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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-03-22 · 12 (22.3.1895) · p. Seite 187

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
12 (22.3.1895)
Date
1895-03-22
Page
Seite 187 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12. I e f <H rr r 11 ri. Seite 187. 'llk'ltrcgicnuu] preisen, rühmen, erhöhen, erheben uitb verherrlichen , so sind wir dennoch nicht im Stande, Gott in würdiger Weise zu rühmen; „Le-elo min kol birchosso weschirössd wctusch-beschosso“ denn der Schöpser ist erhaben über Lob und Lied, über Preis und (besang. Gott ist aber auch, so beten wir weiter, erhaben über jeden Trost, den Menschen gewöhnlich uns zu spenden pflegen, indem sie uns raten, ins unabänderliche uns zn fügen. Darum wenden wir uns zum Allmächtigen selbst mit der Bitte „.lebe sehe; lomu rabbo min schemajo“. Sende dn, o Allvater, nns Frieden aus des Himmels Höhen, erwecke unser krankes Herz zn neuem Leben, denn du, o Herr, schaffest Frieden in deinen Höhen; wenn du auch noch so hoch und erhaben thronest, hast du ja durch deines Propheten Mund verkündet: „Wenn ich auch noch so hoch und erhaben throne, so bin ich doch bei dem, der gedrückt, bei dem, der gebeugten Gemütes ist, nm neu zu beleben das Herz der Gebeugten, zu neuenl Leben zll erwecken das Gemüt der Gedrückten". (Fes. 57 B. 15.) Wer daher das Kaddischgebet nicht blos gewohnheitsmästig, sondern mit Verständnis betet, der wird nicht blos Pietät gegen teuere Tote üben, sondern aus dem Gotteshause eine sittliche Kraft ins Leben initnehmen, die ihn in den mannigfaltigsten Stürmen des Lebens aufrecht halten wird. Dir ßrnitilfattrf brr »kichrbrWik» Spracht nttii paefit. Von L c o n 2 ch e i n h ans, Memel. IV. lehren wir nun wieder zum unterhaltenden Teil der hebräischen Litteratur, zn den schönwissenschaftlichen Erzeugliissen, welche am meisten doch die Renaiffanee der schönen Sprache und Poesie bezeugen. Abraham Mapu (geb. 1806 zu Wiliampolp bei Moumo, gest. 1867 Königsberg), war unbestritten der erste ilnd bedeutendste Schöpser der hebräischen Romanlitteratur. Er schuf den hebräischen Roman, biblisch in seinem eigenartigen Inhalt, biblisch in seiner anmutigen Schreibweise und Sprachsorm, und errang sich den größten hebräischen Leserkreis, Jung und Alt, die ihn als Meister der hebräischen Belletristik bewunderten. Zwei Romane sind es, Ahabath Zion und Afchmath Schomron, in denen der Verfasser uns ein herrliches Bild des jüdischen Lebens zur Zeit seiner höchsteil Blüte bietet. Der erstgenannte hauptsächlich, „Ahabath Zion", entrollt uns Bilder und Szenen, die an die gewaltigen Kapitel Jesajas erinnern, und die nns auch wie die Gesänge des Hohenliedes und wie die idyllische Erzählung des Buches Ruth anmuten. Tie historische Treue der Ehnraktere, der Sitten, der Ideen jener uralten Zeit, in mit einer seltenen Genauigkeit gewahrt, und in solch einer schöneil Sprachsorm ausgeführt, wie sie nur unter der heißen Lonne des Dyens nub in der alten Zeit denkbar wäre. Fm alten Zion, in einenl fernen Fahrhundert, in der Zeit der Propheten und Könige fühlte sich unser Meister heimisch ulld zll seinen Schöpfungen begeistert, lind merkwürdig, als nun dieser Rechter des biblischen Romans ans feiner eigenen Zeit und Umgebung Bilder zu schaffen versuchte, fand er sich nicht in seine», eigentlichen (Gebiet. Sein Roman Ajit zabua, dessen Stoff Map» seiner Umgebung, entnommen, war