Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 49 (7.12.1900)
- Date
- 1900-12-07
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Zeitschrift für die Gesalutiickreffen des Judentums. Mebst dem WerbLalt: Iüöiscbes LilLerntuvbl'att. verantw.Redakt.: Rl. A. Klausner, Berlin W., Tauenzienstr. 19 a. Telephon: Amt IX, Ar. 5567. Verlag: Siegfried Lronbach Berlin W., Steinmetzstr. 78. Telephon: Ami VI, Ar. 796. Post-Zeitungsliste Ar. 3866. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Oesterreich-Ungarn L,5VMK., alle anderen Länder 3 — Mk. Nr. 49. Berlin, 7. Dezember ^900. Jahrgang IX. Erscheint an jedem Freitag, das jüdische Litteraturblatt monatlich einmal. Zu beziehen durch die Post, den Buchhandel oder unsere Expedition. Anreigen für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pf. Bei Wiederholungen Preisermäßigung. Alle Annoncen-Expeditionen sowie unsere Expedition nehmen Anzeigen entgegen. Für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitte ich an die Adreffe: Berlin W., Tauenzienstr. 19a. M. A. Klausner. Inhalt. Artikel: Die Politik. (Ein Aufruf. — Antisemitische Zeugnisse. — Wackere Deutsche. — Ein Muster-Antisemit. — Sie vertragen sich wieder.) — Die Wiener „Allianz" gegen die Anklage der Zionisten. — Uebersetzungen. Von M. A. K. — Sprechsaal: Der Verein zur Förderung der Bodenkultur unterden Juden Deutschlands. Von Oberamtmann L. Cohn. — Wochenchronik: Wochenkalender. — Berlin: Repräsentantensitzung. — Wer trägt die Schuld? — - Studentische Vertretungswahlen. — Wissenschaftliche Lehrervereinigung. — Magdeburg: Gedenkfeier für Ludwig Philippson. — Vortrag. — Köln: Verein zur Verbreitung der Handwerke unter den Juden. — Würzburg: Von der Lehrerbildungs-Anstalt. — Wien: Beerdigung Leopold Sterns. — Religionsunterricht. — Konstantinopel: Generalarzt Elias Pascha. — New-Hork: Vermächtnis. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Feuilleton: Das „Scheker-Bilbul". Von C. Berg. (Fortsetzung.) — Geschäftliche Mitteilung. — Inserate. Sie Politik. (Ein Ausruf.) Durch Vermittelung der ultramontanantisemitischen „MärkischenVolkszeitung" erhalten wirKenntnis von einem „Ausruf", der zur Verbreitung einer Broschüre „Wahrt euch!" unter den Juden verbreitet sein und 31 Unterschriften, darunter die von 26 Rabbinen tragen soll. Der Aufruf ist belanglos, die Broschüre kennen wir nicht, von den Unterschriften ist uns nur eine mitgeteilt und diese ist — nicht von dem Berechtigten gegeben. Die „Märkische Volkszeitung" benutzt den ziemlich fragwürdigen Aufruf, um nachstehende albernen Bemerkungen an den Mann zu bringen: „Es ist zwar nicht schön, wenn man über die Furcht und Angst der Mitmenschen lächelt oder sich lustig macht, aber hier ist es doch wohl berechtigt, die Sache mit etwas heiterem Auge anzusehen. Vorläufig braucht das Judentum in Deutschland solche Angst, wie sie in dem Aufruf zu Tage tritt, nicht zu haben, — vorläufig ist es noch zu mächtig und sein Einfluß reicht bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft und Regierung hinauf, — leider! Wir sagen: „vorläufig" ist solche Angst überflüssig; — aber für die Zukunft kann niemand garantieren, wenigstens nicht die dem Judentum gegenüberstehende und von diesem bedrängte und verhöhnte Menschheit. Garantie vor der Zukunft, Schutz vor etwaigen Gefahren kann das Judentum aber trotzdem auf einfache Weise sich verschaffen, falls es ernstlich will: es braucht nur sein eigenes Verhalten gegenüber der übrigen Menschheit zu ändern, in Handel und Wandel andere Wege einzuschlagen und dabei besonders der jüdischen und vom jüdischen Geld abhängigen Presse gehört auf die Finger zu sehen, daß diese ihre zum Sport gewordene ständige Beschimpfung alles dessen, was christlich ist und Glauben an einen Gott bekundet, endlich unterläßt, — daß sie in Zukunft anständige, friedliche Wege wandelt, — daß die jüdische Presse sich -nicht als Hauptvertreterin der modernen Unmoral bekundet und allen Unflätereien bereitwilligst ihre Spalten öffnet, — daß die jüdischen Blätter sich nicht den Kampf gegen die christliche Weltanschauung und christliche Moral zu ihrer Hauptaufgabe machen, wie sie es bis jetzt leider gethan haben nach Art des „Berliner Tageblattes", des „Ulk", der „Volkszeitung" u. s. w. In dieser Richtung sollten die angsterfüllten Rabbiner wirken, — es ließe sich noch manches Andere aufzählen, woran sie ihre bessernde Hand zunächst legen sollten, — dann wäre ihre Furcht unbegründet, und der Zukunft könnten sie ohne Sorge entgegenschauen." Der Rabbiner, dessen Unterschrift ohne sein Wissen unter den Aufruf gekommen, und dem die „Märkische Volkszeitung" ihre Ergießungen zuzuschicken die Geschmacklosigkeit hatte, schreibt uns dazu: „Ich habe meine Unterschrift zur Empfehlung des mir unbekannten Buches nicht gegeben. Andererseits aber sind wir Rabbiner nicht gewillt, Weisungen für unsere Amtsthätigkeit von den zeitungschreibenden katholischen Geistlichen entgegenzunehmen. Sehen denn jene Kreise es durchaus nicht ein, daß das Judentum und die von ihnen genannten Zeitungen absolut nichts miteinander zu schaffen haben? - Das Judentum hat keine Hierarchie, keine Fürsten, Minister, Justizpersonen, die willig den Forderungen seiner Vertreter