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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-08-03 · 31 (3.8.1900) · p. Seite 480

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
31 (3.8.1900)
Date
1900-08-03
Page
Seite 480 (sequence 4)
Language
German
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Seite 480. Israelitische Wochenschrift. Nr. 31 bürgerzeitung" ihn sagen läßt, so hat er schärfsten Ordnungsruf für die Schmähung der Konitzer Juden und gerichtliche Ahndung verdient, so hat er durch seine Person bewiesen, daß man kein Mörder und Totschläger zu sein braucht, um ein schlimmer Geselle zu sein. . Inzwischen ist Jsraelski noch nicht aus der Haft entlassen worden. Dagegen haben die Konitzer Herren Antisemiten den Sport des Fenstereittwerfens erneuert. Die Kosten, die der Stadt Könitz aus der zur Herstellung und. Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung erforderlichen Einquartierung erwachsen sind, belaufen sich auf etwa 60 000 Mark. * * * (Endlich!) Gegen den Verleger und gegen den verantwortlichen Redakteur der „Staatsbürgerzeitung" ist wegen wiederholter öffentlicher Beleidigung von Gerichts- und Staatsanwaltschaftsbehörden in der Konitzer Mordangelegenheit Anklage erhoben worden. Wir entnehmen diese Meldung dem in Rede stehenden Blatt selbst; sie bedarf also noch der Bestätigung. * * * (Deutsche Renommisten.) Die agrarisch-antisemitische und namentlich ur-teutsche „Deutsche Tageszeitung" interessiert sich für die Frage, wieviel jüdische Freiwillige sich wohl für die China-Expedition gemeldet haben und wieviel tauglich befunden worden sind. Wie hoch der wirtschaftliche Wert des Menschenmaterials, das sich freiwillig für die chinesische Expedition gemeldet hat, zu veranschlagen ist, und wieviel aus Begeisterung die Expedition mitmachen, bleibt bis auf Weiteres besser unerörtert. Vielleicht, so schreibt die „Vossische Zeitung" dazu, erweisen wir der „Deutschen Tageszeitung" aber einen Dienst, wenn wir ihr mitteilen, daß unter den nach China ausrückenden Mannschaften der einstweilen noch bis zum 5. August in ihrem hiesigen Formationsort verbleibenden 3. Escadron des Ostasiatischen Reiter-Regiments sich auch ein Freiwilliger mosaischer Konfession Namens Cohn befindet. Dieser diente im dritten Jahr bei den 5. Husaren in Stolp i. P. und ist mit Schießschnur und Fechtabzeichen ausgezeichnet. Der Kronprinz nahm bei der Abfahrt des Regiments Veranlassung, sich mit dem Mann zu unterhalten und dem Regimentskommandeur seine Freude über ihn auszusprechen. (Siehe unter München in dieser Nummer.) Wir selbst kennen nicht wenige aktive und frühere jüdische Soldaten, die sich zur Teilnahme an der Expedition nach China gemeldet haben. Diese werden, soweit sie zugelassen sind, ihre Schuldigkeit gleich den Besten Lhun. Das ist selbstverständlich. Mit dem Märchen von der jüdischen Waffenscheu kann man heutzutage nur die atterdümmsten Gimpel unterhalten, und die Märchenerzähler müssen auf der untersten Stufe der Verwahrlosung stehen, auf der man auch imstande ist, den Wehrlosen feige zu schelten, der vor einer bewaffneten Bande flüchtet. Der antisemitische Massenmut, der in der „Deutschen Tageszeitung" das Maul aufreißt, als wollte er China ungeteilt verschlingen, diese Nußknacker-Kourage, die aus einer auf Kosten des Gehirns herbeigeführten Kinnbacken- Hypertrophie beruht und dabei noch mit einer entlehnten Kraft prahlt, sind das Erbteil von Lakaien-Seelen. In sinnigen Kreisen bedarf es keines Beweises dafür, daß es den Nachkommen des Jesaia nicht an Geist und den Söhnen der Makkabäer nicht an Mut fehlt. Unseren deutschen Brüdern, die nach China gehen, wünschen ao\x glückliches Vollbringen ihrer Aufgabe. Von den Juden unter ihnen wissen wir, daß sie den notwendigen Krieg nach den Satzungen unserer heiligen Religion führen werden, die die Satzungen der Menschlichkeit sind. * * * (Versuchte Judenhetze.) Ueber eine mißglückte Judenhetze wird aus Alt-Benatek, einem Ort an der Bahn südlich von Jungbunzlau gemeldet: Sonntag voriger Woche nach 8 Uhr abends kam es vor dem Haus des Kaufmanns Moriz Pick in Alt-Benatek zu einer Ansammlung. Die Menge, zumeist Arbeiter, etwa dreihundert an der Zahl, schlug die Fenster des Geschäftslokals ein und schickte sich zur Plünderung an. Zu dem Attentat gab das Gerücht Veranlassung, Pick habe den dreizehnjährigen Sohn eines Feldarbeiters an sich gelockt und ihn ermordet. Die Gendarmerie schritt rasch ein und zerstreute nicht ohne Mühe die aufgeregte Menge, wobei ein arbeitsscheues, mehrfach abgestraftes Individuum verhaftet wurde. Der Gendarmericposten in Alt-Benatek mußte verstärkt werden und auch am nächsten Tag einschreiten. Die Aufregung der Menge fand erst ein Ende, als sichergestellt wurde, daß der vermißte Knabe sich wohlbefinde und aus eigenem Antrieb den Eltern in die Gemeinde Cilec entflohen war. Am Dienstag wiederholten sich die Ansammlungen. Es gelang der Gendarmerie, die sechs Verhaftungen vornahm, die Menge zu zerstreuen. Vorkehrungen zur Verhinderung weiterer Ruhestörungen sind getroffen. * * (Mortara in Galizien.) Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" ersucht uns um Aufnahme folgender Mitteilung: Am 14. September 1899, dem jüdischen Versöhnungstag, wurde die 16 jährige Tochter Esther der in Wola Szezueinska bei Tarnow wohnhaften Witwe Chane Weiser, während die Mutter in die Synagoge zu Szezueinska weilte, von einem gewissen Franeiezek Smist aus Wola Szezueinska unter Beihilfe des Jan Gadoski aus Wies Swiadrowka und des Michael Wilosek aus Wola Szezueinska gewaltsam entführt und in das Kloster der Felieianerinnen zu Krakau gebracht. Chane Weiser begab sich zur Krakauer Polizeidirektion und bat, ihr zu einer Unterredung mit ihrem Kind zu verhelfen, wurde jedoch zwei Wochen lang unter verschiedenen Vorwänden hingehalten. Der Referent, Polizeikommissar Tomasik, erklärte der Mutter, daß er sich um jüdische Angelegenheiten nicht kümmere. Endlich beauftragte ihn der Polizeidirektor, die Frau in das Kloster zu begleiten. Man verweigerte ihr jedoch den Eintritt in das Kloster, während Kommissar Tomasik eine volle Stunde darin verweilte. Dann wurde die Mutter gerufen und ihr mitgeteilt, daß ihr Kind sie nicht sehen wolle. Als sie trotzdem darauf bestand, ihr Kind zu sehen, stießen sie die Nonnen weg und lachten sie aus. Weitere Schritte zur Wiedererlangung ihrer Tochter hat Chane Weiser nicht unternommen, da sie in eine schwere Krankheit verfiel. — Die fünfzehnjährige Tochter Feigel des Handelsmannes Elie Mendel Siegeltuch in Dobczyce wurde vor einiger Zeit von

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