen Kolonisten zu erkundige» Bei dieser Gelegenheit teilte ihm Herr Schub 4 Melodien mit, die den Hörer so begeisterten, daß er sie einem Fachmanne, dem Herr» Kantor Friedland, Vorsingen ließ, der sofort nach dem Gehör die Noten niederschrieb. Zwei dieser Lieder wurden im letzten Winter mit«- Begleitung des letzteren ans einer Wohlthätigkeits-Soirse vorgetragen? und von dem zahlreichen Publikum mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Niliimehr hat Herr Kantor Friedland die sämtlichen 4 Melodie» für eine Singstimmc mit Klavierbegleitung ansgearbeitet und unter dem Titel „Syrische Lieder" erscheinen lassen. Der als ebenso jtreng wie durchaus sachverständig bekannte Musikdirektor Herr Professor Tr E. Bohn spricht sich in einem beigedrncktcn Gutachten höchst lobend über die Bearbeitung obiger Melodien ans- Die Titel der infticbrar schcm und deutschem Text erscheinenden Lieder lauten: 1. Somiiger Lenz, 2. Sehnsucht, 3. Klage, 4. Trost in Thränen. ^Der Subskription-' preis des elegant ansgestattetcn Heftes beträgt 1,00 Mk. Den Reinertrag will Herr Kantor Fricdland den hilfsbedürftigen Koloiiytei, in Palästina und Syrien zuwenden. Hoffentlich finden sich »» Interesse der guten Sache recht viele Freunde, die zur Verbreilung dieser Lieder beitragen werden. Die Subskription, für welche die Herren Tr. E. Finkel, Breslau, Holteistraße 30, Kantor Friedlmid daselbst, diene Synagoge, und Dr. mcd. I- Tnroff daselbst, KuMrschmiedestraße 44, Anmeldungen entgegennehmen, wird am 10. Oktober d. I. geschlossen. Der Ladenpreis beträgt alsdann Mk. 2. £jritfuni) friigfluiftcii. — Kann mir einer der geehrten Leser genaue Auskunft gebe», wie cs mit dem Militärdienste der Volksscbnliehrer künftige» - nutz ft sein wird? Ich habe schon gelesen, daß es vorläufig dem Lcliui freige.eilt bliebe, ein Jahr oder 20 Wochen zu dienen, bis der vma, die längere Dienstzeit entstellende Lehrermangel durch zahlreichere Kram gedeckt werden kann. Dieser Tage las ich dagegen in einer Zeit»»»,