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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 19. (1905) · p. Seite 76

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 19. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 worfenen Frage: ״Weiß einer unserer Leser etwas von ihm?“ will ich näher treten und dieselbe kurz zu beantworten suchen, indem ich dabei den Artikel ״Caro, Joseph Haygim b Isaac Selig“ in The Jew. Eneyclop. III, 588 f.“ (verfaßt von Peter Wiernik in New York) und die Angaben Lewinä in seiner Schrift ״Aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde zu Pinne“ (Pinne, 1903) S. 16 f. zugrunde lege. Josef Heimann (Chajim) Caro wurde in Sluszewo (Russ - Polen) 1800* 2) geboren. Seine Familie führte ihren Stamm* bäum bis zu R. Josef Kara (Caro) und R. Nechunja b. Hakana zurück.3) Sein Vater, Isak Selig Caro, bekleidete das Amt eines Dajjan (Rabbinatsassessor) in Schebs und Sluszewo. Nachdem der junge Josef Heimann, der eine ausgezeichnete talmudische Ausbildung genossen, die Tochter des R. Zebi Hirsch Amsterdam zu Konin (Gouvernement Kalisch), dessen Schüler er war, geheiratet hatte, ließ er sich in Gnesen nieder, wo er eine Essigfabrik besaß. Im Alter von 40 Jahren wurde er nach Pinne zur Uebernahme des dortigen Rabbinats, das durch Uebersiedelung des bisherigen Inhabers, R. Arje Loehusch (Lewin) Landsberg, nach Zülz4) frei geworden war, berufen. Als Monatsgehalt bezog er anfangs 12!/2 Th’., später erhielt er jedoch 6 Tlr. wöchentlich. In Pinne verfaßte er die noch heute gütigen Statuten der Chewra Kadisch 1. Lewin berichtet auch, daß auf Caros Betreiben im Revolutionsjahre 1848 die Stadt Pinne Aufnahme in den deutschen Bund und Einverleibung in den Birnbaumer Kreis begehrte. Anfarg d״r 50er Jahre (1851 oder 1852) folgte Caro einem Rufe als Rabbiner nach Fordon, und von dort ging er nach 20jähriger Wirksamkeit nach Wloclawek (Gouvernement Warschau). In dieser bedeutenden Grenzgemeinde amtierte er als geistlicher Führer bis zu seinem am 21. April 18955) erfolgten Tode. Caro ließ 1847 in Krotoschin das Werk מנחת שבת er־ scheinen, das einen trefflichen Kommentar (hebr. und deutsch zu den Sprüchen der Väter enthält; 1879 erschien es in Petrikau in 2. Auflage und 1891 in Wilna in 3. Auflage.6) Außerdem verfaßte er ein Schlachtritualwerk in katechetischer Form, betitelt יטבוח והכן Leipzig 1859, von seinen Söhnen Isac und Jacob veröffentlicht, in 2 Auflage in Wilna, 18947) erschienen, sowie Vorträge halachiseh ־ exegetischen Inhalts, nach den Wochenabschnitten der Thora geordnet, unter dem Titel קול אומר קרא, in 4 Bänden, Warschau 1860—1880, 2. Ausgäbe Wilna, 18958) und eine Predigtsammlung יורה ומלקוש, Wilna 1894. . 1 Auch im Jahrbuche יחאסיף IV, 132—137, Warschau, 1887 ist ein Aufsatz von Caro, יבי׳כת הצדוקים vorhanden, wie wir auch in der Schrift שיבת ציון zwei von ihm verfaßten Briefen betreffs der Colonisation Palästinas begegnen. Von seinen Söhnen seien genannt: Dr Jecheskel (EzeMel) Caro (jetzt in Lamberg, geb. 26. November 18449) in Pinne, vgl. über ihn The Jew. Encycl. III, S. 582) und sein älterer Bruder Dr. Jacob Caro (Professor der Geschichte an der Breslauer Universität, geb. in Gnesen am 2. Februar 183610), vgl. über ihn The Jew Encycl. III, S. 583). *) Daselbst wird unter ״Bibliographie“ auf Achiasaf, 5655, hingewiesen. 2) Lewin a. a. O. verzeichnet nicht das Geburtsjahr, während in der Jew. Encycl. der Geburtsort fehlt. 3) Der Familienstammbaum ist, wie Lewina.a O. Anmkg.**) angibt, im יאיל המלןאים Krotoschin 1845, enthalten. 4) Lewin, a. a. O S. 15 f. 5) Lewin a. a. O. S. 17 berichtet nur, daß er ״im Anfänge der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts“ starb. Deutsch in ״Memorable Dates“ (im ״Hebrew Union College Annal“, Cincinnati, 1904), S. 328 verzeichnet 20״. April“ als Todestag. 