Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 10 (8.3.1895)
- Date
- 1895-03-08
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 158. JefcHurun. Nr. 10. * Hier und Dort. Ter Böckcl'schc „Reichshervld" tnit mit dem 1. d- M. zu erscheinenen aufgehört; aus den Trümmern dieses Blattes ist neues Leben erblüht, das „Deutsche Volksrecht" von Ahlwardt- Böckel-v. Mosch hervorgegangeu. - Am Mittwoch Abend wurde in Berlin das erste wahrhaft moderne, in seiner ganzen (.Einrichtung den Anforderungen der (Großstadt angcpahte Hotel mit streng - ritueller Stiche eröffnet: das Hotel „Münchener Hof", Lpandanerstr. 11—12. Eine große Zahl bekannter Israeliten der Stadt hatte sich, einer Einladung des Wir.es folgend, zu einem gemeinschaftliche» Souper eingetnnden, um in ernster oder heiteren Rede diesem in Wirklichkeit „zeitgemäßen Fortschritt" ein fortschreitendes Gedeihen zu wünschen. — Herr Lehrer Adler ist von Schwab.-Gemünd nach Schweinfnrt, - Herr Lehrer Hamburger von Alzenau nach Ingolstadt (Donau),— Herr Kandidat Löwensoh n ans Borek nach Grottau versetzt. — In dem Hess. Dorfe Mo ns heim starb jüngst der Vorsitzende des christlichen Arnienvereins, dem 70 Christen und 5 Inden angehören. Im Namen des Vereins sprach, dem wiederholten und dringenden Wunsche der Vereinsmitglieder nachgebend, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Herr M. Goldschmidt. Einem jüdischen Uhrmachergehilfen in Celle wurde aus 28 Anfragen um Arbeit in fünfzehn Fällen die offene Antwort: „Nein, ich nehme keine Juden als Gehilfen". Die übrigen 18 antworteten entweder garnicht, oder sie verschleierten ihre Absage unter allerlei Vorwänden. Einem anderen Juden in derselben Stadt, der seinen Sohn bei eineni Kürschner in die Lehre geben wollte, war dies thatsächlich unmöglich, weil kein einziger Kürschner sich dazu verstehen wollte, einen Juden als Lehrling anzunehmeu. Und da sollen die Inden Handwerker werden! — Tie im Juni v. Ierwähnte Anfrage der Kgl. Regierung zu Arnsberg mit Bezug auf die Ferien in jüdischen Schulen hat einen Erlaß des KiiltusininisterS veranlaßt, der jetzt in den Amtsblättern veröffentlicht wird. Es wird bestimmt, daß die jüdischen Feiertage, die nicht in die F-erien sollen, schultrei sein sollen ohne Anrechnung aus die Gesamtdauer der Schulferien. Ein Uebermaß von Unterrichtsaussall in den jüdischen Volksschulen soll durch eine geeignete Festsetzung der Ferien verhütet werden. - Nach der Volkszählung vom Jahre 1891 bewohnten in diesem Jahre 15.208 Juden die australischen Kolonien u. zw. in Neu-Süd Wales 5484, in Viktoria <>459, in Süd- Australien 840, in Oneensland 809 und in West - Australien 129. Tasmansen hat eine jüdische Bevölkerung von 84 Seelen Ren- Seeland von 1.468, während Fiji etwa 50 Juden zählt. Die jüdische Bevölkerung wuchs int letzten Tezenninm »in 47",o. Briefkasten. Herren I. L., H. O. n. v. a., hier. Mit Vergnügen nehmen wir von Ihrer Mitteilung Notiz, daß es übertrieben sei, Hrn. Iustizrat Nl. als Analphabeten ln hebraieis zu bezeichnen. Uebrigens wollte der warmherzige Autor dieses Epitheton gar nicht wörtlich genommen wissen. MASON & HAMLIN Harmoniums S'KCTQ Mk. im Preise von 300 — Mk. 0000. Dieselben kommen durch ihre Fülle und Weichheit des Tones der Orgel am nächsten. Ein Instrument im Preise von ca. 700 Mk. würde den Raum jeder größeren Synagoge ausfüllen. Kataloge u. Preislisten gratis u. franko! durch den Generalvertreter PaulKceppen Friedrichftr. 