weniger gelungen; es. ist nicht in demselben jene herrliche Schreibweise, jene iinposante Schilderung voll Anmut und Begeisterung, wie sie in den beiden biblischen Romanen zn finden sind. Diese beiden Romane sind bekanntlich von Dr. S. Mandelkern (Leipzig) ins Deutsche übertragen worden. — Abr ah am B. Gottlober (geb. 1811 zu Altkonftantil, in Wolhynien, lebt jetzt in Bialystock). In seiner Heimatprovinz stand nicht die jüdische Bevölkerung auf demselben geistigen "Niveau wie in Litauen. Zwar erblicken wir auch da, iu Wolhynien, an dem dunklen Himmelsgewölbe dann und wanli einzelne leuchtende Punkte, welche wie Meteore aussteigen und eine Zeit lang ihr Licht strahlen lassen. Allein sie waren vereinzelt. Jenen Männern, — die, im Gegensatz z,l ihrer Unlgebung, vom Geiste der alten Sprache beseelt, und von schwärmerischer Liebe zu deren heiliger Poesie erfüllt waren, — fehlten die vereinzelten Kräfte, alle Vorurteile zu überwinden, die in den Volksmassen herrschten, und daher verhallte oftmals die helle Stimme dieser Einzelnen, wie die des Predigers in der Wüste. Einer dieser Einzelnen ist der noch lebende Dichtergreis A. B. Gottlober, dessen Name.gleich Lebensohn und Gordon zu erwähnen ist. Vielleicht ist es Schuld seiner Heimatprovinz, daß er unausgesetzt ein elendes Dasein voll Wanderungen und 'Wandlungen führen lnußte, wie er auch einmal gar zutreffend klagte:!7p7 tun *p hv ,'r:nn 8271" zFch tötete Abel IFanatismus, auch „Nichtigkeit"!, darum wandere ich wie Kain). Er kann in der Thar von sich behaupten, den Fanatismus vernichtet zu haben, und die neuhebrüische Sprache und Poesie waren ihm Mittel dazu. Als Lehrer lebte er in fast sämtlichen größere!, Gerneinden Süd-Rußlands, überall die weise Erkenntnis mehrend und jüdisch-menschliche GeisteSthätigkeit fördernd. Er »rußte später, .Unterstützung suchend, viele Gemeinden Litauens und Polens wie des übrigen Europas mehrmals besuchen und lebt jetzt, endlich in Ruhe, bei seiner Tochter in Bialystok (Litauen). Unter den schwersten Verhältnissen wirkte der Mann glänzend, und widmete sein langes Leben voll Wanderungen und Wandlungen der hebräischen Muse. Seine Dichtungen sind erhaben in Sprache, Form und Inhalt, und reihen sich würdig den besten Schöpfungen der Zionsharfe an. Besonders hervorragend war er in der Uebertragung von Dichterwerken jüdischen Inhalts aus der Deutschen Sprache ins Hebräische. Ludwig August Frankl überreichte ihm in Wien persönlich sein Werk „Aus Egypten" zuin Uebersetzen ins Hebräische, was er in Poesie wie in Prosa herrlich ausführte. Lesfings „Nathan" hat in Gottlober feinen zweiten hebräischen Uebersetzer gefunden; einmal wurde dieses Meisterwerk schon durch Simon B ach er übersetzt, aber die Uebersetzung Olwttlobers ist von weit größerem dichterischen Schwünge; von allen Seiten wurde unbestritten, seiner Uebersetzung der Vorzug und Vorrang zuerkannt. Er übersetzte ferner Moses Mendelssohns - „Jerusalem", welches Werk gleichfalls schon einmal, von einem Zeitgenossen des Philosophen, den, Hebräisch lesenden Publikum zugeführt wurde, und wieder ist die von (Gottlober ungleich herrlicher. An originalen hebräischen Arbeiten verfaßte Gottlober kritischhistorische Werke zur (beschichte des Karäertums und des Ehamdismus, Werke von großer historischer Bedeutung; auch musterhafte kleine Erzählungen ans dem jüdischen Volksleben.

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