Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 36 (6.9.1895)
- Date
- 1895-09-06
- Page
- Seite 582 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4794838-9608360-9608883--0733-9608897- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 3«, Seite 582. — Tie Synagoge in Schneiden,iiyl ist in den letzten Jahren schon wiederholt bestohlen worden- In der Nacht 31,1t, 30. Angnst wurde derselben abermals von Dieben ein Besuch abgestattet. Auch diesmal war es, wie immer, aus das Geld in den Opferkästeu abgesehen, doch waren diese so versichert, daß es selbst mit einer eisernen Stange, welche d.r Dieb von einem Leuchter in der Synagoge abgebrochen hatte, nicht gelang, sie zu öffnen. Ter Tieb zog es daher vor, wieder durch das erbrochene Fenster den Weg ins Freie zu nehmen. Aus die Ermittelung des Diebes ist eine Belohnung gesetzt. g. — Bor dem Provinzialmusenm (ehemaliges Generalkommando) in Posen sind seit kurzem rechts vom Eingänge zwei Grabsteine aufgestellt, die für uns von besonderem Interesse sind- Sie befanden sich nämlich früher auf dem jüdischen Friedhose an der Breslauer Ehauffee, als der letztere nach dem großen Brande, der die Stadt Posen im Jahre 1803 betroffen hatte, dahin verlegt worden war- Ter älteste jüdische Friedhof in Posen lag in der Ladenstraße in der Gegend des heutigen Stadttheaters, und hier waren die Steine ursprünglich ausgestellt. Letztere, iog. skandinavische Findlingsblöcke aus rötlichem Granit, weisen in hebräischer Sprache Inschriften aus, die natürlich größtenteils verwittert sind, und deren Entzifferung sowie Auffrischung Herrn Rabbiner Tr. Bloch zu verdanken ist. Danach war der eine Stein dem ehemaligen Ober-Rabbiner von Groß-Polen, dem berühmten Talmudisten Mordechai Jaffe gesetzt, der 1612 starb, der andere dem 1759 verstorbenen Rabbi Abraham Mendel. Hoffentlich gelingt es, beiden Steinen später Platz in einer gedeckten Halle zu schaffen, „in sie vor vollständiger Verwitterung zu schützen. — Zn Kröffelbach (Kreis Wetzlar) fand jüngst unter großer Beteiligung der Landbevölkerung die Einweihung einer bescheidenen Synagoge statt, deren Bau die aus nur acht Familien bestehende Gemeinde mit großen Opfern ermöglicht hat. Die Festpredigt hielt Bez.- Rabb. Tr- Landau aus Weilbiirg. Bemerkenswert gerade in unserer Zeit ist der Umstand, daß nicht nur der Großherzog von Luxemburg (Herzog von Nassau), sondern auch die politischen Gemeinden Brandoberndors, Kröffelbach, Kraftsolms, auf^die sich die^Gemeinde verteilt, mit ansehnlichen Beiträgen an der Spitze der Sammelliste stehen. a- — Die höheren Schulen in Elsaß-Lot h r i n g e n wurden am 1. November 1894 von 8462 Schülern besticht, von welchen 790 (9,4 pEt.) Israeliten, 30 weniger als im Vorjahre. Tie öffentlichen höheren Schulen zählten an demselben Tage 632«> Schüler, darunter 693 (10,9 pEt.) Israeliten (24 oder 0,3 pEtder Gesamtzahl weniger als im Vorjahre). Die nickt öffentlichen Schulen wurden an demselben Tage von 2142 Schülern besucht, darunter 97 Israeliten, 6 weniger als im Vorjahr. In den, Lehrpersonal sind unter 26 Direktoren kein Jude, unter 268 Oberlehrern 8, unter 49 wftsenschaftlichen Hilfslehrern und Probekandidaten 2 Israeliten, unter 75 seminaristisch vorgebildeten Lehrern kein Jude. Mit Erteilung von Religionsunterricht sind im Neben amte 23 Israeliten beauftragt. -- Am 27. August ist Frau Paula Frankl v. Hochwart, die Witwe des Dichters Ludwig August Frankl, in Wien gestorben. — Den Rubinstein-Preis für Klavierspiel (5000 Frks ) hat ein junger Russe, Lhövinne aus Moskau, in Paris erhalten. Der junge Künstler, auf den seiner ZeitRubinstein bereits aufmerksam machte, ist ein Schüler Safonoff's, des Direktors des Moskauer Konservatoriums, und wird in diesem Winter in Berlin konzertieren. — Wir begehen keine Indiskretion, wenn wir verraten, daß der