Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 17 (27.4.1895)
- Date
- 1895-04-27
- Page
- Seite 274 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 274. JefcHurun. Nr. 17. die Erziehungsanstalt schon jetzt eine von reichem Segen getragene Stätte geworden. Die Anstalt kann daher nur der Opferwilligkeit bemittelter Kräfte empfohlen werden. * h. Das Stiefkind unter unsren Kultusämtern, das Kantorat, scheint in Württemberg eine bessere Behandlung zu erfahren, als in anderen deutschen Staaten, da auf das Gesuch einiger Beteiligten eine Fortbildungsschule für Vorsänger seitens der König!. Jsralit. Oberkirchenbehörde eingerichtet werden soll. Die Leitung ist Herrn Kantor Tennenbaum in Stuttgart übertragen worden. Die Kosten des Unterrichts werden von der Oberkirchenbehörde aus den Mitteln der Zentralkirchenkasse bestritten. Außerdem wurde jedem der Kantoren, die am Unterricht teilnehmen, ein nahmhaster Beitrag zu den Reisenküsten aus derselben Kasse genehmigt. Der Unterricht findet während der Dauer eines Jahres an bcu Sonntag-Nachmittagen statt. — Wir kommen auf diese dankenswerte Einrichtung, besonders auf die Lehre, die wir in Preußen hieraus ziehen könnten, in einer der nächsten Nummern zurück. * Der Bericht des Board of Guardians zeigt ein Bild von englischer jüdischer Wohlthätigkeit, aber auch die Rot unter den Londoner Juden, daß er wahrlich auch über die Grenzen Englands hinaus Ausmerksamkeit verdient. Die Einnahmen betrugen 1894 ca. 610,000 Mark gegen 680,000 Mark in: Jahre 1898, zeigen also leider einen Rückgang, die unterstützten Fälle dagegen vermehrten sich von 18,852 im Jahre 1893, auf 20,434 im Jahre 1894, so ist es begreiflich, daß dieses Jahr ein Defizit von ca. 30,000 Mark aufweist. 727 Fälle betrafen russische Einwanderer, 702 Fülle solche Leute, die schon in früheren Jahren die Hilfe des Board nachgesucht hatten, darunter 266 Schneider, 167 Schuster und 101 arme Kürschner rc. Der Bericht schließt mit der Bitte au die jüdische Gesamtheit, durch neue reichere Spenden die Verwaltung des Board vor der Notwendigkeit zu bewahren, ihre Thütigkeit einzuschränken. Kier: rrnd dort. — Im Jahre 1894 sind in Preußen 1480 selbständige Personen naturalisiert, bezw. in den Staatsverband ausgenommen worden; darunter befinden sich der Religion nach 105" evangelische und 400 katholische Christen und 24 Jude n. — „Fallen sehe ich Blatt ans Blatt!" In Gollub wurde von den zuständigen Behörden beschlossen, die jüdische Schule ganz mit der evangelischen zu vereinigen, wenn neben zwei evangelischen und einem jüdischen Lehrer noch ein evangelischer Lehrer,^ der die Befähigung für Mittelschulen besitzt, angestellt und die erste Klasse eine gehobene wird. — Einer der hervorragendsten Monumentalbauten in Wiesbaden, die Synagoge aus dem Michelsberg, ist gelegentlich des letzten Peßachfestes wieder ihrer Bestimmung übergeben worden, nachdem dieselbe wegen der stattgehabten baulichen Veränderungen den Winter über geschlossen war. Die Wiederwcihe des prächtigen Gotteshauses fand am Montag-Abend statt, und der durch Bezirksrabbiner Tr. Silberstein vollzogene Weiheakt machte ans die zahlreich erschienenen Zuhörer sichtlich einen erhebenden Eindruck. Ganz überrnschend wirken auf die Besucher des Tempels aber die Veränderungen, die in baulicher und dekorativer Beziehung vorgenommen worden sind. - Die Antisemiten wiederholen immer wieder das Märchen von der Abneigung der Inden gegen die körperliche Anstrengung, also auch gegen den 