Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 16 (20.4.1900)
- Date
- 1900-04-20
- Page
- Seite 251 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 16. Israelitische Wochenschrift. Seite 251. Rachel und Bella waren ohnmächtig zusammengebrochen, bewußtlos wurden sie in ihr Zelt zurückgebracht. Aber auch von der Stirn des Kaisers war der Frohsinn gewichen; finster, rote von bangen Sorgen gequält, blickte er vor sich hin; dann ging er in sein Zelt, um im Spiel mit seinen Freunden Zerstreuung zu finden. Eine halbe Stunde mochte das Spiel gewährt haben, als ein kaiserlicher Diener mit der Meldung etntrat: »Majestät, soeben ist ein Fremder im Lager erschienen und fordert ungestüm eine Unterredung mit dem Kaiser. Er ließ sich nicht abweisen, drei Menschenleben schwebten in Lebensgefahr, so sagte er, und daher mußte ich ihn melden!" Sigismund erhob sich überrascht und fragte den Diener: »Wer darf es wagen, meine Ruhe zu stören? Wer ist der Fremde, der so ungestüm eine Audienz von mir fordert?" „Ein Jude, Majestät!" „Und wie nennt er sich?" „Der Rabbi von Ltegnitz." „So mag er eintreten!" Mit stummer Verbeugung verließ der Soldat das Zelt, und Sigismund wandte sich verwundert an seine Hauptleute: „Sicher seid Ihr wie ich gespannt, was dieser Jude von mir begehrt. Es ist doch seltsam, daß er just zu einer Stunde erscheint, wo über seine Glaubensgenossen der Todesspruch gefällt ist. Nun, so mag er zuschauen, wie Kaiser Sigismund Verrat und Hinterlist zu strafen weiß." Kaum hatte Sigismund diese Worte vollendet, als der Rabbi von Liegnitz vor ihm stand. Der Zauber seiner Erscheinung verfehlte auch aus den Fürsten seinen mächtigen Eindruck nicht, erstaunt schaute er aus den Eintretenden, und mit ernster Stimme, aus welcher gleichwohl der Ton schonender Sanftmut herausklang, redete er ihn an: „Zu ungewöhnlicher Stunde erbittet Ihr Gehör von mir. Noch nie hat ein Unterthan gewagt, so stürmisch Einlaß in mein Zelt zu fordern. Seid Ihr der Ueberbringer einer Krtegsnachricht, die über unser Geschick, unsere Zukunft entscheidet, oder was drängt Euch sonst, vor mir im Lager zu erscheinen?" „Die Todesgefahr, in der drei Unschuldige schweben. Kaiserliche Majestät," antwortete der Rabbi fest und bestimmt, indem er tief sein Haupt verneigte. „Unschuldige werden an den Stufen meines Thrones Gerechtigkeit immer finden," entgegnete der Kaiser mit scharfer Betonung. „Und wer ist diesem grausamen Schicksal hilflos preisgegeben? Mein starker Arm soll ihn schützen und erretten." „Eine gerechte Sache ist es, die ich vertrete, allergnädigster Herr," fiel schnell der Rabbi ein, während ein freudiger Zug über sein Antlitz glitt, „für Schuldlose flehe ich zu Deinen Füßen. Hier in der Nähe Deiner Truppen wurde eine frevelhafte Unthat begangen. Ahnungslose Reisende sind überfallen, in das Lager geschleppt worden und sehen unter dem furchtbaren Verdacht eines gefährlichen Verbrechens dem Tode entgegen, wenn sie dieses Los nicht schon ereilt hat. Um das Leben dieser Unglücklichen zu retten, bin ich aus dem fernen Liegnitz in das Lager geeilt; vor Deinem Angesicht, allmächtiger Fürst, wollte ich um die Freiheit jener Schuldlosen flehen." (Fortsetzung folgt.) Geschäftliche Mitteilung. Saccharin kein Ersatz für Zucker. Die Fabrikanten künstlicher Süßstoffe, wie des Saccharins, Zuckerins, Dulcins und dergleichen, die ihre Erzeugnisse als Ersatz für den Zucker anpreisen, stellen sich in offenen Widerspruch mit der Wahrheit, da diese künstlichen Süßstoffe nur den Geschmack des Zuckers besitzen, aber keineswegs einen Nährwert. Es kann von einem Nährwert bei ihnen überhaupt nicht die Rede sein. So kann es denn auch nicht befremden, daß die meisten europäischen Staaten verboten haben, das Saccharin als Lebensmittel in den Handel zu bringen. Das deutsche Reichsgesetz vom 1. Oktober 1898 verbietet die Verwendung von Saccharin vorerst nur zur gewerbsmäßigen Herstellung von Bier, Wein rc. Aber die Reichsregierung wird auf die Dauer gleichfalls nicht umhin können, den Verkauf von Saccharin und ähnlichen Süßstoffen lediglich auf die Apotheken zu beschränken. Brief- und Fragekasten. Herrn E. R. in B. Dank für die Mitteilung. — Herrn L. S. in M. Herzliche Erwiderung der Grüße! — Herrn H. in Ch. Ich bedauere die Verspätung. — Redaktion „W". St. Petersburg. Betrag 5 Rubel (Mk. 10.50) erhalten und dankend gutgeschrieben. Es bleibt für das IV. Quartal ein Rest von Mk. 1.50. - Herrn A. L. in B. Der Mann ist ganz „recht berichtet," in jeder Beziehung. — Herrn I. O. in S. Daß Ihnen nicht einmal der Name des Intervenienten genannt rporden ist, könnte nach allen Erfahrungen sogar mich Wunder nehmen. — Herrn W. S. in E. Das ist nett von Ihnen. . Schönsten Gruß. — Herrn S. R. in E. Ist gern geschehen. — Herrn B. H. in S. Ich lasse ' achsuchen und, wenn das Gewünschte sich findet, Ihnen durch den Verlag zusenden. Carolahygienisch zuträgliches Getränk. j\\ Sparsamkeit unübertroffen! "MA Verkaufstellen durch Plakate kenntlich. untz Gekonnte Kaffees ln Prelslaflen von Mk. 1.20. 1,40, 1,50, 1,60, 1,70, 1,80, 1,90, 2,00 per V2 Ko Allen Freunden eines guten Getränkes als vorzügliche Marke empfohlen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: Max Schaffer in Berlin.