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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-10-12 · 41 (12.10.1900) · p. Seite 651

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
41 (12.10.1900)
Date
1900-10-12
Page
Seite 651 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 41. Israelitische Wochenschrift. Seite 681 Ja, ich habe die Pelagia lieb gehabt, wie ich alle schönen Mädchen liebe. Oder die Pelagia noch mehr, weil sie immer so gut und freundlich zu mir gewesen. Aber es war kein Unrecht dabei, nichts, worüber die Pelagia sich zu schämen hätte. Und ich auch nicht." „Das ist unwahr," sprach der Amtsrichter kalt, „soll ich Dich erinnern, was Tilmann gesehen?" „Wenn es die Herren besser wissen," stieß Perez keuchend hervor, „was zapfen Sie mir erst das Blut ab mit Ihren Fragen?" „Warum ist die Pelagia so plötzlich verschwunden?" Es dauerte eine Weile, ehe der Wassertrräger antwortete. „Was weiß ich?! Vielleicht wollte sie einen andern Dienst suchen gehen." „Einen anderen Dienst!" wiederholte der Amtsrichter spöttisch. „Du lügst garnicht ungeschickt, mein guter Perez, wenn Du nur wüßtest, wie Du dadurch immer tiefer Deinen Hals verstrickst! Vielleicht wollte das liebe Mädchen dem braven Perez keine Ung^legenheiten bereiten, —^ so machte sie sich eben davon. Aber sorge nur nicht, wir werden Deine Freundin bald gefunden haben und ihr die Zunge zu lösen verstehen." „Herr Amtsrichter," fuhr der Bürgermeister entrüstet auf, „Sie sehen es nicht, wie höhnisch der freche Kerl lacht." Die Angeberei verdroß Philipp, er rief heftiger, als es sonst seine Art war: „Herr Bürgermeister, Sie haben hier nicht das Recht, Perez zu beschimpfen; ein Angeklagter ist noch lange kein Ueberführter." „Danke für gütige Belehrung, Herr Referendar, Sie mischen sich in Dinge . . ." „Meine Herren, i ch führe die Leitung der Verhandlung," unterbrach ^sie der Amtsrichter, „der Angeklagte steht unter meinem Schutz, das genügt . . . Perez, warum hast Du gelacht?" „Sie wollen die Pelagia suchen! Sie werden den Schnee vom vorigen Jahr finden." „Du weißt also, wo sie ist?" „Ich?" fragte Perez mit der unschuldigsten Miene von der Welt — er wußte es wirklich nicht — „ich? Woher soll ich das wissen? Reisende Leut soll keiner aufhalten, ich bin nicht der Landgendarm, der sie wohin und woher befragt." „Also verstockt, durch und durch verstockt," ries der Amtsrichter zornig. „Nun für heut sind wir mit Dir fertig. Bald wird ein anderer mit Dir sprechen, weniger nachsichtig und geduldig als ich, und dann wirst Du es bitter bereuen, durch Dein halsstarriges Leugnen Deine Sache so verschlimmert zu haben, daß Dich hernach die volle Strenge des Gesetzes treffen muß." „Das ist eine verzwickte Geschichte," sagte der Wärter, kopfschüttelnd, nachdem die Herren von der Gerichtskommisston die Zelle wieder verlassen hatten. „Wenn der alte Pauli selbst^herübermarschiert,^muß es ein verdammt schlimmer Fall sein. Beinahe kommt es mir so vor, als ob der Dich noch so durchschlupsen K laffen möchte, aber der Bürgermeister und der Amtsrichter wollen Dich mit aller Gewalt hineinlegen, das ist gewiß!" Jetzt brach Perez mit voller Unmut los: „Nun, unser Herr Amtsrichter! Ich hätt' ihn auch für gescheiter gehalten! Nach was hat er mich gefragt? Nach lauter Verliebtheiten . . . Solcher Unsinn! Als wär ich der junge Herr Gras. Verliebt und verliebt! Narrischkeit! Wenn ich mich einmal verliebe, wird es ein jüdisch Kind sein mit etwas Geld, und ich werd' sie heiraten und punktum! Brauch' ich den Amtsrichter mit seiner Pelagia als Schadchen? Und darum muß ich hier sitzen in dem Loch!" „Nun, nun," begütigte ihn der Wärter, der ihm sehr wohl wollte, „es ist ein ganz anständiges Zimmer, Du hast es hier besser, wie bei Dir zu Haus." „Wer sagt Ihnen denn das?!" fuhr Perez gereizt auf, „ich war mit meiner Stub' daheim ganz zufrieden. Schöner als bei Euch! Ist das ein Aufenthalt für einen bekoweten Mann? Nicht mal Mesuses an den Thüren!" Er ging mit großen Schritten in der Zelle auf und ab. „Mag sich der Herr Amtsrichter hierher setzen! Das will ein Gelehrter sein! Etwas Krummeres ist mir in meinem Leben noch nicht vorgekommen. Wenn er aus weiter nichts, als auf Verliebtheit studiert hat, kriegt er darum den großen Gehalt? Und dafür muß man Steuern zahlen!" „Ruhe! Ruhe!" gebot der Wärter streng; „Du hast mit mehr Respekt von dem Herrn Amtsrichter zu reden! Ueberhaupt Dein Betragen heut war sehr ungebührlich, das glaube mir! Mensch, wie kam es Dir nur bei, gegen den Herrn^Bürgermeister so ausfällig zu werden? Das ist doch keine Manier. Gegen einen Mann von so feiner Herkunft. Seiüen Herrn Vater habe ich recht gut gekannt, er war Hauptmann!" „Nu, was ist?" antwortete Perez mürrisch, „meiner war ein Kauhen." ... Denselben Abend noch wurde der Wasserträger nach dem Landgericht überführt. (Fortsetzung folgt.) Brief- und Fragekasten. Herrn Sch. in A. Schönen Dank für die Einsendung. Ich habe das Gedicht mit Vergnügen gelesen. Doch ist sein Inhalt zu subjektiv, um eine Veröffentlichung zuzulaffen. — Herrn L. Sch. in M. Schönen Dank für die freundlichen Worte und herzlichen Gegengruß. — Herrn T. in B. Die Schrift ist unleserlich. ln Preislagen von Mk. 1,20, 1,40, 1,50, 1,60, 1,70, 1,80, 1,90, 2,00 per 1I2 Ko Allen Freunden eines guten Getränkes als vorzügliche Marke empfohlen. Verantwortlich sür den redaktionellen Teil: M. A. Klausner für den Inseratenteil: Max Schaffer m Berlin.

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