Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 32 (9.8.1895)
- Date
- 1895-08-09
- Page
- Seite 518 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 518. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 32. — Bor einem Bezirksgericht in Wien gelangten an einem Vormittag vor. Woche nicht weniger als acht Ehrenbelcidigungsklagen zur Verhandlung, denen antisemitische Schimpfereien zu Grunde lagen. Unter den 8 Klägern, welche mit antisemitischen Verbalenjurien traktiert wurden, befand sich ein Arier reinstens Wassers, der wegen des Wortes S . - . jud, welches ihm von einem Studenten zugerufen wurde, klagbar auftrat. — Das Appellgericht iu Lemberg hat das Urteil des Wadowicer Strafgerichts in der Affaire der an dem Advokaturs-Kandidaten Dr. Leser in Saybusch begangenen Gewaltthätigkciten vollinhaltlich bestätigt. — In einer Audienz, die der ungarische Kultusminister einer Abordnung des israelitischen Landcslehrervereins gewährte, erwiderte Minister Tr. Wlaßics u. aden Sprechern: „Sie stehen znm Glücke in dem Dienste einer Konfession, die bezüglich des Patriotismus unerschütterlich ist. Es geschieht leider nicht in jeder Gegend alles, was zur Verbreitung und Hebung der Kultur notwendig wäre, aber auch da ist die jüdische Konfession die Stütze derselben." Bei dieser Gelegenheit erzählte der Minister, daß auch er eine jüdische Volksschule besuchte und viel Schönes und Gutes gelernt habe, und gedachte seines Lehrers Samuel Bun mit größter Ehrerbietung und gab seinem Bedauern Ausdruck, ihn hier vermissen zu müssen. — Ter Versuch eines antisemitischen Wahlkomites, bei den Venediger Gemeindwahlen die Juden auszuschließen, hat klägliches Fiasko gemacht. Kein Mensch kümmerte sich um diese Herren. Die siegreiche klerikale Liste enthält auch die Namen von vier Juden. — Die Auswanderung von Juden nach Argentinien, in die Kolonien des Baron Hirsch, ist in Odessa zeitweilig zum Stillstand gekommen, da bis jetzt keine neue Auswanderergruppe dort gebildet wurde. Es sollen nämlich aus Argentinien nichts weniger als erfreuliche Nachrichten cingelaufen sein. Allgemein wird über die Administration der Kolonien geklagt, welche sich sthr wenig um die Interessen ihrer Pflegebefohlenen kümmert. Es soll auch schon wiederholt zu Streitigkeiten zwischen Kolonisten und der Administration vorgekommen tein. — Die landwirtschaftliche und technische Schule zu Kolo griff (?) hat kürzlich ihr Programm veröffentlicht, nacki welchem Knaben jeder Glaubensgemeinschaft, mit Ausnahme von jüdischen Knaben, Ausnahme finden. — — Das technologische Institut zu E h a r k o w hat folgende Anzeige erlassen: „Neue Studenten werden in der zweiten Hälfte des Monats August aufgenommen . . . Für Personen jüdischen Glaubens sind im Schuljahre 1895/96 keine Plätze frei." — — Der Rektor der Universität Petersburg erläßt folgende Bekanntmachung: „Während des bevorstehenden akademischen Jahres werden auch Personen jüdischen Glaubens zum Studium zugclassen, vorausgesetzt, daß ihre Zahl nicht mehr beträgt als 3 v. H. der Geiamtzahl der zugelassenen Studenten." — — Beim Absenden von Telegrammen sind die Juden zuweilen geneigt, hebräische Worte anznwenden, dieselben aber mit russischen Buchstaben niederzuschreiben. Solche Telegramme werden unterwegs zurückgehalten, und nach vielen ganz nnnötigen Schreibereien, sehr oft überhaupt nicht bestellt. Das Telegraphenamt hat eine Nachricht gegeben, daß solche Telegramme in Zukunft als unerlaubte Worte enthaltende betrachtet und daher nicht zur Beförderung gelangen werden. Gleichwohl werden in vielen Gegenden Rußlands auch jetzt noch Telegramme abgesandt, die vollständig in hebräischer Sprache abgefaßt sind- — — Eine rührende Szene wurde jüngst auf dem jüdischen Friedhofe zu Slutzk im Gouv. Minsk beobachtet. Eine alte Frau stand bitterlich weinend an einem Grabe, und aus ihrem herzbrechenden Jammer war zu entnehmen, daß ihr Sohn, an dessen Grab sie stand, schon vor mehreren Jahren gestorben war; aber