jugendliche Meister prosaisch nicht anders heißt, als der Redakteur dieses Blattes. — Der einzige antisemitische Deputierte in Frankreich, D'Hugues, der als Kandidat bei den letzten Generalrats-Wahlen aufgestellt war, wurde besiegt. Au seiner statt wurde der bekannte jüdische Deputierte Joseph Raiuach mit einer großen Majorität gewählt. — Was soll nun aus der „heiligen Sache" werde,,?! — Am 7. und 8. d. M. wird in Leeds (England) eine Konferenz behufs Gründung einer Vereinigung sämtlicher jüdisckeu Schneidervereine (.lexvmti tailor« trades unions) int vereinigten Königreich tagen. Zum ersten Male werden hier Vertreter der nur aus Juden und zwar nur aus ausländischen Juden bestehenden Vereine zusammentrete,,, um durch Selbsthilfe ihr Los zu verbessern. Man kann es nur billigen, wenn die eingewanderteu Juden verlangen, denselben Lohn zu erhalten, wie die einheimischen englische,, Arbeiter für die gleiche Arbeit, und sich einer Ausbeutung ihrer Arbeitskraft entgegensetzen, der sie oft nur verfallen, weil ihnen Sprache und Sitte ihres neuen Aufenthaltes ftemd find- An der Konferenz werden ca- 30 Delegierte teilnehmen. örikluni itujfkaftnt. Die aus allen Teilen des Reiches empfangenen Berichte über dic in den Synagogen veanstalteten Sedan-Festgottesdienste können wir nicht veröffentlichen, da ihnen ein nur lokales Interesse iniiewotnu und das ganze ans eine Anhäufung von Namen und Daten hinanskommen würde. Tie Redaktion. Hrn. I. Sch., hier. Wie Sie sehen, ist Abhilfe geschaffen. „Malkiel", hier. Nochmals: Einsendungen, deren Verfasser auch „ns gegenüber anonym bleiben, wandern in den Papierkorb. A „ t w 0 r t au M. A. in H Als Als hyv m; ICX ntrns ckewicht Münze Kg. Gr. . UN. pf! 60 1500 36000 21 510; - 1 25 50 600 2400 14400 — 358.5 : 65 — 1 2 24 96 576 — 14.34 2 60 1 12 48 288 — — 1 30 1 4 24 — 0.5975 - 11 1 6 - — 3 1 - — — - O.r LVseheir- Sept. 1895. Elul. 5655. Kreitag . . . li 17 (Sabb.-Auf. 6,35) Sonnabend . . 7 18 san '2 (S.Ausg. 7,Ast. Sonntag. . . 8 19 Montag . . . 9 20 Sienstag . . . 10 21 Mittwoch . . 11 22 Sonnerstag . . 12 23 Freitag . . . 13 24 Herzliche Bitte. Sechs Jahre sind verflossen, seitdem unser Verein, der die Ausgabe hat, für die rituelle Verpflegung der jüdischen Epileptiker in der Anstalt Carlshof bei Rastenburg Sorge zu tragen, ins Leben gerufen ist. Tank den edlen und wohlthätigen Glaubensgenossen, die uns mit reichlichen Spenden zur Seite standen, ist es uns gelungen, bis zu dem heutigen Tage unserer heiligen Ausgabe nachzukoimiien Auch im verflossenen Jahre, obwohl der Besuch des Gottesdiemtcs seitens der Kranken sehr rege gewesen ist, war es möglich, sie stets mir koscheren, ihnen zuträglichen Speisen und Getränken zu versorgen. Im übrigen haben wir im verflossenen Jahre, ebenso wie in den Vorjahren, im Sinne und nach dem.letzten Wunsche des Begründers des Vereins, Herrn Meyer Levy 8-g gehandelt. Von den jüdischen Epileptikern ist im verflossenen Jahre ei» Knabe ausgeschiedeu, dagegen sind zwei Erwachsene hinzugekoimne». so daß die Zahl der Kranken um eine Person gewachsen ist. Um unsere heilige Pflicht auch fernerhin erfüllen zu können, und wir genötigt, verehrte Brüder und Schwestern, Eure Wohlthätigkeit m Anspruch zu nehmen. Die heiligen Feste stehen vor der Thür: »,„ unser», Kassenbestand geht es zur Neige. Helfet uns, theure Glaubensgenossen! Steht uns bei, damit wir in den Stand geletzt werden, auch fernerhin für die geistige und körperliche Pflege der Kranken wrgen zu können. . Spenden nimmt das mitunterzeichnete Vorstandsmitglied de, sigen Synagoge,igemeiude, Herr Moritz Meyer, entgegen und wu über den Empfang öffentlich quittiert- Rastenburg, in. Ellul 5655. Sept. 1895. Das K 0 in i t e: ,(?in “piC Moritz Meyer, fr- E-iarlius ki, Vorsteher der Syiiagogen-Gemeiiide- Vorsteher der Ehewra KadiM- A- Davidsohn, Kultusbcamter.