Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 50 (15.12.1905)
- Date
- 1905-12-15
- Page
- Seite 707 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 50 Israelitische Wochenschrift. Seite 707. Augen schließen sich. . . Für einen Augenblick hat es den Anschein, als ob der Alte umsinken müßte. Doch da — ein tiefes Atemholen, ein festes Umklammern der nächsten Stuhllehne — auf die sich der müde Körper mit Aufwendung aller Kräfte zu stützen sucht — ein nochmaliger tiefer Atemzug, — die Augen öffnen sich wieder. . . Ein wehmütiges Lächeln huscht über die alten Züge, für diesmal ist der Anfall glücklich überstanden. Wie oft hatte er sich schon vorgenommen, diese trüben Gedanken und Erinnerungen sich gewaltsam aus dem Kopfe zu schlagen. Das Geschehene als eine Fügung, eine Strafe Gottes hinzunehmen. Und die treuherzigen, gutgemeinten Ermahnungen seiner Schcheinim! Sie meinten, er habe etwas am Herzen, es bleibe stehen bei diesem vielen Klagen und Weinen. Er habe einen Herzfehler und müsse mit Gewalt zu vergessen suchen. Diese guten Schcheinim! In welch trefflichem Einvernehmen hat er mit ihnen in dieser ganzen langen Zeit gelebt. Wie schwer war ihm auch der Abschied von ihnen gefallen — als er gehen mußte. Er mar kein reicher Mann gewesen der alte Tauvie — der Tvie-Händler. Der karge Verdienst, den die paar Säcke Kartoffeln oder Getreide abwarfen, reichte gerade für die bescheidenen Erfordernisse des Haushalts hin. Er brauchte auch kein Geld der alte Tauvie. Selbst in alten Tagen verdiente er doch so viel, daß er die Seinen ernähren konnte. Und Reichtum? Den brauchte er eben so wenig. — Er hatte ja die Liebe und opferfreudige Hingebung der Seinen und die Achtung der Schcheinim! Diese guten Schcheinim! War er immer doch der erste, der seine Hilfe anbot, wenn es galt, ihnen aus der Verlegenheit zu helfen und wenn sie den Rat eines erfahrenen alten Mannes bedurften, war ihr erster Weg zu ihm. Da konnte er stundenlang mit ihnen sitzen und den Weg suchen, der sie am sichersten zum erstrebten Ziele führen würde. Nur die Leiden, die ihnen wiederfuhren, verheimlichten sie ihm oder ließen sie ihn viel, viel später erfahren. Denn er hatte ein viel zu weiches Gemüt, der alte Tauvie und ein Herz, das für jedermann schlug, für jeden sich erwärmte, fremdes Unglück mitfühlte, als wäre es das eigene, ein Herz, das so gut wie kein zweites und jetzt so krank und schwach war, so zum Auslöschen schwach. Und in diesem Zustande mußte er sein Heim verlassen. — Sein Heim! Hatte er denn überhaupt noch ein Heim? War denn jetzt noch eine Spur von dem vorhanden, was noch in den letzten Wochen das Familienglück seiner alten Tage ausmachte. War noch sein Weib da, um ihn trotz ihres Alters und ihrer Gebrechlichkeit wie eine Geliebte zu zärteln und zu pflegen? War sein Sohn noch, der mit Weib und Kind im selben Haus gewohnt hatte, um unzählige Male am Tage zu kommen, und ihm die Wünsche von den Lippen abzulesen? Konnte noch das geliebte Enkelkind auf die Kniee des Großvaters klettern, seinen grauen Bart krauen und die auswendig gelernten Gebete herplappern? (Schluß folgt.) 1WD Aelteste Thorner Wurstfabrik von Jacob Schachtel, Thorn. Referenz; Rabblnat e». 5eb. ftecbez Kfirschner-Meister Berlin N., Bartelstr. 2, v. 1 Tr. Anfertigung sämtlicher Herren- und Damen- Pelze sowie verschiedener Mützen, Muffep und Kragen. Reparaturen sämtl. Pelzwaren werden schnell u. biUig ausgef. die sich matt und elend fühlen, nervös und energielos sind, ist Sanatogen Kon mehr als 2000 Aersten aller Ander glan;end begutachtet. Zu hai>en in Apotheken und Drogerien. — Broschüre gratis und nw.-franko von Bauer & Cie., Berlin SW. 48. 1 ■ Fa—in * iMTIi ' i—i 1 Mk. I.—, 1.20, 1.40, 1.50, 1.60, 1.70, 180. 1,90, 2.— pro V2 Kilo. Käuflich in fast allen Geschäften der Konsumbranche und dtn eigenen Filialen dyr Firma A. Zuntz sei. Wwe. Probe-Ausschank: Lelpzigerstr. 83, Spittelmarkt 8—10 und Tauenzlenstr. 15. Dampf-Wäscherei „Monopol” Berlin N., Lothringerstr. 16. Altrenommierte Anstalt für den Privat-Hausbedarf. Referenzen erster hiesiger Haushalte zu Diensten. Fernsprecher: Amt III, 1865. XM© MLMGÜLA» Aufbau u. Quellenscheidung Von Dp. L. A. Rosenthal Rabbiner zu Preußisch Stargard 1. Teil: Die Ordnung Seraim. Erste Hälfte: Von Berakhot bis Scheblit. - Preis 5 Mk. - lieber den Zusammenhang der Mlschna, 2 Teile, k 2,50 Mk. Von der Zunzstiftung und Königswartersliftung unterstützt. Carl Trübner’s Verlag, Straßburg.