die arme Frau konnte keine Bescheinigung seines Todes beibringen und wurde zu einer Geldstrafe von 300'Rbl. verurtheilt, weil ihr Sohn bei der letztjährigen Rekrutenaushebung nicht erschien. — — Vor 24 Jahren erwarb ein Jude namens Enoch Weißmann, der nach den alten Verordnungen (d. h. fünf Jahre als Kantonist, und dann zwanzig Jahre bei der Linie) im Heere gedient hatte, ein Haus in dem Kosackendorfe Grozncus im Terek-District, und die Vertragurkunde wurde von dem Dorfamte gutgeheißen. Der alte Mann starb im Jahre 1892 und hinterließ eine. Witwe mit unmündigen Kindern. Ende Mai d. I. sprach das Oberhaupt des Dorfes bei der alten Frau mit einem Befehle vor, nach welchem sie den Platz sofort zu verlasse» habe; für den Weigerungsfall wurde ihr die gewaltsame Entfernung — auf ihre Kosten ■— durchdie Polizei angedroht. Der unglücklichen Witwe blieb nichts anderes übrig als ihr bewegliche Habe zusammenzuraffen, Haus und Hof zu verlassen und nach dem Nachbarorte Groznig auszuwandern. — Kies- und Fragekaüen. Hrn. Dr. C., Jchenhausen. Ihr Bericht kommt zu spät, da wir einen andern, kürzcrn schon gebracht haben. Rev. L. L., N.-P. Der „Arizona-Kicker" soll ähnliche Aufträge für seine Abon. erledigen, europäische Blätter thun es nicht. Zur 9. Frage: Sprachlich ist es wohl richtig ohne Artikel, „JaamocL. rischon“ anfzurusen, da auch „8CQeiii, sch’lischi“ etc. ohne Artikel aufgerufen werden. Ich denke jedoch dabei an das Ausrufen des Rosch-chodesch, da heißt es „liorischon“ „haseheni“ u. s. f. — Meist fällt heute das „Jaamod1' weg, statt „Rohen kraw muß also folgerichtig ,,rischon kraw“ uud auch Bar mizwo kraw" aufgerufen werden, was sicher richtiger und schöner ist. — Kroll-Flatow. 9. Antwort. Meiner Ansicht nach sind beide Les- oder Schreibarten, nämlich 'j'ia'Nn mit und ohne ny?n n, grammatisch korrekt. Doch würde ich dem einfachen 'jia'lO den Vorzug geben. Abgesehen davon, daß es in vielen Bibelstellen, trotzdem es in bestimmtem Sinne gedacht wird, ohne Artikel vorkommt, wie beispielsweise. ■ptTN'l UN, ynnx UNI ich bin der erste und bin der letzte, "2'NT l'll NJ ‘PNS* 'd, befrage das erste Geschlecht, so wäre ich auch aus einem andern Grunde für die Weglassung des Ti. In dem "L'NT 7!3>" scheint mir nämlich das Tirsi sich nicht direkt auf zu beziehen, sondern es ist hier ein Wort elidiert, U2H JL'NI “Py“ Tiay, also der zuerst, der als Zweiter u. s. win der Reihe Aufgerufene. In den jüdischen Gemeinden in den slavischen Ländern lautet die Formel folgendermaßen: . . wbw, ... ‘hd Dipon ... "b . ■. pis, uPs p up£ •nar und zeigt deutlicher, daß sie mit „N. Nals Priester, als Levi, als Dritter u. s. w. zu übersetzen sei. — Für richtiger halte ich, was die zweite gestellte Frage betrifft, “Via 12, weil im Hebräischen zwei znsammengezogene Hauptwörter zumeist ohne, bestimmten Artikel gebraucht werden: m*n p, üsn p, PSN ll"N, nurpu 2"N, wohl aber kommt das ny'Tn n, wenn auf das Substtintivum ein Adjektivum folgt: 2'an Vxn, "Ip’n pn. Allenfalls wäre nvia isn nicht richtig, sondern eher maun 12 oder msan *nn. S. N. Margu lies-Lübeck. Die Annahme des Herrn Liebrecht-Prenzlau, daß Aschkenas von Askanien hergeleitet werden kann, wird durch die einfache Thatsachc am besten widerlegt, daß sämtliche preußische Gemeinden rechts der Elbe den Minhag Aschkenas eingesührt, dagegen die anhaltinischen Kehillos. die mitunter 1;2 Stunde von einer p"eußischen Stadt entfernt liegen, sämtlich nur den polnischen Ritus kennen. Bar Min an. rvseheir-; August 1895. Aw. 5655. . Iireitag . . . 9 19 (Sabb.-Anf. 7,41) Sonnabend . . 10 20 spy (S. Ausg. 8,26). Sonntag. . . i 11 21 Wontag . . . | 12 22 Dienstag . . .; 13 23 Mittwoch . . : 14 24 Donnerstag . . j 15 25 Treitaa . . . 1 16 26 Israelitische Heil- »ad Wege-AullaH | fiit Nerven- und Gemütskranke | zu Sayn bei Coblenza. Rhein J Bestand seit 1869. j Gesonderte Abteilungen für 150 Kranke beider Geschlechter. Prospekte durch die Unterzeichneten jtt>. 3aroOp. Dr. Mryrrndt. Dr. UolrnrIM I