6) Lewin, a. a. O. S. 16, erwähnt nur die 1 und 2. Aulage. 7) Lewin a. a. O. verzeichnet nicht das Druckjahr (1894) der 2. Auflage. 8) Lewin kennt nur die Ausgabe ״Warschau, 1876—1879.“ 9) Lewin a. a. O. S. 22 kennt nicht das Geburtsdatum, sondern erwähnt nur, daß Dr. Jecheskel Caro in Pinne am Anfang der vierziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts geboren wurde. J0) Bei Lewin a. a. O. ist nur der Geburtsort angegeben, ohne Nennung des Geburtsdatums. Auch Deutsch a. a. O. S. 303 verzeichnet letzteres. Kempen i. P., 23. Oktober. Werter Herr Kollege! Es macht mir Vergnügen, Ihre Frage über Rabbiner Caro- Pinne beantworten zu können. Ueber Handschi iften und ältere Ausgaben der 0"א spricht er im Vorwort nicht. Näheres über ihn finden Sie in meiner Schrift ״Aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Pinne“ S 16 f, Jewish Encyclopedia III 588, בנין ציון No. 168, נחלת אב׳ Wilna 1894, S. 51, תול' שלמי Lemberg 1888, S. 79, 81 f, Heppner-Herzberg Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden des Posener Landes, S. 242. Mit kollegialem Gruße Ergebenst Dr. Lewin, Rabbiner, Pinne. Predigtumrisse. Versöhnungstag: והתוודה ©tc. Weshalb unsere ןרךיךי gemeinsam gebetet wird und Sünden enthält, die der Einzelne nie begangen? Die Gesellschaft ist verantwortlich für ihr Zeitalter, zumal für ein Zeitalter der Bildung. Wie die Thora als Heilmittel gilt, so ist allgemein die religiös-sittliche Be* lehrung ein Heilmittel der Menschheit und sie darf Niemandem vorentbalten werden. Also: Mehr echte und weniger falsche Bildung! Wohltätigkeit ist ein Heilmittel für alle Vergehen! Denn der Mangel, die schlechte Weltstellung, die Unzufriedenheit mit dem düsteren reizlosen Heim bringt viele Uebel hervor. Der Gottesdienst, der gemeinsame führt zu Gott. So das Gefühl menschlicher Gemeinsamkeit, vereint vor Gott zu stehen; das Gegenteil ist Selbstsucht. Also Thora, Gottesdienst in rechtem Sinne, Wohltätigkeit! Wer sich selbst bessert, bessert Alle. Denke man beim Bekenntnis an sich und die Menschheit, wie der Hohepriester für sich, sein Haus und alle Andern das Bekenntnis sprach. Laubhüttenfest! Hütteder Stamm väter,Familie,Grundläge aller Dinge. Wandelndes Zelt der Wüste, Religion geleite uns als Friedenszelt überallhin.—TempelinJerusalem, ein Mittelpunkt des Strebens und Friedens für Alle. Ziel der Wallfahrt unseres Daseins, bis einst alle Völker das Laubhüttenfest des Friedens und der Gotteseinheit feiern. (Hafthara des 1. Tages.) _ Winke für den Unterricht. 4. אלהיכו׳ entweder an אשר יצר (No. 2) zu fügen (Beziehung des Körpers zum Geiste), nach aschkenasischem Brauche; oder an das Vorausgehende (die Thora vervollkommnet die Seele) nach ostdeutschem Ritus. 0*6 נשמה• Möge die Seele, die uns Gott täglich von Neuem schenkt, bei ihrer Fortentwicklung im Leben die ursprüngliche Reinheit bewahren, um rein zu Gott einst zurückzukehren. ולהחזירה etc. (Vgl. den 13. Glaubensartikel Mainconides.) כל זמן etc. erhalten wir dankbar unser Leben und werfen es nicht von uns. (Vgl. ברוך שאמר)• 5. ליעף כה bis ברוך בו׳ לשבוי בינה• Gott weckt uns morgens, daß wir uns als Juden fühlen (uns nicht des Glaubens schämen), daß wir als freie Menschen in den Schranken unseres Geschlechts bleiben. Danken wir Gott für Gesuudheit und tägliche Bedürfnisse, für seine weise Vorsehung und für die Kraft und Hoheit, die aus der Religion kommt. Inhalt der Nummer 19. Wissenschaftliche Aufsätze: Einiges über Mischnaforschung. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal, Preußisch Stargard (Fortsetzung.) — Philipp der Großmütige und die Juden. Von L. Horwitz-Kassel. (Schluß.) — Der Urahn unserer mischnischen Quellenforschung. Von Dr. Lewinsky. — Predigtumrisse. — Winke für den Unterricht. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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