Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 37 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- Seite 514 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 514. Israelitische Wochenschrift. Nr. 37. aber die Frauen der Patriarchen, wie die der reichen Emire, hatten ihre besonderen Zelte. Seit ihrem Einzug in das Land Kanaan gaben die Hebräer das Nomadenleben auf und ließen sich in wohlgebauten Städten nieder, die sie dort in großer Anzahl trafen, und die teilweise schon in den Zeiten der Patriarchen existierten. Wir wollen einige Details über die Städte der alten Hebräer und ihre Häuser sammeln, die uns die Bibel liefert: Die eigentlichen sogenannten Städte waren immer befestigt durch Mauern und größtenteils auf Anhöhen gelegen. Auf dem Lande gab es auch offene, weniger wichtige Wohnungen, Burgen und Dörfer, die man auch die Töchter der Städte, von denen sie abhingen, nannte. Wir kennen die innere Einrichtung der Städte sehr wenig; die Straßen im allgemeinen waren wahrscheinlich enge, wie im ganzen Orient, aber es gab auch hier und da breite Straßen, wenn man von dem hebräischen Wort Rehob (abgeleitet von dem Wort Rahab, breit) schließen soll, welches den öffentlichen Platz, der aber oft den Begriff „Straße" hat, bedeutet. Die breiten Straßen waren wahrscheinlich mit Buden und Bazare besetzt, und trugen von der dort vorzüglich betriebenen Industrie entlehnte Namen; so wird z. B. im Jeremias der Bäckerstraße in Jerusalem erwähnt. Die großen Plätze, wo die öffentlichen Versammlungen gehalten wurden, die Tribunale und Märkte waren an den Toren der Stadt gelegen. Diese Tore mußten gewölbte Gänge von einer gewissen Tiefe bilden, denn sie waren von einem Gebäude übersetzt und oft an den Seiten mit Türmen versehen. Ein besonderer Wächter, genannt Schoeer, hatte seine Wohnung dort. Die Bibel bietet uns keine Spur von Straßenpflaster; wir wissen nur, daß später, zur Zeit Herodes und seiner Nachfolger, es in Palästina gepflasterte Straßen gab, und es ist möglich, daß das Pflaster von dieser Zeit bei den Bewohnern Palästinas gebräuchlich war, wie bei den Phöniziern. Jede Stadt hatte Cisternen und öffentliche Brunnen; die großen Städte hatten Wasserleitungen. Die Namen der Städte hatten im allgemeinen eine sehr bestimmte Bedeutung, von der geographischen Lage des Ortes oder irgend einem anderen Umstande hergeleitet. Die Häuser waren von Ton, von Backsteinen oder von Steinen gebaut. Was die Häuser der Großen und die Paläste betrifft, so verwandte man große behauene Steine und oft selbst Marmor dazu. Als Mörtel verwandte man vielleicht öfter den Asphalt; aber gewöhnlicher noch Kalk und Gyps, der auch als Tünche oder Bewurf diente. Die Mauern der großen Häuser waren mit roter Farbe angestrichen. Zum Bauholz bediente man sich gewöhnlich der Sykomore; die Reichen verwandten auch Cypressen-, Akazien-, Oliven- und Cedernholz. Sandelholz, das wahrscheinlich aus Indien kam, wurde nur zu Luxusmöbel verwandt. Wir können aus der Bibel nur sehr wenigen Nachweis über die Form und die innere Einrichtung der Häuser entnehmen; die Hinweisungen, die wir hier und da finden, betreffen vorzüglich die Häuser der Reichen und die Paläste der Könige. Die großen Häuser bildeten gewöhnlich ein Viereck, in der Mitte einen Hof einschließend (impluvium), in welchem sich ein Brunnen oder eine Cisterne befand, und wahrscheinlich auch ein Bassin, öfter zu Bädern dienend. Um das Gebäude lief gewöhnlich ein Vorhof, von einer ihm umfassenden Mauer verschlossen. Das Gebäude war in mehrere Stockwerke abgeteilt. Der Palast Salomos z. B. hatte deren drei; das Haus der Rahab und das, welches David bewohnte, ehe er König ward, hatten mindestens ein Stockwerk über dem