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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-12-22 · 51 (22.12.1905) · p. Seite 720

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
51 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
Seite 720 (sequence 17)
Language
German
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Seite 720. Israelitische Wochenschrift. Nr. 61. Stettin. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten kürzlich die Lindenstraße 8 wohnenden Agent S. Aronsohnschen Eheleute, beide geborene Stettiner. Herr A. ist 79 Jahre alt. Er hat in den Jahren 1847 bis 49 beim Leib-Husaren-Regiment gedient und ist 42 Jahre lang mit den Geschäften der hiesigen Posthalterei betraut gewesen. Frau A., die im Alter von 69 Jahren steht, ist eine geborene Horn. Ihre Familie war 1815 die erste jüdische Familie, die das Recht erhielt, im Innern der Stadt zu wohnen, während so lange den Juden nur das Wohnen auf der Lastadie gestattet war. In der Wohnung des Jubelpaares wurde zu Anfang der 60er Jahre der Brüderverein gegründet. Breslau. Auf Einladung eines Komitees, an dessen Spitze Oberbürgermeister Dr. Bender steht, wurde im Sitzungssaale der Stadtverordneten eine Versammlung zu dem Zwecke abgehalten, in Breslau eine Sammlung für die durch die Unruhen in Rußland geschädigten Personen zu veranstalten. Der Oberbürgermeister eröffnete die Versammlung, indem er ausführte, daß das entsetzliche Elend, welches in Rußland vielfach infolge der Unruhen eingetreten ist, weite Kreise veranlaßt habe, helfend einzugreifen, so jüdische Kreise, aber auch ganze Städte wie Berlin und Frankfurt a M. Dort hätten sich an dem Aufruf Männer aller Konfessionen und Parteien beteiligt. Für Breslau bestehe umsomehr die Pflicht, sich diesen Bestrebungen anzuschließen, weil es im Osten Deutschlands engere Beziehungen zu dem Nachbarreiche habe, wie der Westen Es tue auch not. bald ans Werk zu gehen, denn der Winter stehe vor der Tür und das Elend sei ungemein groß. Der völlige Ruin der Geschädigten solle wenigstens verhütet werden. Bei den Katastrophen haben besonders die Juden gelitten, aber auch viele Christen seien um Hab und Gut gebracht worden. Zum Worte meldete sich niemand. Alsdann schlug der Redner vor, ein Komitee für die Ausarbeitung eines Aufrufes und für die sonstige Vorbereitung der Sammlung zu wählen. Er empfahl den Berliner Ausruf, den er vorlas. Eine Abführung der gesammelten Gelder an das Zentralkomitee in Berlin sei angebracht, um die Verteilung der Unterstützungen nicht vom Zufall abhängig zu machen. Eingehende Untersuchungen würden von Berlin aus veranlaßt werden, doch könne auch das Komitee freie Hand behalten, in einzelnen Fällen, besonders in den Grenzgebieten, selbst Unterstützungen zu gewähren. Die Veröffentlichung der eingegangenen Beträge solle im Gemeindeblatte erfolgen, da dies die billigste und einfachste Rechnungslegung sei. Aus der Versammlung wurde dagegen die Anregung gegeben, die gesammelten Gelder und ihre Geber in allen Zeitungen bekannt zu geben, um damit Propaganda für die Sache selbst zu machen; dieser Anregung wurde auch Folge gegeben. Schließlich wurde aus der Versammlung heraus vorgeschlagen, als engeres Komitee die Einberufer der Versammlung zu wählen, was auch geschah. Oberbürgermeister Dr Bender teilte noch mit, daß aus oberschlesischen Interessentenkreisen angeregt worden sei, die Sammlung auf die ganze Provinz auszudehnen, und es werde mit diesen Kreisen Fühlung genommen werden Kattotvit; Israelitischer Krankenpflege und Beerdigungs- Verein. Am 9. d. Mts. fand die ordentliche Generalversammlung statt. Der Vorsitzende, Herr L. Altmann, berichtete über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Rechnungsjahre unter Bezugnahme auf den den Mitgliedern zugestellten Kassenbericht. Der Verein hat auch im abgelaufenen Rechnungsjahre, seiner Tendenz gemäß, segensreich gewirkt. Die Mitgliederzahl ist von 475 auf 496 gestiegen. Besonderer Dank wurde den Damen und Herren, die sich ganz besonders in der Erfüllung der Liebeswerke auszeichneten, abgestattet und der verstorbenen Mitglieder ehrend gedacht. Hierauf wurde nach Verlesung des Revisionsberichtes dem Vorstand Decharge erteilt. Ein Antrag auf Aenderung der Statuten wird einer Kommission zur Vorberatung überwiesen. