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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-03-15 · 11 (15.3.1895) · p. Seite 176

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
11 (15.3.1895)
Date
1895-03-15
Page
Seite 176 (sequence 16)
Language
German
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Seite 176. Jeschuvun. Nr. 11. herrliche Genehiiligung dieselbe von allerhöchster Stelle bestätigt worden ist, bildet die erste und oft einzige Zuflucht in der Großstadt verlassener, würdiger und bedürftiger ksissaer, wohin sich diese Armen um so vertrauensvoller wenden, weil die Unterstützungen in der zartesten und diskretesten Form gegeben werden. Anmeldungen zum Beitrftt sind an den Vorsitzenden Herrn Herm. A. Seegall, Siegmundshof 16 Berlin zu richten, der jährliche Mindestbeitrag beträgt Mk 10. Die immerwährende Mitgliedschaft kann durch einmalige Zahlung von mindestens Mk. 600 erworben werden. k. — Am 11. d. M. hielt der berühmte Psychiater Pros. Dr. Mendel den letzten der 4 Vorträge, die jährlich zu Gunsten jüd. Gelehrter hierorts abgehalten werden. Er sprach in populär-wissenschaftlicher Form über Schlaf und Draum und stellte die Theorieen des Schlafes und Traumes in großen Zügen dar. Der Redner berührte auch die Thatfache, daß jeder Stand seinen bestimmt gearteten Trauminhalt hat, das dem Berufsleben des fraglichen Standes entnommen ist. Dieser Erfahrungsfatz ist, wie ich glaube, im Talmudausfpruch enthalten, daß man nur Gegenstände, die ntan im Wachen wahrnimmt, im Traume wahrznnehmen glaubt. Der Herr Professor, der sonst ein Muster wissenschaftlichen Ernstes ist, war in seinem Vortrage voller Humor. II. a. erzählte er auch von einem Liebhaber, dessen Liebe keine Erwiderung fand, der sich jedoch zu helfen wußte, indem er seiner schlafend en Herzensbraut seinen Namen ins Ohr raunte, was eine Uutwandlung in ihr hervorries. Der Herr- Redner hätte auch aus eine spaßhafte Szene aus dem Leben Salomon MaimonS Hinweisen können, der — wie er in seiner Autobiographie berichtet, seiner schlafenden Schwiegermutter, mit welcher er aus Kriegsfüße stand, die Stiinmc seiner verstorbenen Mutter nachahmend, einige Drohungen ins Dhr schrie, wodurch sie ein wenig zahm wurde. Der Vortragende wirkte mächtig durch seine Persönlichkeit, was Herr Stein in seinem geifl- und witzreichen -Dankworte hervorhob. I. I. Niemirower. — Am Montag Abend hielt der „Zentral-Verein deutsch. Staatsb. jüd. Gl." in der Tonhalle eine ungemein zahlreich besuchte Versammlung ab, in welcher Herr K. E. Franzos über „Die ruff. Juden, nach christlichen Zeugnissen" sprach. An der Hand von Aussprüchen hervorragender geistiger und geistlicher Führer Rußlands wies Franzos die Nützlichkeit, ja Unentbehrlichkeit des jüd. Elementes im Zarenreiche nach, und forderte im Interesse Rußlands die völlige Emanzipation der Zuden. In der Diskussion wurde besonders scharf gerügt, daß Inden in Antisemitenblättern inserieren. Leon Blum-Auscher. Am 28. v. M. wurden die sterblichen Ueberreste des Präsidenten des israelitischen Konsistoriums, des Banquiers Leon Blum-Auscher in Straßburg zur letzten Ruhe bestattet. Hinter dem Sarge kamen der Dberrabbiner und die näheren Verwandten, des Verstorbenen und dann ein unabsehbares Leichengefolge, in welchem wir einen Domherrn mit Vikar, den PMidenteu des Direktoriums der Kirche Augsburgischer Konfession, Petri, die Mitglieder des israelitischen Konsistoriums, den Beigeordneten Fischbach, den Ministerialrat Haiilin und viele angesehene Bürger unserer Stadt erblickten; 25 Zweispänner schlossen den großen Leichenzug. Sämtliche Laderlbesitzer in der Nußbaumgasse, in der die sämtlichen Häuser