Erdgeschoß. Die Dächer waren flach, so wie man sie gewöhnlich bei den Orientalen sieht, und nur gegen die Mitte zu ein wenig erhoben, um das Regenwasser zu entfernen, das durch Rinnen abfloß. Um diese Dächer zu decken, bediente man sich wahrscheinlich der gebrannten Steine, oder wohl auch, wie im modernen Syrien, einer Mischung von Steinen, Kalk, Sand und Asche. Das bescheidene Dach des Armen war nur mit einer sehr soliden Erddecke, auf welcher man oft einen kläglichen Rasen hervorsprießen sah, bedeckt. Die Dächer, entweder in Plattform oder Terrassen gebaut, konnten zu verschiedenen Zwecken benutzt werden; man breitete dort gewisse Wirtschaftsgegenstände in der freien Luft aus; man erging sich dort, um frische Luft zu genießen; man schüef dort oftmals während der schönen Jahreszeit; man zog sich dort hinauf zurück, um ungestörte Unterredungen zu halten, oder sich dem Schmerz zu überlassen bei einem unglücklichen Ereignis. „Sitzend im Winkel des Daches" ist ein sprichwörtlicher Ausdruck, um ein trauriges und einsames Leben zu bezeichnen. In den Unruhen und den großen Zusammenrottungen des Volkes begab man sich auf das Dach, um zu sehen, was passierte, um sich zu retten oder zu verteidigen, und oft auch um irgend eine außerordentliche Handlung in Gegenwart der versammelten Menge zu begehen. M Man richtete dort auch die Laubhütten auf für das Fest dieses ™ Namens, und die götzendienerischen Hebräer hatten dort Altäre dem Sterndienft geweiht. Man wird jetzt begreifen, warum das Gesetz Moses befohlen hat, eine Ballustrade um das Dach zu machen, um zu verhindern, daß ein Unglück geschehe. An der Vorderseite des Daches befand sich gewöhnlich ein Pavillon oder ein „Erker" (Aliyya), in den man sich zurückzog, um seine Andacht zu verrichten, und überhaupt wenn man allein sein wollte; man logierte dort auch öfter Fremde, an denen man Gastfreundschaft üben wollte. Was man soeben gelesen, kann einen Begriff von dem äußern Anblick der Häuser geben; man kann auch vergleichen, was wir vom Palast des Salomon zu sagen haben. Obgleich uns die Beschreibung dieses Palastes über vieles im Dunkel läßt, so können wir doch folgendes enträtseln. Das ganze Gebäude, welches ein Parallelogramm mit einem Hof in der Mitte bildete, hatte 150 Fuß Länge, 75 Fuß Breite und 45 Fuß Höhe. Das Fundament war von großen wertvollen Steinen von 12—15 Fuß Länge; dasselbe trug Mauern von gehauenen und polierten Steinen, eingefaßt von einem Gerüst oder von Säulen von Cedernholz. Das Gebäude war in dre^M, Stockwerke geteilt, deren Plafonds von Cedernholz waren, undV an denen rings herum an jeder Etage symmetrisch verteilte Fenster sich befanden. Am Eingang stand ein Portikus, der von Säulen gehalten 75 Fuß Länge und 45 Fuß Breite maß; von da kam man in einen Saal, die „Halle des Gerichts" genannt, denn hier war der Thron, und Salomon hielt dort seine Gerichtssitzungen. Hinter diesen Hallen, in dem inneren Hof, waren an der einen Seite die Gemächer des Königs und an der anderen die der Königin, Tochter des ägyptischen Königs. Das ganze Gebäude war mit einem Hof umgeben, der durch eine gleiche Mauer, wie die des inneren Tempelhofs gebildet war. Der Thron Salomos war von Elfenbein, bedeckt mit dem feinsten Golde; die Rücklehne war in der Höhe gerundet, und jede der Armlehnen trug das Bild eines Löwen. Man stieg auf sechs Stufen zu demselben hinan, deren jede zwei Löwen an den beiden Seiten trug. Eine Menge Vasen und andere Gegenstände aus Gold schmückten den herrlichen Palast; man sah unter anderem in dem Waffensaal zweihundert große goldene Schilde und dreihundert andere von geringerem Umfang. Um nun wieder auf die Einrichtung der Privathäuser zurückzukommen, so kam man zu den Gemächern des Erd-