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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-09-29 · 39 (29.9.1905) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
39 (29.9.1905)
Date
1905-09-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Zeitschrift für die Gesiimtiiltereffe» -es Iiidriililnis. Webst dem Weiblbtt : Jüdisches Littevcrtuvbtcrtt. Erscheint an jedem Freitag Redaktion und Verlag: Bezugspreis vierteljährlich: das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal, l Werkin 0., WoA-SiraAe 3 Deutschtand u. ^sterreich-iingarn 3. Mk. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Telephon: Amt I, 6729. alle anderen Länder 3 oO Rkk. * Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Kummer 39. Kerlin, 29. Seplemver 1905. 14. Jahrgang. N)ir bitten die geehrten Post - Abonnenten das Abonnement auf das I V. (Himrtai bei ihrem Postamt gest. sofort zu erneuern. Die Abonnenten, die die Zeitschrift direkt beziehen, erhalten sie fortlaufend zugesandt. Kerlin, Ende September (9OÖ. Verlag Oer jsraclitisclKn Wochenschrift. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten wir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin C.f Ros;-Ltras;e 3. Inhalt. Artikel: Zum Neujahrsfest. Von Dr. B. Selig ko witz-Köthen. — Der rechte Zeitgeist. Von Kreisrabbiner Dr. Beermanns Insterburg. — Hinter den Kulissen des Zionistenkongresses. — Die New-Porker Bankiers und Herr Witte. — Plehwes Geist. — Ein großer rumänischer Jude über den größten Juden aus Rumänien, Prof. S.SchechterüberIsrael Baalschem. Von Rabbiner Dr. I. Niemirower-Jassy. — Das Neujahrsgebet. — Das häusliche und gesellschaftliche Leben der alten Hebräer. (Fortsetzung.) — Ein Gesellschaftsabend. (Schluß.) — Gedanken und Aussprüche berühmter Männer über Juden und Judentum. — Wochenchronik. — Inserate. Zum llkiljahrsftß. Von Dr. B. Seligkowist-Köthen. Das jüdische Neujahr hat. wie bekannt, bloß einen religiösen Charakter, und die jüdische Zeitrechnung hat aufgehört, ein Zeitmaß für das bürgerliche, gesellschaftliche und geschäftliche Leben zu sein. Die jüdische Zeitrechnung hat ihre Bedeutung für das werktätige Leben, für Handel und Gewerbe, für die Beziehungen zum Staat und für die-Erfüllung bürgerlicher Pflichten längst verloren und es gibt bereits eine große Anzahl von Juden, denen die hebräischen Monate und der jüdische Kalender überhaupt fremd sind. Die doppelte Zeitrechnung, von denen die eine das religiöse Leben und die andere das bürgerliche beherrscht, reflektiert deutlich die Doppelstellung der Juden in der menschlichen Gesellschaft. Treu ist der Jude seinem uralten, welthistorischen Bekenntnis, das ihn auf eine glorreiche und ruhmvolle Vergangenheit hinweist und ihm einen hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft verleiht. Er feiert die vom Judentum sanktionierten Festtage, die ihn an das Vertrauen auf die herrschende und siegende Gerechtigkeit in der Völkergeschichte erinnern und ihn auffordern, mit sich selbst ins Gericht zu gehen, sein Herz in einen Altar zu verwandeln und sein eigener Priester zu sein. Der Jude nimmt eine Sonderstellung im bürgerlichen Leben und in staatlicher Beziehung für sich in Anspruch und bleibt frei von allen partikularistischen und nationalistischen Bestrebungen. Nichts ist so wie gerade das Judentum berufen, seinen Bekennern einen Geist und ein Her^ zu geben, denen auf dem weiten Erdenrunde nichts fremd ist, die für jedes menschliche Leid und jedes menschliche Heil stets die wärmste Teilnahme betätigen und deren Kraft eben in dem Bewußtsein liegt, daß alle Menschen mit ihnen einem Gottesreich entgegen wollen, in dem die Wahrheit und die Liebe, das Recht und die Heiligkeit überall wohnen werden. Gerade das Judentum ist es ja, das nicht spricht: „Außer mir ist kein Heil!" Gerade das wegen seines vermeintlichen Partikularismus verschrieene Judentum lehrt: die Wackersten aller Völker wandeln dem seligsten Ziel entgegen. Gerade die wegen ihres vermeintlichen Partikularismus verschrieenen Rabbinen weisen auf die Verkündigungen des herrlichen Menschenmorgens im Munde der Propheten und Sänger hin; und in den dunkelsten Zeiten, während der wahnergriffene Pöbel die jüdischen Gotteshäuser zerstörte, die jüdischen Lehrbücher zerriß, trat der verfolgte und der verhöhnte Jude früh und spät vor seinen Gott hin und tröstete sich mit dem Hinausblick auf die Zeit, wo auch dieser Wahn verflogen und bei Name des einig-einzigen Gottes das Recht, die Wahrheit und den Frieden in jede Menschenbrust gesenkt haben werde. In unseren Neujahrsgebeten ist auch der Punkt getroffen, auf den es ankommt. Den Mittelpunkt des Gebets bildet die Bitte: „es möge die Gotteskenntnis allgemein werden, es möge die Menschenfamilie sich einen in der einen und der höchsten Erkenntnis, daß nur einer die Macht hat und nur einer die Leitung. Und im Zusammenhänge damit wird um das Hervorblühen der Gerechtigkeit gebeten und um das Schwinden der Bosheit, „um ihr Hinschwinden gleich dem Rauch." Man lese dieses Gebet und wage es noch, das Judentum der Engherzigkeit zu zeihen! Das Judentum als partikularistische Religion auszugeben!

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