Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 24. (1905) · p. Seite 96

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 24. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492408-6582208-9735188--3465-9607134
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

96 Dr. Johann Prost. Die Sage vom ewigen Juden in der neueren deutschen Literatur. VI und 167 Seiten. Leipzig, Wigand 1905. Zwei zu gleicher Zeit erschienene Schriften über den ewigen Juden! Wie Faust, so hat auch Ahasver seit den ältesten Zeiten Schriftsteller und Dichter bewegt. Weder Faust noch Ahasver dürfen ״zum Augenblicke sagen: Verweile noch, Du bist so schön! ‘ Im ewigen Juden war es das Nichtsterbenkönnen, was zu allen Zeiten Grauen oder mitleidvolle Teilnahme hervorgerufen hat. Doch hat es lange gedauert, ehe die Welt von den stofflichen Empfindungen, welche die Sage hervorgerufen, sich losgemacht hat. Die Kirche selbst hat den Glauben an die Ahasversage befestigt, da sie in dem ewigen Wanderer einen noch lebenden Zeugen der Leidensgeschichte besaß. Dann kam die Zeit der Aufklärung und zugleich des Unglaubens. Vornehm wandte man sich von allem Volkstümlichen ab und fühlte sich weit erhaben über solche Wahngebilde. Diese Zeiten Anden wir nur in der Soergel’schen Schrift berücksichtigt; hier wird das Werden und Wandern der Sage bis auf Goethe mit verständnisvollem BLc' e verfolgt. Die Behandlung des Stoffes von Goethe ab und weiter haben beide Schriften mit einander gemeinsam. Hat nun Soergel auch die Aufgabe weiter gefaßt, so hat Prost wiederum den Vorteil für sich, die uns nahestehende Neuzeit ausgiebiger zu behandeln. In den Dichtern von ״Sturm und Drang* kehrt der VolksgAst zu sich selbst zurück und lernt die Schöpfungen des Mittelalters in ihren tiefen Beziehungen zum eigenen Volksleben schätzen. Da tritt mehr und mehr die Sinnbildlichkeit der Ahasver-age in ihr Recht. Die Todessehnsucht im Menschentum, die Ruhelosigkeit des Entwicklungstricbes, die verschiedenen Seiten des sich fortbewegenden geschichtlichen Lebens in seinem Verhältnis zu einem unsterblichen Zeugen derselben; die Kämpfe der Menschheit (und darunter auch besonders des Judentums) um Recht und Freiheit, der Mensch in seinem Sichausleben, im Lebensgenuß und in der Abkehr vom Leben — alle Seiten, welche in den Behandlungen des Ahasverstoffes hervortreten, kommen in vorliegenden beiden Schriften zu ihrem Rechte. Auch wer diesem Gegenstände bisher fern gestanden, wird die beiden Schriften mit Vergnügen und zu seinem Nutzen lesen. Er wird zu seinem Staunen aus der Soergel’schen Schrift ersehen, wie Sagen wandern und ihren Weg von Volk zu Volk nehmen. Und die Prost’sche Darlegung wird ihm die Schicksale der Ahasversage in der Neuzeit zeigen. Auch die das Judentum berührenden Seiten kommen zu ihrem Rechte. Der Freund der vergleichenden Literaturforschung wird am besten daran tun, beide Schriften zu lesen. Wer sich selbst gern im Dichten versucht, wird am Schlüsse bei Soergel erfahren, weshalb der Stoff nicht dichterisch befriedigend ver- ז arbeitet werden kann, während Pr ost die Möglichkeit offen läßt, ihn trotzdem zu etwas Großem und Ergreifendem zu gestalten. Aber es muß der berufene Dichter sein. Und wer, der jemals Verse zu machen versucht hat, weiß sicher, daß er es nicht ist? Also auch vom Standpunkte schaffender Schriftstellerei sind beide ft erke durch den Reichtum von dargestellten Stoffen sehr zu empfehlen. Predigtumrisse. וישב• — Chanukah. את אהי אנבי מבקש sagte Joseph; aber er fand seine Brüder als Fremde vor. Auch von uns erwarten unsere Brüder, daß sie uns Anden, wenn sie uns suchen. Jakobs Familie ist nicht ganz, wenn Joseph, Simon, Benjamin fehlen. Juda nu.