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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-03-08 · 10 (8.3.1895) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
10 (8.3.1895)
Date
1895-03-08
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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Seite 156. Jeschrrrrin. Nr. 10. herzigen Wriinbcrc. utib langjährigen Leiters desselben des Dr. Moritz Lüpfchütz, der den Zöglingen stets ein hilfsbereiter Freund iinb Berater gewesen. Der Bericht der nunmehr in ihr 25. Jahr tretenden „Amicitia" hebt das segensreiche Wirken des Vereins, die Wohlthaten, die er den ivissensbedürftigen Zöglingen mit der Gewährung freien Unterrichts spendet hervor, und zeigt die Leistungen, die er in geistiger und materieller Hinsicht im letzten Jahre erzielen durfte. Der Verein hat seine Ausgabe, seine Zöglinge behufs besseren Fortkommens mit den erforderlichen Kenntnissen und nötigenfalls mit gewerblicher erhöhter Tüchtigkeit auszurüsten, voll und ganz erfüllt. Es wurde in einem Falle auch eine Beihilfe zur leichteren Selbstständigmachung gewährt und einigen anderen Geld-Unterstützungen bewilligt. Vor allein ist aber das herzliche Verhalten der Vorstandsmitglieder, Männer in hervorragenden Lebensstellungen, zu den Zöglingen hervorzuheben. Alle fiiib unter großem Aufwand von Zeit und manchmal auch an Geld bemüht, das Wohl der Anstaltsschüler in jeder Weise zu fördern und zu festigen. Unter ben Schülern, deren durchschnittliches Lebensalter 10 Jahr beträgt, sind 0 Schneider, 1 Kürschner, 1 Schäftearbeiter, 2 Eigarrenarbeiter, 3 Kaufleute und 1 Musikbeflissener vertreten. Aus der Ehronik des Vereins wäre zu erwähnen, die wegen feiner großen Verdienste um dieselben, erfolgte Ernennung He. ttngerleiders zum Ehreitmitgliede nnb die Ausrückung des Herrn Bodenstein zun, stellvertretenden Vorsitzenden. Besonderen Tank gebührt Herrn Dr. Adler, der selbstlos und hingebungsvoll den Zöglingen ein liebevoller Förderer und in allen Röten ein helfender Berater ist. Unermüdlich stellt er sich mit der ihn auszeichnenden Warnte, mit dem stets gleich bleibenden Eifer in den Dienst dieses humanitäreil Werkes. Hoffentlich wird der Verein, der mit beschränkten Mitteln so segensreiche Resultate liefert, auch in diesem Jahre fortschreiten, blühen und gedeihen. B e r n h ar d T r a u b en b e r g. — Eine sehr zahlreich besuchte Versammlung des neugegründeten „Vereins israel. Lehrer Berlins" fand gestern abend im Hotel „Münchener Hof" Spandauerstr. 11 —13 statt. Im Rainen des geschäftsführenden Ausschusses legte Herr Rektor Dr. Adler den Entwurf der Statuten vor, die zum größten Teil nach angeregter Debatte durchberaten wurden. Wegen der vorgerückten Zeit vertagte schließlich die Versammlung um Mitternacht die Schlußberatung auf die nächste Zusammenkunft. Dieselbe findet Donnerstag, den 14. d. Mts. abends 8:i 4 Uhr im Vereinslokale „Münchener Hof" Spandauerstr. 11—13 statt; in ihr soll zunächst die Stanitenberatung zu Ende geführt und alsdann die Vorstandswahl vorgeiiominen werden. Die außerordentlich große Beteiligung sowie die vielfachen Spinpathiebezeugungen in Briefen und Telegrammen, die dem jungen Verein aus Berlin und der Provinz zugingen, lasten ein recht kräftiges Blühen und Gedeihen desselben erhoffen. Alle diejenigen, die den Zielen des Vereins sympathisch gegenüberstehen, sind zur nächsten Versammlung freundlichst eingeladen. t. — — Rach Schluß der Redaktion geht lins ans Sulzb ürg die Rachricht zu, daß Rabb. Dr. L oew en me per nach kurzem Leiden verschieden ist. Rekrolog folgt in nächster Rümmer. * st. Wahlen. Am 22. Februar fand die Wahl der weltlichen Abgeordneten zur isr. Landessynode in