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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-01-12 · 2 (12.1.1900) · p. Seite 16

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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feeite 16. Israelitische Wochenschrift. Nr. 2. Der Herr Redakteur wird nun behaupten, daß ich von Rothschild bezahlt und bestochen bin, er wird auch Ihnen einige Artigkeiten an den Kopf werfen und wird — seine Geschicklichkeit und langjährige Routine darin erkenne ich hiermit voll an — dies in einer Form thun, durch die er nicht zu fassen sein wird. Nichtsdestoweniger werde ich mich in Zukunft nicht davon zurückhalten lassen, gegen derartige Eulenspiegeleien, die geeignet sind, die öffentliche Meinung zu vergiften, energisch Front zu machen. Dr. Z." Darauf diene zur Antwort: „Zu meinem lebhaften Bedauern, werter Herr Dr. Z., hat der Mut in Ihrer geschätzten Brust seine Spannkraft nicht weit genug geübt, um Sie zur Nennung Ihres Namens zu bestimmen. Oder haben Sie ihn aus Bescheidenheit verschwiegen, damit Baron Rothschild nicht erfahre, wer ihn gerettet? Oder aus Rücksicht aus mich, damit ich bei einer Begegnung mit Ihnen nicht beschämt sei, nachdem Sie mir „Mangel an Kenntnis der einfachsten Dinge" nachgewiesen haben? Für diese Rücksicht weiß ich Ihnen keinen Dank, denn nun muß ich in jedem Unbekannten, der mir vor Augen kommt, den unerbittlichen Dr. Z. fürchtend vermuten. Nicht einmal auf den Anfangsbuchstaben Z. ist meine Furcht beschränkt; denn wer verbürgt mir, daß dieser echt ist? Ich muß mich also durch das ganze Alphabet, von Dr. A... B... bis Dr. Z. ängstigen. Um so mehr Dank weiß ich Ihnen für die Belehrung, daß „bekanntlich der größte Teil der rumänischen Kaufleute und Handwerker aus Juden besteht," daß die Rettung der judenseindlichen rumänischen Regierung aus schweren Ftnanznöten ein Akt besonders kluger und seiner Judenfreundlichke'^ gewesen. Warum aber versehen Sie meine Zeitung mit dem Stigma eines „sogenannten" jüdischen Blattes? Das ist ungerecht, wenn Sie nicht den jüdischen Zeitungsschreiber ausschließlich in dem anerkennen wollen, an dem nichts jüdisch ist als sein Deutsch. Gerade auf diesem Gebiet haben Sie, glaube ich, kein unbedingt autoritatives Urteil. Sie würden sonst nicht von der „Zunft der Zeitungsschreiberet" sprechen. Die Zeitungsschretberei ist nicht zünftig, sondern eine freie Kunst, und unter allen Umständen könnten nur die Zeitungsschreiber eine Zunft bilden, nicht die Zeitungsschreiberei. Woher, werter Herr Dr. Z., wollen Sie wissen, daß ich „zornig wie ein homerischer Held mit lautem Geschrei und blutunterlaufenen Augen gezetert und gewettert?" Ich spreche nicht einmal laut; wie sollte ich dazu kommen, laut zu schreien, wenn ich schreibe? Doch ich verstehe: Sie haben bildlich andeuten wollen, daß meine Worte gegen Baron Willy von Rothschild sehr heftig gewesen, da ich mich sogar zu einer „dreisten Behauptung" verstiegen habe. Ich bin in der That so dreist gewesen, meine Meinung zu sagen. Doch das dürfen gerade Sie mir nicht zum Vorwurf machen, denn Sie sind noch viel dreister gewesen, so dreist, sich ungerufen zum Verteidiger Rothschilds zu machen. Freilich haben Sie das in recht bescheidener Weise gethan, haben Sie für Ihren Klienten in eventum auf mildernde Umstände