'Ackerbau. Diesen Herren sei in Erinnerung gebracht, daß derjenige, der sich an der Schwelle dieses Jahrhunderts um den Ackerbau in Mähren vor allem hochverdient gemacht hat, ein Jude war. Ein Jude nämlich, Jakob Häller ans Königsberg in Böhmen gebürtig, Pächter der Taverne am Spiclberge in Brünn, führte zu Anfang dieses Jahrhunderts als der erste den Erdäpfelban in der Gegend von Göding, k. k. Familienherrschast, ein. Ein derartiges Verdienst um die Landwirtschaft und die landwirtschaftliche Bevölkerung haben die ganzen Bünde der Landwirte in Deutschland und Oesterreich znsammengenommen nicht anszuweisen. -- Der Generalgouverneur von Polen, Gras Schuwalow, hob die Verfügung Gurkos auf, welche den Inden den Sommeranfenthalt in Landhäusern auf bäuerlichen Territorien verbot. — In Kis-Szünto (Ungarn) ist der kleine Baron Aelxander Königswarter, der in letzter Zeit den Anlaß zu einer Erbstreitigkeit in der Familie Königswarter gegeben und um dessen willen diese zum Katholizismus übergetreten ist, gestorben. — Wie eine L o n d o n e r Tageszeitung berechnet, kostete im Jahre 1894 der englischen Missionsgesellschaft jede Taufe eines Juden die runde Summe von 00,000 Mark! — Ist das nicht ein bischen teuer für „verlorene Seelen?" — Die Beratung der Nuntien des Hauses der ungarischen Magnaten bezüglich der Reception der israelitischen Religion und der freien Religionsübnng wurde in dlm Hause der ungarischen Abgeordneten am Dienstag aus den 25. und 26. d. M. festgesetzt. — Die Rektoren der Universitäten Bukarest und Jassy erhielten Einladungen zu der am 2. Juni l. I. stattsindenden Einweihung der neuen Baulichkeiten der Rechtssakultät in Lille. Interessant ist die Unterschrift, mit welcher diese Einladungen versehen waren; sie gingen vom Dekan Dr. Löon Feder aus, einem gebürtigen Jassyer I n d e». In seinem Geburtslande hätte er nie die akademische Laufbahn betreten können; wird doch in Rumänien den Inden zum größten Teile sogar der Schulbesuch durch allerlei Chikanen erschwert! Kriesuni FragekaAen. Unsere geehrten Mitarbeiter bitten wir die au uns gelangenden Manuskripte gefälligst nur einseitig zu beschreiben. D. Red. Antwort 1. Tie Zahl der die betreffende Schule besuchenden Kinder darf keine zu geringe sein — etwa 80. Die Schule muß allen innern und äußeren Anforderungen, die an eine gute Volksschule gestellt werden, genügen. Soll die Schule von der Zivilgemeinde übernommen werden, dann ist ein Einverständnis zwischen deren Vertretern und denen der jüd. Gemeinde herbeiznsühren. Alsdann wird der Bürgermeister die Genehmigung der Regierung nachsucheu. Will die jüd. Gemeinde auf eigene Rechnung die Schule ganz oder teilweise unterhalten, dann ist ebenfalls die Einwilligung der Zivilgemeinde erforderlich; auch in diesem Falle ist es zu empfehlen, daß der Bürgermeister die Genehmigung der Regierung einholt. — > Frage 2. Bitte um Mitteilung, ob in Berlin eine jüd. öffentliche oder Privat-Anstalt besteht, wo ein 18jähriges, au leichten epileptischen Anfällen leidendes Mädchen gegen monatliche Vergütignng von 80 bis 45 M. Unterkommen finden könnte. M. Frag e 8. Ein Herr Lewin früher in Chemnitz, gab vor Jahren einen kleinen Auszug ans dem Schnlchan Arnch heraus.'Wo ist dieses Buch zu haben '< 0. rvseheir- April Ijar r . 1895. 5655. j Ircitag . . . 26 2; (Sabb.-Anf. 7,24) Sonnabend . . 27 8 : T,ps ymn (S. Ansg. 8,9). Sonntag . . . 28 ' 4 Montag . . . 29 , 5 Dienstag . . . 80 6 Mittwoch . . 1 : 7 | ' Donnerstag . . 2 : 8; Treitaa . . 8 9