Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 12 (22.3.1895)
- Date
- 1895-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Aertin, 22. März 1895. Ho. 12. Jahrgang iv. Herausgeber. A. Levin, Merlin. efchurun. Bezugspreis: vierteljährk. 2 WK. Erscheint an jedem Areitag. Bezugspreis für das Ausland: Mk. 2,50. Zu beziehen durch die Post unsere Expedition oder den Buchhandel. Redaktion und Vertag: Gr. Kamöurgerstr. 21. Anzeigen, die Jeile 25 Rf-, nehmen alle Annoncen-Lxpeditionen sowie unser Bureau entgegen. Reorganisation der jüd. Gemeinde Berlin. Bon M. A. Klausner. Zur Frage des jüd. Relig.-Unterrichts. Bon I. Lunen. Tie Influenza. Von Ein. Baumgarten. Das Judentum iu Amerika I. Von Pros/ Tr. G. Deutsch. Gin Wort über jüd. .Erzählungen. Bon S. Horowitz. lieber das Kaddischgebet. Tic Renaissance in der hebr. Litteratnr. Bon L. Scheinhaus., Entgleist. Von Wilhelm Feldmann. Wochen-Ehronik. — Briefkasten. — Kalender. — Anzeigen. vie Utorpiifntion der jüdischc« GemkindeKttlm. Von Ri. A. Klausner. Die Organisation der jüdischen Gemeinde Berlin beruht aus demselben Gesetz, das die Organisation aller jüdischen Gemeinden in Preußen ordnet und das aus die Verschiedenartigkeit der Verwaltungsbedürfnisse großer und kleiner (Gemeinden nicbt Rücksicht nnnmt. Das Gesetz war schon zu der Feit nicht gut, da es erlassen wubde. Inzwischen haben die Verhältnisse sich derart geändert, daß es stellenweise eine gedeihliche Verwaltung der jüdischen Gemeinden förmlich verbietet. Die Mitglieder einer jüdischen Gemeinde wählen Repräsentanten, diese Repräsentanten wühlen einen Vorstand, und Repräsentantenversammlnng und Vorstand leiten in Gemeinschaft die Geschäfte der Gemeinde, besorgen ihre Vermögens- und innere Verwaltung. Der Unterschied zwischen irgend einer Zwerggemeinde und der Riesengemeinde Berlin besteht nur darin, daß dort die Zahl der Repräsentanten nenn beträgt, während sie hier sich aus einundzwanzig beläuft, und daß man anderwärts sich mit drei Vorstandsmitgliedern begnügt, während man hier sieben zählt. Schon der Wahli^odus macht bei der Ausdehnung der Berliner Gemeinde die Wahl der Repräsentanten beinahe zu einer Farce. Zeder Wühler hat einundzwanzig Repräsentanten zu wühlen. Selbstverständlich kennt er die .Leute gar nicht, die er wählt, weiß er nichts von ihnen, giebt er ihnen seine Stimme aus Grund eines mehr oder weniger unklaren Programms, das dritte Personen aufgestellt haben, aus Zureden eines Komitee, von dessen leitendem Grundsätze die Oessentlichkeit gleichfalls nichts sicheres weiß. Diesem schwerfälligen Wahlmodus entspricht natürlich auch die geringe Wahlbeteiligung. Zn einer kleinen Gemeinde bezeichnet die Repräsentantenwahl thatsächlich die Männer, die das Vertrauen der Gemeinde besitzen und die denn auch im Sinne der Gemeinde deren Verwaltung führen und für die Pflege des Kultus sorgen. Zn Berlin ist es völlig ausgeschlossen, daß der Wähler die Gewählten kennt. Ter Wähler hat auch gar kein Recht, sich etwa zu beklagen, wenn die Gewühlten in einem anderen Sinne stimmen und handeln, als der Wähler vorausgesetzt; denn die Gewählten sind keinerlei Verpflichtungen eingegangen, haben sich der Wählerschaft nicht vorgestellt, sich zu ihr über ihre Absichten nicht ausgesprochen. Ist die Wahl vorüber, so erfährt der Wähler von seinen Gewählten überhaupt nichts mehr. Sie walten in stiller Verschwiegenheit ihres Amtes, lassen die Dinge gehen, wie sie wollen, und in weiten Zwischenräumen wird man an ihr Vorhandensein und ihr WirkeiPdurch irgend etwas äußerliches erinnert, durch einen Synagogenbau von beinahe ärgerlicher Pracht, durch eine Etatsaufstellung von musterhafter Undurchsichtigkeit und dergl. mehr. Ein Zusammenhang zwischen der Gemeinde und ihrer Repräsentanz besteht nicht. Die Wahl war nicht der Ausdruck eines solchen Zusammenhangs, und nach der Wahl wird der Zusammenhang gewiß nicht geschaffen. .Hierin liegt für die Beteiligten kein Vorwurf, denn die Größe der Gemeinde hindert den Zusammenhang, der in kleineren Kreisen natürlich ist. Eine Gemeinde von hunderttausend Seelen bildet keine einheitliche Körperschaft, sie kann es nicht, denn sie ist unübersehlich. Gerade wegen der Größe der Gemeinde kann sich ein eigentliches Gemeindeleben nicht entwickeln, muß der Zusammenhang selbst da, wo er irgendwann einmal zufallsweise vorhanden war, verloren gehen. Dazu kommt, daß es eine unbillige Anforderung ist, die Leitung der Geschäfte einer großen Gemeinde ganz und gar ehrenamtlich führen zu lassen. Die Verwaltung einer Gemeinde von der Größe der Berliner erfordert absolute Hin- Mit der nächsten Nummer beschließt unsre Wochenschrift das I. Quartal des lausenden Jahrganges. Unsre geehrten Postabonnenten wollen bei der Neubestellung, die baldigst ersolgen muß, den neuen Titel des Blattes — „Allgemeine Israelitische Wochenschrift" — angeben. — Den Expeditions- Abonnenten wird das Blatt, sosern keine Abbestellung ersolgt, sortlausend zugesandt. — Der Bequemlichkeit wegen kann die Bezugsgebühr sür mehrere Quartale im voraus entrichtet werden. Verlag -er „A. I. W.", Kcrlm 21.