plädiert. Daß Rothschild im Rothschild-Konsortium majorisiert, daß Rothschild vom Rothschild-Konsortium gezwungen werden könne, ein Geschäft zu machen, das er nicht machen will, das habe ich in der That nicht gewußt. Ich habe ferner nicht gewußt, daß die Rothschilds Jahrzehnte hindurch von grundsätzlicher Judenseindlichkeit geleitet waren, so lange sie nämlich grundsätzlich ablehnten, russische Staatsanlehen zu negoziieren. Ich habe bisher auch geglaubt, daß die preußischen Judenausweisungen drei Jahre nach den Massacrcs von Balta erfolgt sind, nicht umgekehrt. Ich habe endlich geglaubt, daß man zu einem akademischen Grad nicht bet vollkommener Verblödung gelangen kann. Sie, Herr Dr. Z., haben mich in allen diesen Punkten belehrt. Aber falsche Nachrede dulde ich nicht. Wie können Sie behaupten, daß ich gegen „starre Orthodoxie" im Allgemeinen oder bei einem Einzelnen Haß hege? Ich versichere Sie, meine Gefühle in dieser Richtung sind ganz anderer Art. Ich lasse Ihre Verdienste um meine Aufklärung gern gelten. Doch dürfen Sie deswegen nicht gar zu überheblich von sich denken. Es fällt mir nicht ein, zu behaupten, daß Sie von Rothschild bezahlt und bestochen seien. Was in aller Welt soll denn an Ihnen bezahlt werden? Wer in aller Welt, der nicht gänzlich vom Verstand verlassen, möchte Sie bestechen? Nein, Herr Dr. Z., Sie kaust Niemand und besticht Niemand, Sie mögen sich noch so sehr — anbieten. Auch darin waren Sie kein glücklicher Prophet, daß Sie sagten, ich würde dem verantwortlichen Redakteur Ihres Blattes „einige Artigkeiten an den Kopf werfen." Ich ziehe es vor, mich mit diesem Herrn vor Gericht zu unterhalten. Wenn Sie endlich von meiner Geschicklichkeit sprechen, in unfaßbarer Form unangenehme Dinge zu sagen, so habe ich zum Dank für Ihre Anerkennung mit Ihnen eine Ausnahme gemacht und Ihnen meine Meinung über Sie oben ohne Umschreibung gesagt. Sie brauchen blos Ihren Namen zu nennen, und ich gebe es Ihnen mit Brief und Siegel! Genügt Ihnen das, Herr Dr. Z.? Aus Wiedersehen! M. A. Klausner. * * (Eine Blütenlese.) Die Berliner Antisemiten haben jüngst wieder eine Versammlung gehalten. Wir entnehmen dem Bericht ihres Organs folgende Blütenlese vom Schimpfwörtern: „Jüdische Tücke, protzenhaftes Judentum, freche Spötter, Rechtsverfälscher, Blutsauger, Wucherer, freches Judentum, jüdische List und Tücke, Judenbande, Semitenbande, Judensumpf." — Ohne Gewähr für Vollständigkeit. Die Herren Antisemiten sind in diesem Fall noch recht zart gewesen. Sonst sprachen sie wohl auch von einer „internationalen Gaunerbande", zu der „alle Juden ohne Ausnahme" gehörten. Das galt vor Gericht nicht einmal als eine strafbare Beleidigung. Allerdings war das vor dem „Ulk"-Prozeß, in dem festgestellt worden, daß die Beleidigung eines Einzelnen als Katholiken gleich einer Beleidigung des Katholizismus gesühnt werden müsse. * * (Antisemitische Gedächtnisschwäche.) In der oben erwähnten Versammlung erzählte der Reichstagsabgeordnete Bindewald, „daß die Juden in Neustetttn, kurz nachdem Dr. Henrict dort gesprochen hatte, ihre Synagoge selbst angezündet haben und dann die Schuld den Antisemiten in die Schuhe geschoben hätten." Nach dem Bericht des antisemitischen Organs hat Herr Bindewald das nicht erzählt, sondern

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