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wurden die Herren Louis Bock, Jacob Kochmann, S. Kornblum und M. Katschinsky wiedergewählr, ebenso die beiden Rechnungsrevisoren, die Herren Julius Nothmann und S. Friedländer. Jarvtschin. Die hiesigen Repräsentanten der jüdischen Gsmeinde haben beschlossen, die Verwaltung des hiesigen Rabbinate dem Rabbiner Dr. Heppner-Koschmin zu übertragen. Hannover. Der Verein zur Beförderung des Handwerks unter den Juden in der Provinz Hannover hat seinen Tätigkeitsbericht für 1902/05 erstattet. Es heißt darin: „Es ist unsere unerfreuliche Aufgabe, offen zu bekennen, daß die Klagen, welche in dem letzten Berichte vom November 1902 ausführlich geschildert wurden, in verstärktem Maße hervorgetreten sind. Wir haben uns bemüht, den veränderten Zeitläuften Rechnung zu tragen und dementsprechend die Bewilligungen und Zuschüsse erhöht. . . Trotzdem auf unsere Bitten sowohl in der Stadt Hannover wie in den Landgemeinden die Lehrer der Synagogengememden in dankenswerter Weise die schulentlassene Jugend zur Wahl eines Handwerks ermuntern, ist in der abgelaufenen Periode ein merklicher Rückgang von Anträgen auf Bewilligung von Uuterstützungsgeldern und Zuschüssen zu bemerken" Der Vorstand bittet deshalb die Mitglieder, für die Zwecke und Ziele des Vereins werbend und fördernd mehr als bisher eintreten zu wollen. Die Gesamteinnahme betrug 21193 M., Kaffabestand am 11. November d. I. 4083 M Die das Vermögen des Vereins darstellenden Wertpapiere hatten an diesem Tage einen Kurswert von 14 476 M. Hannover. Das Kuratorium der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem hielt am 17. Dezember seine diesjährige ordentliche Sitzung in Hannover ab. Aus dem Bericht des Vorstandes ist als wichtigster Punkt zu erwähnen, daß seit dem 1. Januar 1906 14 ausgelernte Zöglinge die Anstalt verlassen und, bis auf einen erkrankten, sämtlich Unterkunft als Gärtner bezw. Handwerker gefunden haben; ebenso ist dies mit 4 Mädchen der Fall, die durch Vermittelung der Fürsorge-Kommission des Damen- Komitees ebenfalls Stellung als Haus- oder Küchenmädchen erhalten haben. Der Voranschlag für 1906 zeigt, daß fortdauernd große Anforderungen an die Anstalt herantreten (bte Zahl der Zöglinge beträgt gegenwärtig etwa 160), deren Deckung nicht geringe Schwierigkeiten macht. Die statutengemäß ausscheidenden^lk Mitglieder des Kuratoriums und des Vorstandes werden wieder-W" gewählt; außerdem wurden neu gewählt die Herren Meyer Simon- Hannover (ein Bruder des verstorbenen Stifters der Anstalt), Dr. Paul Arons-Berlin, I. de Beer-Harzburg, Dr. med Catzeustein-Hannover, Rechtsanwalt Dr. Cohn-Dessau, Konsul Jaffö- Hannover in das Kuratorium und Herr S. Vorreuter-Hannover in den Vorstand. Schließlich erklärte der Vorstand unter allseitiger Zustimmung der Anwesenden, daß er es für eine Pflicht der Anstalt betrachte, sich an der Erziehung verwaister russischer Kinder, die bei den letzten Greueln ihrer Eltern beraubt worden sind, zu beteiligen. Es sollen sechs Kinder, vorzugsweise Mädchen, Aufnahme finden. Die Sitzung fand zum ersten Male in den schönen Räumen der Zion-Loge statt, die sich in hohem Grade für die Anstalt interessiert. Mixstadt. Am 3. d M. wurde in unserer Gemeinde Mixstadt die neuerbaute Synagoge unter zahlreicher Beteiligung eingeweiht. Nachdem im bisherigen Betlokale der übliche Nachmittagsgottesdienst abgehalten wurde, bewegte sich der Festzug, mit den Trägern der Thorarollen an der Spitze zur neuen Synagoge. Bor dieser angelangt, trug Fräulein Sternberg einen Prolog vor und überreichte dem Herrn Bürgermeister Cleve den Schlüssel zum Tempel. Hierauf sprach der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Sternberg, Worte des Dankes gegen Gott für die glückliche Vollendung des heiligen Werkes und gelobte für die Würdighaltung des Gotteshauses stets Sorge zu tragen. Als hierauf der Festzug die weitgeöffnete, hell erleuchtete Synagoge betrat, tönten ihm aus vielstimmigem Chore (geleitet von den Herren Kantor Schul itnb^y Lehrer Singermann-Schildberg) fromme Begrüßungsworte entgegen, die dann in feierlich au-geführte Lob- und Dankgesänge übergingen. Inzwischen hatten die Ehrenträger der Thorarollen vor dem Altar Aufstellung genommen, und nun zündete Herr Nabb. Dr Bamberger aus Schönlauke die ewige Lampe, als uraltes Symbol der Gotteslehre an und knüpfte daran Worte der Mahnung, das schwer errungene Werk auch in Ehren zu erhalten. Alsdann hielt unser Rabbiner, Herr Dr. Krausz-Schildberg die Festpredigt. Zu Ehren des Tages fand ein Festessen statt, an dem sowohl angesehene christliche Bürger der Stadt, sowie die Vorsteher aus Schildberg. Kobylagora, Grabo v und noch andere Fremde teilnahmen Bei Tisch wechselten ernste und heitere Reden ab, und die Festesfreude hielt die Gäste bis 4 Uhr morgens in froher Stimmung beisammen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die armen, unglücklichen Glaubensgenossen in Rußland mit einer Spendensammlung bedacht, deren Ergebnis ein tiefes Mitgefühl bekundete. Mannheim. Der hiesige Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, dem Antrag des Bürgerausschuffes, der zum Besten russischer Juden 3000 M. aus städtischen Mitteln bewilligen wollte, keine Folge zu geben. Mannheim. Vor der Strafkammer hatten sich der Handelsmann Sonnheim Kätzenstein aus Oberlissingen und der Kaufmann Judas Stein aus Ortenstein wegen Betruges zu verantworten. Die beiden hatten auf Grund raffiniert gefälschter Legitimationen >!! 4 ii i»

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