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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-09-22 · 38 (22.9.1905) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
38 (22.9.1905)
Date
1905-09-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Zeitschrift für die Gesmtiilteresskil des Judentums. Webst dem WeibLatt: Jüdisches Littevcrtuvbtcrtt. Erscheint an jedem Freitag das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Redaktion und Verlag: Werlin C., Woß-Straße 3 Telephon: Amt I, 5729. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Österreich-Ungarn 3.— Mk. alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Uirrnrner 38. Kerlin, 22. September 1905. 14. Jahrgang. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten mir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin C., Rotz-Straffe 3. Die heutige Nummer enthält das Jüdische Litteraturblatt Nr. 18. Inhalt. Artikel: Der Zionismus in der Mauserung. — Die Pensions¬ und Reliktenkasse der deutschen Rabbiner. — Das häusliche und gesellschaftliche Leben der alten Hebräer. (Fortsetzung.) — Gedanken und Aussprüche berühmter Männer über Juden und Judentum. — Ein Gesellschaftsabend. — Nachklänge zum 700 jährigen Todestage des Maimonides, Todesgedanken. — Wochenchronik. — Feuilleton: Die Macht der Liebe. Von Babette Fried. Fortsetzung.) — Inserate. ver Zionismus in der Mauserung. Bereits auf dem letzten Kongreß hat Zangwill, der gefeierte englische Dichter und bekannte Ziomstenführer, mit großem Nachdruck den Standpunkt vertreten, daß es eine zwingende Notwendigkeit für die Gesamtjudenheit sei, angesichts der wachsenden Judennot das Angebot der englischen Regierung betreffs Gründung eines jüdischen Gemeinwesens unterbritischer Oberhoheit prinzipiell anzunehmen und neue Verhandlungen mit der englischen Regierung anzuknüpfen, um ein materiell geeigneteres Landangebot zu erzielen. Wie bekannt, lehnte der Zionistenkongreß diesen Standpunkt prinzipiell ab. Die Sezession der Territorialisten war die Folge. Zur Erreichung seines Zieles hatte sich nun Zangwill nach Deutschland begeben, und hier ist es ihm gelungen, die maßgebensten jüdischen Kreise, speziell der Gemeinden Aranksurt a. M. und Wertin, für seine Idee zu gewinnen. Schon in allernächster Zeit werden einige dieser von allen deutschen Juden hochverehrten Männer Gelegenheit nehmen, öffentlich ihrer Sympathie für die Zangwillschen Bestrebungen Ausdruck zu geben. Wir werden noch Gelegenheit nehmen, auf diese Verhandlungen speziell zurückzukommen. Inzwischen gelangt ein Briefwechsel Zangwills mit Lucien Wolff, dem hervorragenden Publizisten und Zionistengegner in London in die Oeffentlichkeit, der nicht verfehlen wird, in allen jüdischen Kreisen das größte Aufsehen zu erregen, zumal in diesem die Endziele Zangwills, die Art, wie ec diese zu erreichen hofft, und die innere Ausgestaltung, die er der künftigen autonomen Kolonie zu geben gedenkt, zur orientierenden Darstellung gelangten. Ohne zunächst in eine Besprechung dieser einzutreten, seien die beiden Briefe in Uebertragung aus dem englischen Original mitgeteilt: Hotel Gibbon, Lausanne, 1. September 1905. Mein lieber Zangwill! Ich habe eingehend über unsere Besprechungen in Gießbach nachgedacht, und es freut mich, sagen zu können, daß ich zu dem Schluß gekommen bin, daß unsere Ansichten genügend übereinstimmen, um die Möglichkeit eines Zusammenarbeitens mit Ihnen in der Jüdisch-Territorial-Organisalion herzlichst willkommen zu heißen. Ich habe meine öffentlich über den Zionismus geäußerten Ansichten nicht im geringsten modifiziert, doch kommen diese, soweit ich sehe, bei dem jetzt von Ihnen geplanten Werk nicht in Betracht. Als ein Zionist hoffen und glauben Sie ohne Zweifel, daß eine autonome jüdische Kolonie auf der von uns besprochenen Basis eventuell zur Etablierung eines unabhängigen jüdischen Staats in Palästina führen kann. Ich würde eine solche Hoffnung, auch wenn ich sie für ausführbar hielte, nicht hegen, denn ich habe noch immer die Ueberzeugung, daß wir Juden dem uninationalen Stadium unserer Geschichte entwachsen sind, und daß wir weit größere Bestimmungen in unserer Zerstreuung zu erfüllen haben. Auch halte ich es nicht für ausführbar, denn ich sehe keine Aussichten auf Erfüllung in den Tendenzen europäischer Politik und der politischen Lage in Klein-Asien. Möglich ist natürlich, daß Sie im Recht sind und ich im Unrecht bin, aber ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen, wenn wir inzwischen durch Ihr Projekt in wirksamer Weise etwas zur Lösung des Problems, das uns in der Unterdrückung unserer Glaubensgenossen in Rußland und anderen reaktionären Staaten entgegentritt, beisteuern können. Ich sage, „in wirksamer Weise etwas beisteuern". Hiermit meine ich nicht, daß die jüdische Frage in Rußland durch Auswanderung zu lösen ist. Die Zukunft der russischen Juden liegt, wie diese es auch selbst erkannt haben, in Rußland selbst, und ich bin nicht geneigt, irgend etwas zu unternehmen, sie in einer Ueberzeugung zu schwächen, an welcher Sie jetzt mit so viel Heroismus festhalten, welche bereits so viel für ihre sittliche Rehabilitierung getan hat und in so hohem Maße auf die Befreiung des ganzen russischen Volkes hinstrebt Es handelt sich jedoch im jüdischen Ansiedlungsrayon sowohl um ein soziales, wie um ein politisches Problem in Rußland, und hier sind Auswanderung und Kolonisation wirksame Mittel. Sie sind bestrebt, diese Mittel in einer neuen Form und im großen Maßstabe anzuwenden, indem Sie das Angebot von Land in Ostafrika seitens der Regierung Seiner

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