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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-09-15 · 37 (15.9.1905) · p. Seite 516

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
Seite 516 (sequence 8)
Language
German
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Seite 516 Israelitische Wochenschrift. Nr. 37. Mit Stolz macht der einheimische Jude das geltend. Wo Englands Fahne weht, da ist Leben und Freiheit. Und so blickt man trotz der Fremdenbill mutig in die Zukunft. Wollen Sie ein kleines, anmutiges Bild aus der Portugiesischen Gemeinde? Sie sollen sehen, daß die spanischen Hidalgos auch nicht ungemütlich sind. Die spanische und portugiesische Gemeinde in Manchester hatte das Vergnügen, ihren früheren Prediger Rev. Dr. Pereira Mendez (wie das nach Grätz'schen Geschichtsbänden klingt!) bei sich zu sehen. Er kam von New-Pork herüber, wo er der Schearith Jsraelgemeinde jetzt angehört. Er mußte am Sabbat vor großem Hörerkreise predigen. Dabei blieb es nicht ohne Rückblick in seine frühere Amtstätigkeit. Sonntag Abend in den Logenräumen des Viktoria-Hotel große Festlichkeit zu Ehren des Gastes. Eine Reihe glänzender Redner feierten das Ereignis — Sängerinnen gaben ihr Bestes. Eine Prüfung der Talmud Thora ließ sich der Gast während seines Aufenthalts auch nicht nehmen. Das Gemeindeleben hat hier einen großen Anstrich — aber es fehlt dabei das Idyll nicht, wenn auch der Hintergrund des Stimmungsbildes New-Aork-Manchester etwas groß ist. Feiert Deutschland die Rabbinen auch so? Sie rufen mich zur Ordnung und mahnen mich an mein Unwohlsein, ich möchte mich und Ihre Leser schonen. Ich verstehe! Wird ein Zeitungsmensch gesund, so plagt er Andere, womit ich mich gehorsamst verabschiede als Ihr getreuer German. Die rnMkil Juden und die Mobilisierungen. In der Statistik des „Rußki Jnwalrd" über das Verhalten der russischen Juden bei den Mobilisierungen des Jahrganges 1904 machen die „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" folgende Bemerkungen: Wir lassen dahingestellt, ob die mitgeteilte Statistik zuverlässig oder korrigiert ist. In Rußland, diesem Lande unbegrenzter Möglichkeiten, ist ja alles möglich. Wenn sogar Kanonen, Kriegsschiffe, Soldaten, Matrosen, Millionen und Liebesspenden gebucht, aber nicht vorhanden sind, dann können auch die Stammrollen, wie übrigens in früheren Fällen schon häufig nachgewiesen worden ist, falsche Eintragungen haben. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die Statistik direkt gefälscht und jetzt gerade veröffentlicht worden ist, um die minimale, wenn nicht gar vollständige Nichtberücksichtigung der Juden bei Erteilung des Wahlrechts vor der Welt einigermaßen zu rechtfertigen. Wenn aber selbst die Statistik eine gerechte und zuverlässige wäre, wer bürgt dafür, daß die Juden, denen die Einberufungskarten nicht haben zugestellt werden können, vor der Mobilisierung und nicht vor drohenden „Pogroms" sich entfernt haben? Wer bürgt dafür, daß sie die diversen Verstümmelungen nicht in von der Regierung oder Polizei veranstalteten bezw. geduldeten Judenhetzen erlitten haben? Man hat ja von solchen Judenhetzen gerade genug gehört, und von sehr vielen wahrscheinlich auch nicht gehört. Wenn man es auch nach westeuropäischer Anschauung nicht billigen wird, so wird man es doch sehr wohl begreiflich finden können, daß bei den Zuständen, unter welchen die Juden in Rußland im Kriege wie im Frieden zu leiden haben, ihr Patriotismus kein sonderlich ausgeprägter ist, daß sie sogar, gleich vielen anderen nicht jüdischen Russen, sich gern von dem Transport nach der fernen Mandschurei drückten, zumal behauptet wurde, die Juden würden auf dem Kriepsschauplatze einer ebenso unfreundlichen und gefährlichen Ausnahmebehandlung unterworfen, wie daheim. Dann hätte also die russische Negierung selbst schuld, daß die jüdische Mobilisierung so ungünstig ausfiel. Sei dem