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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-05-24 · 21 (24.5.1895) · p. Seite 334

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
21 (24.5.1895)
Date
1895-05-24
Page
Seite 334 (sequence 14)
Language
German
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ü Seite 334. JefcHurun. Nr. 21. biete der jüdischen Schullittcratur zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, und das um so mehr, als wir die Absicht haben, ans Grund der zu erwartenden reichhaltigen Zusendungen eine Zusammenstellung der gesamten jüdischen Schullittera'tur für weitere Kreise zu veranstalten. Damit glauben wir gleichzeitig dem geschäftlichen Interesse der Aussteller eineu wesentlichen Dienst zu leisten. Wir erlauben uns deshalb an Sie die dringende Bitte zu richten, unser Unternehmen durch Uebcrweisuug einer größeren Kollektion einschlägiger Werke zu unterstützen, und verpflichten uns gleichzeitig zur sorgfältigen Uebewachung und portofreien Rücksendung der Eingänge." Anmeldungen wolle man recht bald an den Schriftführer der Inspektion, Inspektor Ad. Peritz, Königsberg i. Pr., „Reue Dammgaffe!" gelangen lasten. Unterzeichnet'ist der Aufruf von dem Vorsitzenden der Schulinspektion, Rabbiner Dr. Bamberger. Der Ausstellnngsplan ist zweifellos originell und von Nutzen für Lehrer und Lernende. * So wirds gemacht! Das Wiener antisemitische „Deutsche Volksblatt" brachte am 14. d. Ni. unter der Ueberschrift: „Anssehenerregender Kindesraub" folgende Notiz: „In der Nähe von Böhmisch-Brod, im Walde bei Dolanek, wurde am 10. d. M. eine alte Jüdin festgenommen, welche ein vierjähriges Ehristenmädchen bei sich hatte, das sie vor acht Dagen einem Koliner Tischlermeister geraubt. Dem Böhmisch-Broder Polizeiwachmann Smejkal, welcher die Person aus die Bahnstation eskortierte, machte dieselbe die Angabe, sie habe das Kind nur deshalb mit sich genommen, weil es dessen Vater erschlagen wollte. Im weiteren Verhör simulierte sie Wahnsinn und behauptete hernach, daß das Mädchen ein „Gotteskind" fei. Das arme Mädchen sagte jedoch aus, die Babickn (so nannte es die alte Jüdin) habe es mit Näschereien an sich gelockt und dann mitgenommen. Die Bevölkerung wollte die Jüdin lynchen, und die Wachmannschaft hatte vollauf Zu thuu, um allsüllige Ausschreitungen zu verhindern. Die Jüdin wurde nach Kolin transportiert und dort in Hast behalten. Am Bahnhose in Böhmisch- Brod machte sie Fluchtversuche. Die Bevölkerung befindet sich in begreiflicher Aufregung, da dies in hiesiger Gegend bereits der dritte Fall ist." Das „Freie Blatt" wendete sich bezüglich dieser Notiz an angesehene Gesinnungsgenossen in Kolin mit der Bitte um eine wahrheitsgetreue Darstellung des Sachverhaltes und erhielt folgenden Aufschluß: „Nach eingeholter Information bei der Polizeibehörde und dem Bezirksgerichte in Kolin ist die ganze Nachricht des „Deutschen Volksblattes" erfunden. Hier ist kein Kind verschwunden, und hier ist auch keine Jüdin deshalb in Hast oder inhaftiert gewesen." Kier und dort. — Gegen das Schächtverbot richtet sich ein Antrag des Tierschntzvereines ln Königsberg i. Pr., den dieser Verein beim gegenwärtig in Bern tagenden internationalen Tierschntzkongresse eingebracht hat. Begründet ist der Antrag durch die Behauptung, daß der Schächterschnitt nach israelitischem Ritus wegen der schnellen und intensiven Blntentziehung eine sovortige völlige Bewußtlosigkeit des zu schlachtenden Tieres zur Jolge hat. — Wir wollen bei dieser Gelegenheit noch Mitteilen, daß, wie uns von dort berichtet wird, in der kaiserlichen Armeekonservenfabrik in Mainz das Schächten der Tiere eingeflihrt ist. — Der Llohddampfer „Gras Bismarck" ist am 18. d. Mts. von Bremerhaven mit ."