Badeii statt. Gewählt wurden die Herren: E. Rothschild-Konstanz, B. Harburger-Gailingen, S. Bloch-Sulzburg, B. Dukas-Freiburg, H. Epstein-Eichstetten, D. Dreisuß-Offenburg, T. M. Wertheiiner-Bühl, Leop. Ettliitger und Fritz Homburger-KarlSruhe, Louis Marx-Bruchsal, Dr. M. Friedberg-KarlSruhc, S. Retter-Heidelberg, H. Halle-Hockenheim, T. Kahn, Rechtsanwalt Dr. Hachenburg-, Jul. Ettlinger-Mannheim, Landgerichtsrat Dr. R. Stein-Karlsruhe, B. Herzberger-Bretten, G. Oppenheiiner-Reckarbischofsheiin, E. Spiegel-Tauberbischofsheim. Die Synode wird am 18. März eröffnet. * 8t. Aus Amerika. Frau Esther I. Ruskay, welche vorigen Sommer in einem vor der nationalen Frauen-Vereinigung im Tempel Emanuel in l)!e.w Pork gehaltenen Vortrage durch ihren Angriff auf die modernen Reforinbestrebuiigeil einiges Ailfsehen in jüdisch-religiösen Kreisen erregte, hat nun auch in Philadelphia eine Propaganda begonnen. In einer Versammlung der dortigen Mikve Israel Gemeinde zog sie scharf gegen die Urilstilrz predigenden Reform-Rabbiner los. Rach ihrer Ansicht gäbe es blos einen Answeg, entweder de'' Radikal-Reform Einhalt §u thun oder als Bekenner des Judentums das Feld zu räumen. Sie wies die Airschuldigiing zurück, daß eine ttinkehr zil den alten jüdischen Bräucheit mit Unikehr zi»n Aberglauben unb Univissenheit gleichbedeutend sei. Eiii Herr Mar Cohit stellte die Behauptung auf, daß das Judentum nicht ans einer Reihe von Dogmen und dogmatischen Normen bestehe, sondern das Ideal bedeute in der Verfolgung einer sittlichen Mission. Das Zersplittern des Judentums in verschiedene Fraktionen sei seinem Fortbestände gefahrdrohend. „Ist es wohlgethait", sagte er, „daß, wenn einige wenige Juden die Idee hegen, daß andere Juden auf dem Holzwege seien, sie sich von der großen Geineinschaft absondern und ein eigenes kleines Judentum für den eigenen Gebrauch zurechtlegen? Anstrengungen sollten gemacht werden, den Zusammenschluß zu befestigen. Organisation unter Juden kann nie Hierarchie bedeuten." — Herr S. Schechter, Lektor an der Eambridge Universität, hielt seinen ersten Vortrag in Philadelphia vor einem sehr zahlreichen Publikum. Er begann mit der Erklärung , er wisse nicht, waruni die amerikanischen Juden seiner Dienste besonders bedürfen, da dieselben keineswegs anders seien, als die Juden in andern Ländern. Zu feinem Vortrage: „Einige Gesichtspunkte der rabbinifchen Theologie", übergehend, gab er einen kurzen Ueberblick über die Bibliographie der Duellen, aus denen Jnforination zu schöpfen sei, und wies dann nach, daß der theologische Wert des Talinuds nicht genügend geivürdigt worden fei. Er wies die von mancher Leite ausgestellte Behauptung zurück, daß der Talmud bloS mit den Besprechungen leichtfertiger und unwichtiger Gegenstäiide sich befasse. Die äußern Lchivierigkeiten einer Prüfung derselben beständen in dem tomplikatorischen Charakter des Talmuds unb der Midraschim, dein unzufriedenstellenden Zustand des Textes und dem Maiigel an Dokuiiieiiten der frühesten Periode. Betreffs der Wundergefchichteii wäre blos eine Stelle, in welcher ein Wunder involviert sei bei der Entscheidung über eine wichtige Frage und diese wurde gegen den Wunderthäler entschieden. — Die andern Vorträge werden in kurzer Zeit folgen. — In der R e w Porter Abteilung der nationalen Vereinigung jüdischer Frauen hielt Frl. Rosa Köhler einen Vortrag über „Die Stellung der Frau in der jüdischen Geschichte". Sie sagte unter anderem : „Lauge vor Entstehung des Ehristentiiiils gab das Judeiitum der Welt das Beispiel der wahren Würdigniig der Frau, iiidem es dieselbe emanzipierle und ihr einen größeren Wirkungskreis anwies' In

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