aber auch wie ihm wolle, so hat man von antisemitischer Seite keineswegs das Recht, aus der zuverlässigen oder nur fragwürdigen russischen Statistik den Schluß zu ziehen, „daß die jüdische Rasse auch dann nicht für das Vaterland zu haben ist, wenn es sich um den Rest seiner bedrohten Ehre handelt". Man wende das Auge nach anderen Ländern. Warum sind Juden in anderen, freieren, zivilisierteren Ländern tüchtige Soldaten und Offiziere? In den Bereinigten Staaten beispielsweise haben Juden an allen Kriegen des Landes in unverhältnismäßig großer Zahl sich rühmlichst beteiligt an den Kriegen, die das Land zur Erringung seiner Unabhängigkeit gegen England geführt hat, an dem Kriege gegen Mexiko, am großen Bürgerkriege und jüngst noch an dem Kriege gegen Spanien. Und umso beweiskräftiger ist das Beispiel Amerikas, als hier die Teilnahme der Juden eine freiwillige war. Im Verhältnis zur jüdischen Einwohnerzahl war die Beteiligung der Juden eine außerordentlich große, und daß sie Tüchtiges geleistet, dafür spricht die große Zahl derjenigen, die es auf den Schlachtfeldern bis zu Generalen gebracht haben. Mit Recht ist denn auch der Vorschlag gemacht worden, daß Witte seine Anwesenheit bei der Friedenskonferenz benutzen solle, um sich zu überzeugen, wie die Juden in einem freien Lande unter günstigen Bedingungen sich entwickeln können, und was Juden für ein solches Vaterland zu tun imstande sind. Witte soll auch seine Ueberzeugung dahin ausgedrückt haben, daß in der Lage der Juden Rußlands eine große Erleichterung eintreten müsse. Wenn dies geschehen sein wird, dann werden auch die Juden in Rußland an patriotischer Gesinnung sich von keinem übertreffen lassen. Wie die Dinge aber liegen, wäre es ein außerordentliches Wunder, wenn die Juden so sehr viel besser wären, als die nichtjüdischen Russen, die gegen ihr Vaterland rebellieren, die den Behörden Widerstand leisten, ihren Verpflichtungen gegen das Vaterland sich nach Möglichkeit entziehen, gegen.ihre militärischen Vorgesetzten meutern und in offener Schlacht den Führer zur Uebergabe von Kriegsschiffen zwingen. Bei der ungerechten und oft abscheulichen Behandlung der russischen Juden durch die russischen Behörden braucht man sich wirklich nicht darüber zu wundern, daß die Juden sich neuen Drangsalierungen zu entziehen versuchen. Selbst „patriotische" Russen sprechen es offen aus, daß man bei den gegenwärtigen Zuständen in Rußland nichts anderes erwarten könne. Gedanken und Aussprüche berühmter Münuer über Jude« und Judentum. Das meiste und beste von allem, was unsere bildungsstolze Gegenwart aufzuweisen hat, stammt immer noch aus der Herrschaft jener drei Völker des Altertums, Juden, Griechen und Römer. Rümelin, Kanzler der Universität Tübingen. * * * Die ganze moderne Zivilisation leitet sich vorzüglich von den Juden und Griechen ab. Die Griechen bilden das humane und intellektuelle Element; die Juden das göttliche und moralische. Der Anteil der Juden ist, wenn auch nicht der glänzendere, so doch gewiß der erhabenere und teuerer erkaufte. Gttlzvt: Meditations sur l’essence de la religion chretienne. Paris, 1864. p. 227. * * * Ich kann kein Gesetz über Juden billigen, das mehr als vier Worte enthält: „Gleiche Rechte, gleiche Pflichten!" Freiherr Karl August von Hardenberg bei Beratung des Juden-Edikts vom 11. März 1812. * * * Die Laster der Juden werden nur solchen gefährlich, welche ihre Vorzüge nicht haben. P Rosegger. * * * Darin liegt aber auch die hohe Bedeutung der Geschichte Israels, daß dieses Volk nun durch das, was es erleben und dulden sollte, zu einer immer tieferen und immer reineren Erfassung des Gottesgedankens genötigt wurde. Allein von allen Völkern des Altertums besitzen die Juden eine Geschichte, die in den irdischen Begebenheiten das Walten einer sittlichen Weltordnung zu erkennen sich bestrebt.-Bereits in den

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