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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-11-17 · 46 (17.11.1905) · p. Seite 651

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
Seite 651 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 46. Israelitische Wochenschrift. Seite 661 „Laßt los, Buben," schrie er sie wild an, „oder ich hau Euch zusammen." Die Buben lachten der Drohung. Waren sie ja in überwiegender Mehrzahl. Doch Joszi Zigeuner verstand keinen Spaß. Er nahm die Eisenstange von der Schulter und hieb damit wild um sich. Die Burschen stoben schreiend auseinander. Doch einer war, von einem wuchtigen Hiebe getroffen, blutüberströmt zusammengebrochen. „Weh!" rief Joszi entsetzt aus, „das ist keiner unseres Gleichen, das ist ein Bojarenkind. Geschwind, Kleine, fort von hier, daß man uns nicht hier erwischt, es würde uns übel ergehen, dir, der Jüdin und mir, dem Zigeuner." „Aber der Verwundete," flehte Mirl, „können wir ihn so hilflos liegen lassen?" „Der geht uns nichts an. Wir müssen auf unsere Sicherheit bedacht sein." Schon hörten sie hinter sich das Geheul einer hundertköpfigen Menge, die sich näherte. „Fangt sie, die Juden- und Zigeunerblut, die Mörderbande," tönte es bis zu ihnen. Angesichts der drohenden Gefahr hatte Mirl endlich Mut gefunden, und sagte zu dem Zigeuner Joszi: „Geschwind in dieses Haus hinein, doch damit es niemand sieht, sonst sind wir auch dort nicht sicher." Joszi vertraute sich der Leitung seiner kleinen Führerin an, welche ihn durch ein verfallenes Eingangstor in einen fast dunklen Hofraumführte und ihm einen Platz in einer großen leeren Hundehütte anwies. „Da bleibe ruhig sitzen, bis ich dich abhole. Wenn keine Gefahr für dich ist, so befreie ich dich aus diesem engen Verstecke. Daß du es ja nicht früher verläßt, als bis ich es dir erlaube." „Und du, wohin gehst du?" „Ich gehe ins Haus hinein. Wenn ich die Kleider wechsle, erkennt mich niemand. Aber dich würden sie sofort erkennen, drum bleibe hier, ich will es so!" Das kleine, schwache Mädchen beherrschte so ganz mit ihrem Willen diesen fast erwachsenen Jungen voller ursprünglicher Kraft. Er, der noch niemandem gehorcht hatte, weder seinen Eltern und Lehrern, noch dem stammverwandten Meister, und sich lieber den größten Mißhandlungen und dem Hunger aussetzte, bevor er etwas getan hätte, wozu er keine rechte Lust hatte, er ließ sich von diesem kleinen Judenmädchen in die Hundehütte sperren und duckte seine langen Glieder gehorsam in dem kleinen Raume unter. Mirl schlich vorsichtig durch eine Hintertür ins Haus und trat in eine kleine Stube, deren einziges Fenster in den Hofraum ging, so daß man darin von den Vorgängen auf der Straße nichts hörte, ebensowenig als man von draußen gesehen werden konnte. „Muhme!" sagte sie im Eintreten, „ich komme mit leeren Händen. Nicht einmal den leeren Korb haben mir die Buben gelassen, die mich draußen überfallen haben." Dann erzählte sie der alten Tante, was ihr geschehen war, wie sie der Zigeunerbub vor den Mißhandlungen der sie verfolgenden Jungen gerettet hatte, es aber nicht vermochte, gleichfalls die Mundvorräte, die sie für die Tante eingekauft hatte, zu retten. „Was liegt daran," tröstete die Tante, „wenn nur dir nichts geschehen ist. Ich bin in meinem Leben schon um mehr gekommen, wenn du mir nur geblieben bist, mach ich mir nichts daraus." Das verdank ich nur dem Zigeuner, der die Buben mit der Eisenstange vertrieben hat. Aber einer hat's doch bekommen, den hat er verwundet, vielleicht gar getötet, und er sagt, daß es ein Bojarenkind wäre." „Schma Jisrael! Das gäbe ein Bilbul, das wäre ein Unglück für uns." „Warum für uns? Wir haben ihm ja nichts getan," entgegnete Mirl, „aber wenn man den jungen Zigeuner erwischt, dem möchte es schlecht ergehen, und er ist ja nur durch mich dazu gekommen." Mirl begann zu weinen und zu schluchzen. „Beruhige dich, Kind," tröstete die Alte, „die Zigeuner sind gewandt und schlau, vielleicht ist es ihm gelungen, sich in Sicherheit zu bringen, bevor er erwischt wird." (Fortsetzung folgt.) (KreuJ»«.r«) erliner Schneider - Akademie RUDOLF MAURER Berlin W., Friedrichstr. 65 a. Herrenu. Damen-Schneiderei. Hannover. Israelit. Töchter - Pensionat. Gründliche wissenschaftliche und häuSlicht Au-bildung. Beste Referenzen. Jenny Lehmann, Vorsteherin Rumannstrasse S. Hervorragendes Hochzeits- Geschenk Ausgabe illustrier» Mark Verlag Siegfried Eronölldi, KeckinK. Mm mm Mk. I.—, 1.20, 1.40, 150, 1.60, 1.70, 180! 90, 2.— pro l/2 Kdö. Käuflich in fast allen Geschäften der Konsumbranche und den eigenen Filialen der Firma Ä. Zuntz sei. Wwe. Probe-Ausschank: Leipzigerstr. 83, Spittelmarkt 8—10 und Tauenzienstr. 15. elend fühlen energielos nervös £ Zu haben in Apotheken und Drogerien. — Broschüre gratis und — franko von Bauer & Cie., Berlin SW. 48.

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