Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · p. Seite 76

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
Seite 76 (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9607256-9607314--7693-9607338
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 76. Israelitische Wochenschrift. Nr. 8. in's Ohr: „Michel, Du hast Dir nicht nur die Schwester, sondern auch die Braut gerettet". Und als ob Bella das Gesagte vernommen, trat sie auf Michel zu, und reichte ihm die Hand. Ein glühende Röte flammte über die Wangen des Jünglings, dann preßte er in heißem Kusse seine Lippen auf die Hand des Mädchens, das sich auf das Haupt des Geliebten niederneigte und mit leisem Kusse seine Stirn berührte. Ein freudiges Lächeln spielte um die Lippen des Vaters; auch er reichte Michel die Hand, deren leiser Druck dem Beglückten mehr sagte, als Worte auszudrücken vermochten. — Da unterbrach Trommelwirbel und Trompetenschall das Schweigen. „Horch! Das ist Zizka mit seinen Scharen", begann Jeiteles; „er hält Wort, das Strafgericht beginnt, und ich fürchte, es wird ein furchtbares werden. Eures Bleibens, Mädchen, ist hier nicht länger; Jakob, den ich zu diesem Zwecke nach Hause geschickt, wartet an der Klosterpforte mit unserem Wagen, der Euch zur Mutter bringen wird. Unter ihrer sorgsamen Pflege werdet Ihr Euch bald erholt haben". Die Aufgesorderten leisteten um so schneller Folge, als sich die Tritte der Herankommenden schon in unmittelbarer Nähe vernehmen ließen. Und kaum waren die Mädchen in den Wagen gehoben und dieser war davongejagt, da bog auch schon der Vortrab des Zuges um die Straßenecke. Es war eine mächtige Schar von Weibern, welche Waffen, Pechkränze und Fackeln in den Händen trugen. , Voran schritt die gewaltige Gestalt eines Weibes, aus dessen Blicken unerbittliche Strenge und wilde Leidenschaft loderte. Es war Leonore, die Schwester Zizkas, die Führerin der Weiberscharen, die einen starken Bruchteil des Hussitenheeres bildeten. Ein riesiger Dreschflegel war die einzige Waffe, die sie trug; kein äußeres Abzeichen ließ die Führerin in ihr erkennen. „Leonore", redete Jeiteles die Herankommende an, indem er sein Haupt neigte, „die Mädchen sind gerettet und die Räuber in unserer Hand. Sie liegen drinnen im Klosterhofe verwundet und gefesselt". „Ich will sie sehen, die Scheusale", sagte die Angeredete, indem sie durch die Klosterthür trat. Aber kaum hatte sie einen Blick aus die am Boden Liegenden geworfen, wich sie entsetzt zurück, um dann noch näher heranzutreten. Eine gewaltige Veränderung vollzog sich in den Mienen des Weibes und verriet die gewaltige Erregung, die sich ihrer bemächtigte. Die wild aufflammenden Augen schienen aus ihren Höhlen zu treten; keuchend hob sich ihre Brust, die Waffe war ihren Händen entsunken, und indem sie sich an die Stirn griff, schrie sie auf: „Ist es ein Gaukelspiel meiner Sinne? Hat Dich die Hölle ausgespieen, oder ist es Wahrheit, was ich sehe? Bist Du es wirklich, Sixtus? Ja es ist wahr, ich habe Dich endlich gefunden, verruchter Bube! Hei, das ist Wonne für mein rachelechzendes Herz, dessen edelste Triebe Du, Teufel in Menschengestalt, ertötet hast! Wie habe ich Dich gesucht, Du Räuber und Verführer meiner Jugend, und was ich kaum mehr zu hoffen gewagt, es ist doch noch Wahrheit geworden. Du bist in meiner Gewalt, die heißersehnte Stunde der Abrechnung ist endlich gekommen, wo ich Dir wiederzahle, was Du mir und meinem Hause angethan. . . Ei, wie Du stöhnest, Mönch! Ahnst Du, daß es zu Ende geht? Nur weiter! Dein A.chzen ist süße Musik für mein Ohr, an der ich mich weid^ mit bisher nie gekannter Lust. . . . Doch, da kommt mein Bruder. Nun, Mönchlein, thut Euer letzt' Gebet, Euer Stündleiu hat geschlagen, und es soll ein recht schweres werden. Ich schwöre es Euch zu!" Unter wildem Lachen hatte die Redende geendet; verzehrendes Feuer glühte in ihrem Blick, den sie auf die gefesselten Mönche gerichtet hatte, und ihre Züge, die in der Zerstörung noch Spuren einstiger Schönheit zeigten, verzerrten sich zu unbändiger Wildheit. Sie wandte sich um und schritt dem Bruder entgegen, der an der Spitze seiner Leibgarde sich dem Kloster näherte. Ein Blick auf den Hussttenführer mochte die gefesselten Mönche belehren, daß sie von diesem Manne kein Erbarmen zu hoffen hatten. Es war eine imposante Gestalt, die da hoch zu Roß herangeritten kam. Auf einem Riesenkörper saß ein großer, breiter Kopf, der, leicht vorwärts geneigt, seiner ganzen Erscheinung etwas Lauerndes, Raubtierartiges gab, aber dennoch schön gewesen wäre, würde nicht das Fehlen des linken Auges, das Zizka schon als Knabe verloren, es entstellt haben. Das tiefbraune Antlitz umrahmte ein langherabwallender schwarzer Bart und Haupthaar von gleicher Farbe. In der wuchtigen Rechten trug er seine Lieblingswaffe, einen eisernen Streitkolben. „Bruder", so redete Leonore den Heranceitenden an, ich bringe Dir ein kostbar' Wild, nach dem wir lange gejagt, ohne es erlegen zu können. In Begleitung seines ebenbürtigen Kumpans Ignatius ist der Mönch Sixtus aus Wien hierhergekommen zu neuem Mädchenraub. Und weißt Du, wer dieser Sixtus ist?" Die Redende hielt inne und richtet^ den triumphierenden Bück auf ihren Bruder. „Derselbe Sixtus, der Deine Schwester so namenlos unglücklich gemacht!" (Fortsetzung folgt.) Brief- und Lragekaslen. Herrn Dr. R. in M. Schönsten Dank für Nummer 2 re. und besten Gruß. Herrn S. P. in W. Ist nach Ihrem Wunsch geschehen. Gebrannte Koftccs ln Preislagen von IM. 1.80. 1,40, 1,50, 1.60, 1,70, 1,80, 1,90, 2,00 per V2 Ko Allen Freunden eines guten Getränkes als vorzügliche Marke empfohlen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: Erik Pfeffer in Berlin. Berliner Schneider-“ ' ' von Rudolf Maurer nur Berlin W.f Friedrichstr. 65a. Prämiiert: Berliner Gewerbe-Ausstellungen 1879 u. 1896. — Am 1. u. 15. jed.M. beginnen neue Kurse in der Herren- und Damen-Sohnelderei. Illustr. Jubiläumsprospekt 1899 gratis u. franco. Dir. Alfred Maurer. Verlag Siegfried Cronbach, Berlin W. 67. — Druck: Arthur Schalem, Berlin C., Roßstr. 3. 41

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.