235 PlMUl) (Chamisso-Hans). Den Herren Rabbinern und Lehrern angemessener Rabatt! (sink üitlf an alle ftlautirusyeiiolffn. Der Fortbestand des in Memel vor nahezu 25 Jahren eingerichteten israelitischen Krankenhauses ist gefährdet, falls demselben nicht rasche und ausgiebige Hülse und Unterstützung zu Teil werden sollte. An keinem Punkte der Welt ist aber eine solche Anstalt so notwendig ttnd ersprießlich, wie gerade an diesem Orte. Die nahegelegenen russischen Grenzbezirke beherbergen eine jüdische Einwohnerschaft von etwa einer halben Million Menschen, welche gegen 80",g der Sladtbevölkernng bilden; und gerade diese jüdische Bevölkerungsmasse ist die ärmste uitd unbeholfenste und darum hilfsbedürftigste vielleicht ans dem ganzen Erdenrund. Angemessene und ausreichende Anstalten für Krankenpflege sind in diesen Gegenden nirgends vorhanden, die ärztliche Behandlung daselbst ist sehr teuer und für den Armen völlig uuerschwingbar, auch nicht an jedem Orte zu erlangen: deshalb votr Rußland her der große Zuzug der Kranken, besonders aber der Schmerkranken, denen tnan seit Menschengedenken selbst in sernliegenden Gegenden Deutschlands begegnet. Besonders aber war die Stadt Memel ihrer geographischen Lage wegen der Ort, wohin sich der Zndrang zunächst wenden inußte und darum von armen russisch-jüdischen Kranken jederzeit bis zum Erdrücken belastet. Vorkommnisse der traurigsten Art haben zur Einrichtung des Krankenhauses geführt. In Ställen und Bretterverschlägen, ja auf offener Straße haben arute Kranke, die niemand aufnehmen wollte, selbst bei strengem Winterwetter sich uiederlegen müssen, oft um nie wieder aufzustehen. Da wurde durch milde Beisteuern, besonders der deutschen Glanbettsgenossen, das gegeivärtige Krankenhaus eingerichtet und seitdem sind solche schwere Uebelstünde nicht inehr vorgekommen. Das Krankenhaus hat ungeachtet seiner wenigen, nur sehr dürftig ausgestatteten Räume doch überaus segensreich gewirkt und hat, trotzdetn ihm nur sehr geringe Geldmittel zur Verfügung standen, seit seinem Bestände annähernd 1200, großenteils schwerkrauken Personen uitentgellliche Hülse und Pflege zuteil werden lassen. Rttnmehr aber ist das einstöckige, völlig unzweckmäßig angelegte Haus derart baufällig geworden, daß es niedergerissen und an seiner Stelle ein anderes, den Anforderungen der Neuzeit wenigstens einigermaßen entsprechendes Haus errichtet werden intiß. Die Aufsichtsbehörde hat ilir Mißfallen über dett Zustand des Krankenhauses tu unzweideutiger Weise zu erkeunen gegeben, und es muß befürchtet werde», daß das Haus demnächst ans sanitütspolizeilichen Gründen geschlossen werden köttne. Sollte dieses geschehen, so hätte inan damit nicht etwa den Zustrom russischer Kranken gehemmt, sondern die ehemaligen Mißstände würden wieder hervortreten und die Kranken dem Slraßenelend verfallen. Die hiesige wenig steuerkräftige Synagogen-Gemeinde hat weder die Mittel noch die Pflicht, diese schwere Last allein zu tragen. Sie hat seit einer Reihe von Jahren dem Krankenhause, dessen sie neben den städtischen Heilanstalten weder bedarf noch beansprucht, nach Kräften finanzielle Unterstützungen zufließen lassen und ist außer Stande, höhere Zuschüsse als die bisherigen zu gewähren. Deshalb richten wir an alle Glaubensgenossen die Bitte, durch milde und ausreichende Beisteuern den N e u b a » u n d Unterhalt eines K ra n k e n h a u s e s f ü r r u s s i s ch - j ü d i s che Kranke m ö g l i ch z u m a ch e n. Glaubensgenossen! Habt Mitleid mit Enern elenden und hülflosen russischen Glaubensbrüdern! Ist es schon schlimm arm zu sein, so ist es noch viel schlimmer krank zu sein; aber en armer, kranker russischer Jude ist ein so mitleidswerter Mensch, daß sollst keine unglückliche Wesenheit der Welt hiermit vergleichbar ist. Glaubensgenossen! die Ihr in besseren Berhültuissen lebt, die Ihr Euch selbst helfen könnt in gesunden und kranken Tagen - o, gebet uns in gewohnter Mildthätigkeit nur sv