><>0 jüdischen Auswanderern nach dem La Plata expediert worden. Die Auswanderer beabsichtigen, in Argentinien 'Ackerbau zu treibe». — Die Großherzoglich Hessische Regierunghat an die Kreisämter der Provinz Stärkend n r g folgende Verfügung erlassen: Es ist der Antrag ans T e i l u n g d e s R a b b i n a t s' T a r m st a d t gestellt worden. Es sollen zwei Rabbinate errichtet werden, von denen' eines mit einein der orthodoxen, das andere mit einem der liberalen Richtung ungehörigen Rabbiner besetzt.werden soll. Sie wollen Vorstandsbeschlnß über diesen Antrag erwirken und sich in demselben auch aussprechen welchem Rabbinate Ihre Gemeinde zngeteilt zu werden wünscht. E ngang des Beschlusses erwarten wir binnen 14 Tagen." — Der W i c n c r Gemeinderat wählte sieben antisemitische Stadträte teilweise mit 7" Stimmen durch den Hinzutritt einiger Wilden. Tie Liberalen gaben weiße Zettel ab, machten jedoch gegen den neuen Reichstagsabgeordneten Steiner, der von den Antisemiten ausgestellt wurde, eine Kundgebung, indem sie die Wahl eines anderen Antisemiten Bärtl durchsetzten, der somit durch die Liberalen gegen die antisemitischen Stimmen Stadtrat wurde. — Vom ii n gari sch en Kirchengesetz über die R ez e p ti on der Zu den wurde 8 2, welcher den liebertritt zum Judentum gestattet, mit 10ö gegen 94 Stimmen abgelehnt. Die übrigen Paragraphen des Entwurfs aber wurden in zweiter und darauf auch in dritter Lesung bei Stimmengleichheit durch die Abstimmniig des Präsidenten angenommen, so daß nunmehr das Judentum in Ungarn zu den a n - e r k a n n t e n - - nicht blos „geduldeten" — Religionen zählt. Ten Ucbertrittsparagraphcn will der Ministerpräsident bei anderer Gelegenheit ein- und dnrchbringen- —■ Mit ihrer gewohnten pünktlichen Freigebigkeit sandten Madame Fnrtado-Heine und die Herren von Rothschild in Paris je 20,000 Franken an den Minister des Innern zur Unterstützung der Unglücklichen, die durch die Katastrophe von Bouzey — wo vor einigen Tagen ein Wasserbehälter barst — in Not geraten sind. c. — Die portugiesisch-jüdische Gemeinde in Paris hat ihren zweiten Rabbiner, Dr. Morse Jacques Montefiore, verloren; er starb im Alter von 33 Jahren. Der Verstorbene war in Italien geboren, wo er schon seit langer Zeit rabbinische Aemter bekleidete. In der hebräischen Litteratur wohl bewandert, verösientlichte Herr Montefiore zu verschiedenen Zeiten mehrere gelehrte Studien, von denen eine in der ,Revue des Etudes Juives" erschien. - h. In Ii n n l a» d will der Senat das Los der Inden erleichtern. Es soll vorgeschlagen werden, daß de» Inden, welche die Erlaubnis zum Aufenthalt im Lande haben, der Handel in den Städten Hclsingfors, Abo und Wiborg unter denselben Bedingungen wie den Ausländern gestattet werde. Auch soll die Aushebung derZBeschrünknng in Aussicht genommen sein, daß Juden, welche sich in J-inuland vermählen, das Land verlassen müssen. Nach einer Mitteilung ans dem Gouvernement Bessarabicn waren dort im Jahre 1891 501 Ehedarim mit 8480 Schülern. )ie Inden Algeriens wandten sich in einem Bittgesuch an die französische Kammer, worin sie Schutz gegen Verfolgung diirch die französischen Beamten und Ansiedler in Algerien verlangen. Sie bestreiten die ihnen vorqeworfeuen Sünden und beteuern ihre Liet Liebe zu dem Vaihnen vorgcworfei terlande, das ihnen 1870 die Arme geöffnet. Ans der argetinischen Kolonie Mauricio sind in Rußland 'Nachrichten eingetrossen, welche besagen, daß die Ernte in diesem Jahre mißlungen ist. Im Vorgefühle einer reichen Ernte waren noch 33 Ernte-Maschinen erworben worden. Aber in der 'Nacht zum 16. Dezember, gerade als der Weizen' sich zu füllen begonnen hatte, herrschte ein strenger Frost, welcher das gut geratene Getreide vernichtete. Während der ganzen Erntezeit fiel dann noch starker Regen, der schließlich alle Hoffnungen aus die einträgliche Ernte zerstörte. 8. Der römisch-katholische Erbischos von Melbourne sandte kürzlich den Förderern eines Hilsswerkes zuin Besten der jüdischen Stiftungen in Melbourne eine größere Geldanweisung, mit dem Bemerken, daß, da die Juden so selten die öffentliche Wohlthütigkeit in Anspruch nehmen und dagegen so häufig anderen Glaubensgemeinschaften in ähnlichen Fällen Helsen, es ihm die größte Freude bereite, ihre Bemühungen auch einmal unterstützen zn können. ('- i i

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