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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 21. (1905) · p. Seite 84

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 21. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 zehn Gebote und das Schema im Ganzen ursprünglich verstanden hat. Die Niederschrift der Schriftstellen ist nacli dem Gedachtnis gemacht worden, was bei Einzelblättern erlaubt war Eine Liniierung ist nämlioh auch nicht zu bemerken. Da konnten beide Fassungen der zehn Gebote im Exodus und Dent. zusammenfließen, wie es hier im vierten und zehnten Gebote geschehen ist und noch außerdem in Einzelheiten. Die Übereinstimmung mit der Septuaginta in der Reihenfolge des 6 , 7. und 8 Gebotes, beim וביו□ השביעי יושרך וחמן־ך im 4. Gebote, dem ייטב לך im 5• Gebote scheint zumeist auf einer Verquickung beider Zehngebotsfassungen der Thora zu beruhen, wie עדשוא und die Fassung des zehnten Gebotes überhaupt beweist. Hieraus würde sich ergeben, daß vielleicht die Septuagintafassungen sich nach Verquickungen richteten, die zum Zwecke des Gebetes oder Unterrichtes, um alle starken Züge zusammen zu haben, mit Doppeltexten halb unbewußt vorgenommen wurden. Man besaß auch unter den Hellenisten hebräische Texte, die sich mit nach und nach, zumal man nicht sehr sorgfältig schrieb (man nehme die Lesemutter in ילןא dann בה statt שמה ׳בו statt שמו) nach der Septuaginta richteten; die Uebereinstimmung zwischen dem Samaritaner un 1 der Septuaginta scheint uns aus dem Gegensätze gegen das palästinensische Judentum hervorgegangen zu sein. Nach Peters hat sowohl der Grieche, wie uns^r Papyrus einen besseren Text, als der massorc-thisclie ist. Weshalb aber von Burkitts Meinung abgehen, die MT als ursprünglieber ansieht? Unsere obigen Bemerkungen rechtfertigen schon diese Ansicht. Peters ist sehr genau und gewissenhaft zu Werke gegangen, meines Erachtens nach zu gewissenhaft. Daß die Lesemütter im Papyrus häufiger stehen, als im MT (nur קנוא statt קנא ist merkwürdig, aber durch gedächtnismäßiges Schreiben zu erklären, שמה nnd ähnl. statt שמן vielleicht durch den Einfluß des Syrischen, ohne daß man an den Mesastein zu denken, braucht), wmrde zur Erleichterung des Lesens beim Unterricht dienen können. Das Fehlen der großen ע und ך unterscheidet die zu sonstigem Gebrauche hergestellten Blätter von den zur SynagogenVorlesung bestimmten Rollen. □מבית עברי hat gemäß nicht gefehlt und hätte zur Not zwischen die Zeilen geklemmt werden können (חולין)• Hier einen Textzeugen für על שלשים zu suchen, war überffüssig. Daß beim 4. Gebote באשר ציך ה׳ אלהיך fehlt, beweist, daß nur nachdrucksvolle Züge aus dem Deut.-text. bei solchen Verquickungen hineinflossen. וביום statt ויום nnd die Hinzufügung des בן im 4. Gebote kommt auf Rechnung des Septuagintaeinflusses, ist aber sicherlich als Wucherung beim einfacheren Wortlaute des MT zu betrachten. Schon diese Beispiele beweisen, daß es zu weit gegriffen wäre, gerade wenn man bei Zügen wie לא תנאף לא תרצח לא תגנב den Einfluß der Septuaginta auf den hebräisch betenden Hellenisten zugibt, von hier aus auf den ursprünglichen Text und seine Einzelheiten zu schließen. Daß die Juden mit ihren Texten willkürlich verfahren sein sollen, ist ein von Peters auch nachgesprochener Grundsatz, dom aber unzählige Zeugnisse des rabbinischen Schrifttums widersprechen Darum wird die Annähme eines ägyptischen Pentateuchtextes (wie es ja auch einen samaritanischen gibt) un3 zugleich zeigen,'daß derselbe dem MT gegenüber der reichere ist, also zahlreiche Wucherungen angesetzt hat. Daß hierdurch der Wert der Septuaginta steigt, wird schwer zuzugeben sein, wenn man bedenkt, daß der einfachere und kürzere Text zumeist für den ursprüngliehen gehalten wird. Gerade durch diesen Papyrus wird dargetan, daß der gottesdienstliche Brauch auf die Septuaginta zurückgewirkt hat. Weshalb unterscheidet sich das griechische Esterbuch