Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 52 (29.12.1905)
- Date
- 1905-12-29
- Page
- Seite 735 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 52. Israelitische Wochenschrift. Seite 735 — Am Sonnabend, den 23. d. M, abends 6 Uhr, fand in I dem festlich erleuchteten Genesungsheim zu Lehnitz im Beisein einer. größeren Zahl von Vorstandsmitgliedern des Vereins „Jüdisches Genesungsheim" eine schöne Chanukafeier statt. Nach einer Ansprache des zeitigen Vorsitzenden, in welcher er auch des in diesem Jahre Heimgegangenen früheren Vorsitzenden Martin Simon in warm empfundenen Worten gedachte, erhielten die im Heim befindlichen 17 Pfleglinge die üblichen Schüsseln nebst Geschenken von mehreren Vorstandsmitgliedern. — Das Heim soll den ganzen Winter hindurch geöffnet bleiben, da gerade in dieser Zeit durch die geringere Belegung iedem einzelnen Pflegling besondere Pflege zugewendet werden kann. — In der Indischen Arbeiter-Kolonie in Wettzensee wurde am 23. Dezember das Chanukafest in Anwesenheit der Herren und Damen des Vorstandes und Wohlfahrtsausschusses feierlich begangen Die religiöse Ansprache in der Anstaltssynagoge hielt Herr Dr Eschelbacher jr.; die Chanukakerzen entzündete Herr Siegmund Bergel, die Chanukahymne bildete den Anfang und Schluß des eindrucksvollen religiösen Aktes. — Für die Einbescherung hatten die Damen des Wohlfahrtsausschusses, insbesondere Frau Maurermeister Adler und Frau Prof. Scharfer, mit den aus einer Sammlung im Kreise des Vorstandes beschafften Mitteln in dankenswerter Weise gesorgt; jeder Kolonist erhielt außer Kleidungsstücken sein reichlich Teil an Pfefferkuchen, Obst und Zigarren Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Handelsrichter Moritz Rosenow und die Leiterin des Damenkomitees, Frau Adler, hielten herzliche Ansprachen an die Kolonisten, d'e einen sichtlich tiefen Eindruck hinterließen. — In der Komischen Oper fand am Sonntag eine Matinee „zugunsten der Opfer der Judenverfolgungen in Rutzland" statt, die sich einer überaus regen Teilnahme zu erfreuen hatte. — Den gehaltreichen und fesselnden Vortragsplan eröffnete Nicolais „Lustige Weiber"-Ouvertüre unter der Leitung des Kapellmeister Fritz Cassirer. Es folgte dann der erste Auf,ug der „Boheme" Leoncavallos, um dessen launige Wiedergabe sich die Herren Nadalowitsch, Egenieff, Rünger, Mantler, Thomaschek, Schüller, Delwary, Brose im Verein mit den Damen Kauffmann- Francillo, Artet de Padilla und Behnee verdient machten. Ein Gastspiel des Lessing Theaters brachte dann die Darstellung des bekannten und viel belachten Hartlebenschen Scherzes „Die sittliche Forderung" mit Irene Triesch und Hans Marr, dem die drolligsteifleinene Würde des sich seiner Mission bewußten Provinzlers ganz prächtig glückte. Als recht zweifelhaft erwiesen sich dagegen die „Lieder zur Laute", die Frank Wedekind zum besten gab. Ihr musikalischer Wert ist kaum diskutabel, und stofflich überschreiten sie vielfach die Grenze des künstlerisch Zulässigen und Erquicklichen, wie auch die bänkelsängerhafte Ausmachung die ganze Darbietung in den Bereich des Kabarets verweist, dem Herr Wedekind ja früher wohl angehört hat. Die Mehrzahl der Besucher schien ähnlicher Ansicht zu sein und lehnte wenigstens den letzten der Wedekindschen Vorträge, der auf einem „wissenschaftlich-humanitären" Vorwurf fußt, mit lautem und vernehmlichem Zischen ab, ein Fall, der für ein Berliner Wohltätigkeits- S fest wohl ohne Vorgang ist — Der „Venedigakt" aus „Hoffmanns Erzählungen" machte in der bekannten Besetzung mit Herrn Nadolowitsch als Hoffmann, Herrn Bertram als Dapertutto und Fräulein Kauffmann-Francillo als Giulietta den Beschluß der künstlerisch sonst überaus ergiebigen Veranstaltung aus. — „Sensationelle Enthüllungen aus dem Kriegslager eines Antisemiten" hatte der Einberufen einer großen, öffentlichen Volksversammlung versprochen, die im großen Saale der Brauerei Friedrichshain staltfinden sollte. Der weitere Vermerk auf den Riesenplakaten „Graf Pückler ist eingeladen" ließ erraten, welcher Antisemit gemeint war. Da der Veranstalter der Versammlung, ein früherer Lehrer Döring aus der Kaiserstraße, schon einige Mal als Leiter von Pücklerversammlungen ausgetreten ist, versprach die Sache interessant zu werden. Umsonst wollte jedoch der