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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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E 1 Mo. 22. Iaijrgang IV. llgemerne Aerkin, :il. Wai 1895. 4 Herausgeber: A. Levin, Wersin. Jefchurutt. Bezugspreis: viertekjätzrk. 2 Mir. <5rs>i»eini an jedem Kreitag. Bezugspreis s«r das Aussand: Mir. 2.50. Hu beziehen durch die Post unsere Trpeditioiieil und den Buchhandel JiiljaU: In letzter Stunde. Tie Wnlstdeiveqniig in Von M- 51. .sUmi^iter. 5lit» der Berliner Genieinde. I ii- II. Tic Privatgemeinden in Berlin. II. Bon Bar 5.llinan. Tie Inden in Likähren. Tic Inden in Rumänien. Einheit n. Ethik. Bon Tr. T. Leimdörfer. (entgleist. Bon Wilhelm I-eldman. (Gedicht. Schrcibebricf eine» denticli-nationalen Studenten. Wochenchronik. - Briefn. Irnqckasten. ttzeschäftliche 5.stitteilnngeii. In Iditcr Stilnöf! 51 m 5Routag und Dienstag veranstalten fast sämtliche Vereine israelitischer Lehrer Deutschlands ihre Jahresversammlungen, die Heuer von besonderer Bedeutung für die Beteiligten sind, denn es gilt definitiv Stellung zu nehmen zu dem projektierten Deutsch-Israelitischen Lehrerbund, zu erklären, ob die Zerklüftung innerhalb des jüdischen Lehrerfiandes fortbestehen, oder ob die Erzieher unsrer Jugend zu einem großen, imposanten, imponierenden (Ganzen vereinigt werden sollen. Das Verlangen nach Vereinigung ist in den beteiligten Kreisen groß, nicht minder die Verbitterung gegen diejenigen, die aktiv oder durch Passivität das EinigungSwerk zu hemmen suchen. Gegen diese letzteren sind die solgenden fteilen unseres rheinländischen, allezeit kampsesmutigen pädagogischen Mitarbeiters gerichtet. Er schreibt: ,„Wir wollen's abivarten!' — Das ist ein Wort, hinter dem sich die Bequemlichkeit, der Jndifferentismus, die Interessenpolitik gemächlich verschanzt. Ob es nach sachkundiger tteberlegung einen Entschluß zu fassen gilt, ob ein gemeinsames, geschlossenes Vorgehen verlangt, oder eine geringe Mühe zur Hebung des Gesannwohles gefordert wird, - - gleich heißt es: „Wir wollen's abwarten!" .sU'im' Jrage hat die jüdischen Lehrer Deutschlands während des letzten Jahres mehr beschäftigt, als die Frage betreffs (Gründung eines D. I. L. B. Die einen haben mit vollem Interesse die Angelegenheit ausgegriffen und mit regem Eifer den Gedanken zu verwirklichen gesucht. Blau nennt sic Optimisten, weil sie an diesen Bund so weitgehende Hoffnungen knüpfen. Man heißt sie auch Vereinsschwärmer, weil sie nur von Vereinigungen der Lehrer zu gemeinsamem Streben das Heil erwarten. Weltkluge Leute nennen sie auch mitleidig lächelnd Idealisten und bedauern sie wegen ihres kindlichen Glaubens. Redaktion und VerlagHr KAamliurgerstr. 21. Anzeigen, die Zeile 25 nehmen alle Anoneeil-Lrpeditioiie» sowie unser Bureau entgegen. Die andern sind ihre Antipoden. Sie schütteln die klugen Häupter und glauben nicht an einen Lehrerbund. Sie sehen den vermeintlichen Nutzen desselben nicht ein und haben nur gegen den Bund gesprochen. Sie hoffen in ihren gesicherten Stellungen nichts mehr zu erreichen, wohl aber hier und da ihre Regentschaft zu verlieren. Ja, trotz ihrer Weisheit kommt ihnen nicht zum Verständnisse, daß sie von vielen Nichtlehrern, die es nicht dulden mögen, daß wir uns aus eigene Füße stellen und von Männern geführt sein wollen/die kein Dr. vor ihren Namen setzen können, als Werkzeuge benutzt werden. Das sind diejenigen, auf ivelche die Sentenz gemünzt ist: „Des Menschen grausamster Feind ist der Mensch!" Die dritten gehören zu denjenigen, die einzeln „Friedrich Wilhelm Schulze" heißen. „Wir wollen's abwarten!" ist ihre Losung. „Wir sagen nicht ja und sagen nicht nein! Wir sind nicht für und sind nicht gegen die Gründung! Gefällt uns der Bund, dann werden wir beitreten. Wenn nicht, — dann nicht!" Sie überlassen die Arbeiten den Kollegen. Die mögen sich heiße Blühe machen, oder auch die Finger sich verbrennen, wenn sie nur die Kastgpien aus dem Feuer holen. Ist das Gebäude errichtet, dann wollen sie mit einziehen; aber bauen Helsen, — nein, so thöricht sind sie nicht! Der D. I. G. B. hat einen Statutenentwurf versandt und um die Aeußerung der Einzelvereine gebeten und nach Ergebnis derselben eine Delegierten - Versammlung behufs (Gründung des Verbandes in Aussicht gestellt. Wenn auch manches an dem Vorgehen des D. I. G. B. bedenklich und vieles im Statutenentwurs umzuündern ist, so durfte man doch hoffen und zuversichtlich erwarten, daß die Einzelverbände ihre Beteiligung an der Delegierten- Versammlung zusagen würden, um dort ihre berechtigten Wünsche mit Nachdruck zu vertreten. Dabei hätte kein Verband sich etwas vergeben, um so weniger, wenn er seinen Delegierten eine Marschroute streng vorgeschrieben hätte. Aber: „Wir wollen's abwarten!" sagen viele. „Wir wollen abwarten. was die andern fertig stellen. Wir können uns noch immer entscheiden, können ja nachher beitreten!" - So spricht die Bequemlichkeit und die — Unklughei t. Anstatt auf der Delegierten-Verjammlung ein e nt schieden es und entscheidendes Wörtlein mitzureden und die Vorwürfe gegen den D. I. G. B. an der. richtigen Stelle unverhohlen anSzusprechen, tritt man mißmutig aus Reih' und Glied, überläßt den andern die Sorge und erwählt sich das gemächliche Zuschauen. Durch solches Thun ist noch niemals etwas erreicht worden! Standesinteresse und Fortschritt fordern unentwegtes Kl

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