ß Bürge sein für den angeklagten Benjamin, und wir alle müssen Bürge sein für einander. Hätte Mathethias sein Werk unternommen, wenn er nicht die Sache Aller zur seinigen gemacht hätte? הנוכח המובח — •מקץ heißt der Schlußtag des Chanuka. Wir feiern der Makkabäer Heldentaten nur deshalb, weil sie die Reinigung des Alters und nicht ihren eigenen Ruhm zum Zwecke ihres Ringens gemacht haben. Wer für seinen Ruhm kämpft, dessen Werk und Name vergeht. Die Lichter, welche jene Kämpfer angezündet, sind geblieben, weil sie das unentweihte Oel gesucht, gefunden und mit dem Anzünden der ewigen Lampe, des Sinnbildes der Thora, nicht gezögert haben. Winke für den Unterricht. 6) בחן־כו המעביר ויהירצון כו׳ (Vgi. später ברוךכו׳ המפיל bezgl. der Aehnlichkeit). Erster Morgengedanke: Befolgung der Thora, Vermeidung jedes Vergehens, jeder Versuchung, Unterdrückung der Leidenschaft, Erlangung der Gunst bei Gott und den Menschen. 7) יהירצון Gebet R. Jehuda Hanassis, vgl. Abot II! später nach der Teßlla, ähnlich dem vorigen, um vor Schamlosen vor Streitsüchtigen und vor Verführern (sowohl jüdischen als nichtjüdischen Glaubens) gewahrt zu werden. Fürchtete Rabbi verführerische EinAüs-e, um wie viel mehr haben wir uns zu wahren. 8) 'לעולם יהא בו bis יאמרה׳ Schema des R. Jehuda Hannassi genann*־, weil an שמע geknüpft,־ stammt aus Tana de be Elia. Wer Gott aufrichtig dient und kein Heuchler ist, wird den eigenen Edelsinn nicht aus sich selbst herleiten Menschliche Größe an sich selbst führt zu nichts Ewigem. Eroberer mit ihrer Weisheit, ihren Werken und ihrer Zer- Störungskraft sind vergangen; was unsere Stammväter voll Gottesfurcht und Menschenliebe begründet, die Religion, ist geblieben. Stolz sprechen wir darum das Schema! Was an uns Gutes ist, stammt daher. Gottes Vorweltlichkeit und Ewigkeit wird einst an uns und unserer Zukunft von allen Menschen erkannt werden, wenn das von den Propheten Verkündete eingetroffen sein wird. (רכון bis הכל הבל gehörte von jeher zum Neilagebet. Joma Schluß, vgl. später אהה נותן etc.) Aufbau u. Quellenscheidung Von Dp. L. A. Rosen 111 al Rabbiner zu Preußisch Stargard 1. Teil: Die Ordnung Seraim. Erste Hälfte: Von Berakhot bis Schebiit. - Preis 5 Mk. - lieber den Zusammenhang der Mischna, 2 Teile, ä 2,50 Mk. Von der Zunzstiftung und Königswarterstiftung unterstützt. Carl Trübner’s Verlag, Straßburg. Inhalt der Nummer 24. Wissenschaftliche Aufsätze: Monumenta Judaica. Prima Pars. Bibliotheka Targumica. Aramaia. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. — Einiges über Mischnaforschung. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal, Preußisch Stargard. (Fortsetzung) — Litteraturbericht. Recensionen: Dr. H. Brody und Dr. K. Albrecht. שער השיר• -Die neue hebräische Dichterschule der spanisch-arabischen Epoche. — Probefahrten, Erstlingsarbeiten aus dem deutschen Seminar in Leipzig. Von Albert Köster. — Dr. Johann Prost. Die Sage vom ewigen Jaden in der neueren deutschen Literatur. — Predigtumrisse. — Winke für den Unterricht. Diese Nummer enthält Titelblatt und Inhalt. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.