Versammlungsveranstalter nicht seine Enthüllungen machen; er forderte vielmehr ein Eintrittsgeld von 31 Pf. pro Person und hätte damit eine hübsche Einnahme erziehlt, wenn nicht infolge der Ungunst des Wetters der Besuch der Versammlung hinter den Erwartungen znrückblieb. Mit überraschender Fixigkeit zog sich der Einberuser aus der Affäre. Er trat auf die Bühne und eröffnete die Versammlung, um gleich mitzuteilen, daß er sie wieder schließen müsse, weil der Referent nicht erschienen sei. Die enttäuschten Bersammlungsbesucher erhoben nun gewaltigen Lärm, der nur dadurch beschwichtigt wurde, daß sich der Veranstalter zur Rückerstattung des Eintrittsgeldes bereit erklärte. Die Enthüllungen wurden nunmehr in der ausgelösten Versammlung aber doch gemacht, freilich nicht über den Grafen Pückler, sondern von dessen zahlreich erschienenen Jüngern über den Einberuser Ihm wurde nachgesagt, daß er die Versammlung nur zum Zwecke seiner Geldbörse einberufen hätte, dieweil auch in der letzten von ihm geleiteten Pücklerversammlung die 86 M. betragende Einnahme zugleich mit ihm verschwunden sei, obwohl er von dem Grafen für die Versammlungsleitung 25 M. Entschädigung bekommen habe. Aehnliche Beschuldigungen wurden gegen andere anwesende Leute aus dem Gefolge des Grafen Pückler erhoben. Von Kundigen wurde erklärt, es bestehe eine aus solchen Leuten gebildete Gemeinschaft, die gewerbsmäßig derartige Versammlungen veranstalte und das Publikum um das hohe Eintrittsgeld neppe. Mit genauer Not entgingen der Versammlungseinberufer und seine Freunde dem Schicksal, geprügelt zu werden; angesichts der „sensationellen Enthüllungen" seiner Gegner gelobte er aber, in Zukunft den Versammlungssport aufzugeben. Breslau. (Wohltätigkeitsfest) Der Verein jüdischer Studenten an der Universität Breslau hatte für Montag Abend zu einem Fest eingeladen, dessen Ertrag den verwaisten Kindern russischer Juden zugute kommen sollte. Dieses Wohltätigkeitsfest, das im Saal der Neuen Börse stattfand, wies einen glänzenden Besuch auf und nahm einen schönen und harmonischen Verlauf; es offenbarte sich b.tbet eine so herzliche und eifrige Geberfreude, daß die Veranstalter ihre besten Erwartungen befriedigt sahen. Der Saal war geschmackvoll dekoriert und hübsche Verkaufsbuden waren aufgeschlagen worden, an denen sick ein heiteres, jahrmarktbuntes Treiben entwickelte. Ein Glücksrad surrte, reichbesetzte Büfetts luden zum Zugreifen und zu Plauderstündchen ein; liebreizende Schönheiten in fremdländischer und heimischer Tracht machten als fliegende Händlerinnen und als Heben gute Geschäfte in Blumen, Ansichtskarten, Kuchen und Likören. Von der Galerie herab mischten sich die Leiertöne eines Karussels in den flöhlichen Basarlärm und in die Vorträge des Orchesters. Ein ernstes Gepräge gewann das Fest als gegen 1/210 Uhr die Ereignisse auf der Bühne begannen. Fil. Berliner sprach einen Prolog, dessen Strophen poetisch und erregt erzählten von all dem Jammer, der durch den Krieg und durch tyrannischen Uebermut über das russische Volk gekommen sei, von den gräßlichen Verfolgungen, denen die jüdischen Glaubensbrüder ausgesetzt seien, von dem Elend, das zum Himmel schreie, und von der Barmherzigkeit, die hier helfend und lindernd walten müsse. Herr Dr. Berends hielt sodann eine Ansprache, in der er das schwere Geschick, das über die Juden in Rußland hereingebrochen, eingehend schilderte. Der Schlußteil des Abends brachte reizende Gesangsvorträge des Frl. Friedmann, treffliche Deklamationen des Herrn Dr. Rosenkranz rc. Paris. Die Alliance Jsraelite Universelle überwies dem Ruffo-Jewish Komitee in London 600 000 Mk. für die Hilfskomitees in Rußland. Ter Wert einer Würze bemißt sich einmal nach Kraft und Güte ihres Aromas, sodann nach ihrer Bekömmlichkeit. Nur wenn sie diese Vorzüge in sich vereinigt, erfüllt sie ihren Zweck in wirtschaftlicher, wie hygienischer Richtung. Daraus erklärt sich auch die allgemeine Verbreitung der bewährten Maggi-Würze. Ihre Ausgiebigkeit wird von allen Fachleuten anerkannt, während ihre mild anregende, wohltuende Wirkung auf den Organismus durch zahlreiche Versuche erster Autoritäten der Ernährungslehre dargetan ist. Mk. I.~, 1.20, 1.40, 1.50, 1.60, 1.70, 180. 190, 2 — pro l(.Io. 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