so sehr von dem hebräischen? Weil man in Aegypten die targumistischen Bereicherungen nicht sorgfältig vom Urtexte schied. Das muß Peters selbst fühlen, wenn er dem Papyrus nur ״einen relativen Wert“ zuspricht; aber er will diesen doch für ״relativ besser als MT“ erklären. Nach den von uns oben angegebenen Beispielen ist das ein Fehlschuß. Außerdem möchte ich לאלפים nnd תעבדם für nichtglückliche Wortbildungen erklären. - Peters hat sich durch seine eingehende Behandlung dieses Papyrus und durch Kennzeichnung seiner Bedeutung für textliehe Fragen ein großes Verdienst erworben. Daß wir anders denken als er, mindert den Wert der Arbeit nicht im geringsten herab. Man ehrt einen Verfasser, wenn man ihn liest, auch wenn man ihn bestreitet; man beleidigt ihn, wenn man ihn durch ein unbegründetes Lob ungelesen abtut. Wer uns Erörterungsstoff liefert, der tut uns wohl und belebt uns. In diesem Sinne sei das vorliegende Buch bestens empfohlen; es wird in seiner Gründlichkeit jedem etwas bringen, und am meisten dadurch, daß es ihn zum Mitdenken veranlaßt. Dr. L. A. Rosenthal. Predigtumrisse. לך לך (Haftharah) הן יבושו בו׳• wie kämpfen wir am besten für das Judentum? Wenn unsere Gegner durch unsere sittliche Haltung beschämt werden, wenn sie in der Absicht, uns zu schänden, gezwungen sind, uns ein Ehrenzeugnis zu geben, und so zu nichts werden und verschwinden, da sie das nicht wollen. Es muß so weit kommen, daß wir, in der Absicht, uns zu verteidigen, sie suchen und sie nicht finden, da sie, sich sittlich in jeder Beziehung im Nachteil befindend, verschwunden sind. Dann sind wir der göttlichen Forderungen würdig und das Zeitalter ist ein wahrhaft erleuchtetes. וירא Elisa, Gehasi und der tote Knabe. — WTer die für die Religion erstorbene Jugend beleben will, der darf nicht die Eltern fortstoßen, wie es Gehasi mit der Sunamitin getan, er darf auf seinem Wege sich nicht mit allen Nebendingen auf halten und sich nicht leicht beruhigen mit dem Gedanken, es sei nichts zu beleben. Er muß, wie Elisa, sein eigenes Selbst mit dem des Kindes in Verbindung bringen, dann wird es warm werden und seine Augen öffnen der Belehrung. Und die Eltern werden dadurch ihre Kinder wiedergewinnen, die ihnen zu entwachsen drehen, und der Lehrer wird erst der Mutter, wie Elisa, zurufen können: Nimm deinen Sohn, nun gehört er dir wahrlich! Bemerkung. In der Besprechung der Kitttdschen Biblia Hebraica (Hiurichs, Leipzig) in voriger Nummer haben wir die Lesart יניחנו statt ינחמנו (nach der Septuaginta) behandelt und dem MT gemäß entschieden. In Bereschith Rabbah 25 sagen Simon ben Lakisch und Jochanan לא השם הוא המדרש ולא המדרש הוא השם ולא היה צריך קרא לומר אלא או נח וה יניחנו אוי נחמןוה ינחמנו Sie haben also den Widerspruch zwischen נח und ינחמנו gekannt und vielleicht auch die Lesart der Septuaginta. Raschi zu 529 sagt יוה ינחמנו ינח ממנן also יינח מנו ,wodurch das Wort, wie מוה בירך oder בגד in zwei Teile zerlegt wird. So paßt die Deutung auf den Namen Noah und das Wortspiel mit dem Begriff des Trösters geht nicht verloren. In solchen Zügen, im empfindungsvollen Durchdringen, im Hervorkehren der Feinheiten, ist Raschi von niemandem übertroffen werden. Er geht den Schwierigkeiten nicht aus dem Wege, aber er beseitigt sie auch nicht gewaltsam um jeden Preis. _ Briefkasten. R. in T. Sie erfreuen mich sehr mit Ihrer Teilnahme für meine Mischnaforschungen. Bitte um den versproc enon B eitrag. Inhalt der Nummer 21. Wissenschaftliche Aufsätze: Einiges über Misehnaforschung. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal, Preußisch Stargard. (Fortsetzung.) — Zur Geschichte der Juden in Norden (Ostfriesland). Von Dr. Lewinski. — Literaturbericht: Rezensionen: Dr. Norbert Peters: Die älteste Abschrift der zehn Gebote, der Papyrus Nash. — Predigtumrisse. _Bemerkung._ Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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