Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-11-17 · 46 (17.11.1905) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9606364-9607037--9690-9607040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zeitschrift für dir Gesilmtiiltereffeil des Zildeiltmiis. Webst dem WeibLütt: Jüdisches Littevaturblütt. Erscheint an jedem Freitag Redaktion und Verlag: Bezugspreis vierteljährlich: das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Werlin C., Woß-Straße 3 Deutschland u. Österreich-Ungarn 3.—Mk. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Telephon: Amt I, 5729. alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Unmmer 46. Kerltrr, 17. November 1905. 14. Jahrgang. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten wir an die Adresse Israelitische Wochenschrift _Berlin C., Rotz-Stras;e 3. Inhalt. Artikel: Fort mit der wissenschaftlichen Grenzsperre. — Die Judenmassakres in Rußland. — Renaissance-Menschen und Juden. Bon Kreisrabbiner Dr. Beermann-Insterburg. — Sodom und Amorah. Von Dr. B. Seligkowitz-Köthen. — Der Ritualmord bei den Talmud-Juden. — Ein historischer Fund. — Die Juden auf der skandinavischen Halbinsel. — Die Juden in Rumänien. — Antisemitismus in den Vereinigten Staaten. — Literarisches: Rabbiner Dr. Heppners jüdisch-literarischer Abreißkalender. — Politik: Internationales Komitee. — Die freisinnige Volkspartei in Eisenach. — Paris. — Newyork. — Eine jüdische Gemeinde in Uganda. — Wochenchronik. — Vakanzen. — Feuilleton: Reb Zigeuner. Von Babette Fried. — Inserate. Fort mit der ~ Krmfperrr! Der deutsche Kaiser und der Präsident der Union haben ff.n letzter Zeit gemeinsam den Austausch von Professoren veranlaßt. Die Antrittsvorlesung des Amerikaners Peabody hat der Kaiser selbst mit seiner Anwesenheit beehrt und dabei ist ein Schreiben Roosevelts über die Bedeutsamkeit des Unternehmens vorgelesen worden. Welche Huldigung ist damit der Wissenschaft als geistiger umfassender Macht zuteil geworden! Unter den Aeußerungen Peabodys hat eine uns ganz besondere Genugtuung verursacht. Er sagte: „Je mehr Wissen ein Volk einem andern mitteilt, desto unangefochtener wird seine Führerschaft. Industrien werden durch Zölle geschützt, durch Grenzen verteidigt, aber es gibt keine nationale Grenze für Wissenschaft oder Philosophie und keinen Schutzzoll auf Gedanken. In der Gelehrsamkeit heißt es: Wer sein Leben verliert, der wird es wiedergewinnen, und wer seine Gaben verbirgt, dem wird auch genommen, waser hat. Politische Gegenseitigkeit mag durch Jnteressenfragen und Klugheit gehemmt werden, aber akademische Gegenseitigkeit eilt von Kontinent zu Kontinent, wie ein Vogel ungehindert durch die freie Luft fliegt." Bedeutende und belebende Worte! Israel hat der Welt genug an Wissen geboten, hat, wo nur je die Fesseln ihm gelockert wurden, seine ganze Kraft stets dem allgemeinen Geistesleben gewidmet. Auf wie vielen Gebieten es sich auch bestätigt hat — seine eigenen Geistesschätze, Bibel und Talmud, standen ihm stets im Mittelpunkt. Und so oft dies der Fall war, hat man Blütezeiten auf allen Gebieten zu verzeichnen gehabt. Auf solcher Grundlage erhob sich das ewig bewundernswerte Geistesleben spanischer Denker und Dichter - Jbn Gannach und Gabirol, wie Juda Halevy, waren nicht unbedeutend in der wissenschaftlichen Umfassung dieser Hauptgebiete, die Saadia und Maimuni sind ohne sie nicht zu denken. Hatten wir einst auf unseren eigenen Gebieten die Führerschaft, so sind wir jetzt zu Schülern unserer Schüler geworden. Während in der christlichen Forscherwelt der Bibel ein immer weniger jüdisches Gewand angezogen wird und der Talmud seit einiger Zeit dazu auch herhalten muß (bald werden uns auch darin christliche Forscher über sein), begnügen wir uns damit, uns im besten Fall zu verteidigen (unter Benutzung vorhandener wissenschaftlicher Ergebnisse), aber über dieses Ziel kommen wir bei Heranziehung dieser Hauptfächer nicht hinaus. Von einem gedanklich-schöpferischen Arbeiten in diesen Mittelpunkten unseres Geisteslebens ist nicht viel zu spüren. Es sind immer dieselben Namen, die wahrhaft Großes leisten; doch sie machen keine Schule. Schöpferisches Arbeiten ist aber die gedanklich neue Beleuchtung der Wissensmittelpunkte unter gewissenhafter Benutzung der vorhandenen Hilfsmittel, deren Herbeischaffung immer nur Mittel zu jenem Zweck sein kann. Sprachliche und geschichtliche Arbeiten haben ihre Berechtigung und üben ihre belebende Wirkung nur, wenn die in der Mitte liegende Hauptsache ihre gedankliche Förderung findet. Diese darf nie auf später, auf bessere Zeiten verschoben werden; die Nebenarbeiten dürfen sich nicht in einer Breite hervortun, daß die Kärrnerarbeit die Hauptsache zur Nebensache macht. Die bloßen Vorbereitungen dessen, was da kommen soll, nehmen oft einen so ungeheuren Raum ein, daß die Sache selbst, die dadurch belebt werden soll, erstickt wird, daß für ihre Schätzung kein Raum übrig bleibt. Dadurch wird die ganze Sache auf den Kopf gestellt: die geringste Lesart, selbst wenn sie für die Beleuchtung des Gegenstandes selbst nicht den mindesten Wert hat, wird mit andächtigen Blicken betrachtet, wogegen man den neuen Gedanken, der sich nicht dem Ueblichen und Herkömmlichen fügt, als einen ungezogenen Eindringling betrachtet. Und unbequem ist er in der Tat. Er stört die in den Sand gezeichneten Kreise, droht sie durch einen frischen Windhauch fortzunehmen, und das sollte man sich gefallen lassen? f 18362038

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.