bis auf zwei dem Verstorbenen gehörten, schlossen beim Erscheinen dev Trauerzuges die Läden der Schaufenster zum Zeichen der Trauer und der Dankbarkeit für den Verstorbenen, derben Ladenbesitzern stets in zuvorkommender Weise als Miethsherr gegenübergestanden hatte. * Der vierunddreißigste Jahresbericht des israelitischen Waisenhauses für Stadt und Provinz zu Königsberg i. Pr. ist soeben erschienen. Die Broschüre enthält vor allem den Rechenschaftsbericht. Zur Zeit zählt die Anstalt 27 Zöglinge, und zwar 17 schulpflichtige Knaben, 4 schulpflichtige Mädchen; 6 Handwerkslehrlinge und 2 in ihrer beruflichen Ausbildung begriffene Mädchen. Verlassen haben die Anstalt 6 inännliche Zöglinge, darunter 2 als Handwerksgesellen, und 1 Mädchen, ausgenonlnlen sind 2 Knaben und 1 Mädchen. Bei der letzten General - Versarmnlung wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder: Herren Zimntermeifter Lewinsohn-Königsberg, Stadtrat I. Eichelbanm-Jnsterburg und Kaufmann Ni. Wasbutzki-Tilsit wieder- und I. Lazar und S. Mathias neugewühlt. Au Legaten und Schenkungen wurden der Anstalt 8100 Mk., an Spenden verschiedener Art 954 Mk. zugewendet. Außerdem verfügt die Anstalt über 64 Stiftungen und Legate von teilweise recht ansehnlichem Betrage. Nach dem Rechnungsauszug bezifferte sich die Einnahme aus 28 752,66 Mk., die Ausgabe aus 20106,16 Mk., so daß dem vorhandenen Vermögensbestande von 602 882,16 Mk. die Summe von 8 646,17 Mk. hinzugefügt werden konnte. Das Vermögen der Anstalt besieht außer Effekteu im Betrage von 611 528,66 Mk., einer Lebensversicherungspolice und einein Svarsonds für entlassene Mädchen aus dem AnstaltSgrundftück im Versicherungswert von 61 200 Mk. Das Mitgliederverzeichnis führt 6 Ehrenmitglieder, 17 immerwährende, 5 Mitglieder mit eintnaligem Beitrage und 287 mit laufenden Beiträgen auf. — In einer Erläuterung legt der Waisenhaus-Inspektor, Hr. Ad. Peritz, die Ziele dar, von welchen sich die Verwaltung bei Uebersührung der Zöglinge ins bürgerliche Leben leiten läßt. Wir sind nun, obwohl ein Freund des Hanbiverks, kein einseitiger Besürmorter der in der Einleitung ausgesprochenen Tendenz, die ärmeren und verwaisten Kinder samt und sonders oder auch nur hauptsächlich dem güldenen Handwerk zu überliefern. Ja, wir warnen vor dem gefährlichen Erperiment des Generalisierens, das die besondere Beanlagung und Befähigung aus den Augen läßt. Es muß sorgfältig gesondert werden, und die Armut und Verlassenheit der Waisenkinder verleiht uns keineswegs bas Recht willkürlichen Schaltens und Waltens über die Zukunft derselben. Auch soll die augenblickliche Lage des betreffenden Handwerks und die bisher gemachten Erfahrungen reiflich erwogen werden, ehe man das Kind dein oder "jenem Berufe zuführt, die Schablone ist wie überall auch hier sehr gefährlich. B. Trg. * 4Aus Memel wird uns geschrieben: Zur Begründung des im Interatenteil der vor. Nr. enthaltenen Aufrufs diene die nachfolgende Darlegung der Verwaltung des Israelit. Krankenhauses zu Memel. ' Im Januar 1870 wurde der Aufruf an die deutschen Glaubensgenossen um Beihilfe zur Errichtung eines Krankeilhauses für arme russische Israeliten erlassen. Die Eingänge waren nicht sehr bedeutend, denn von hieraus waren erst kurz vorher etwa 400,000 Mk. zur Linderung der Hungersnot unter den Israeliten der westrnssischen Grenzbezirke gesammelt worden. So viel war jedoch eingegangen/ daß das Hans, au welches sich noch ein Gartengrundstück allschließt, gekauft und eingerichtet iverden konnte llild auch noch eine kleine Alumne übrig blieb, welche velzinSlich angelegt werden konnte. Diese Suinrne belief sich

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