Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 37 (15.9.1905)
- Date
- 1905-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Zeitschrift für die Gchliltiiltereffkil des Judentums. Webst öern WeibtclLt: Züöifches LitteraLurbccrtt. Erschetilt an jedem Freitag > Redaktion und Verlag: l Bezugspreis vierteljährlich: das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal.! Werlin 6., Woß-Straße 3 j Deutschland u. Österreich-Ungarn 3.— Mk. Alle Postanstaiten nehmen Abonnements entgegen. Telephon: Amt I, 5729. l alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Un«»m«r 37. K-rlt«, 18. September 1903. 14. Jahrgang. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten wir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin C., Rotz-Straste 3. Inhalt. Artikel: Zur vergleichenden Religionsgeschichte. Von Dr. B. Seligkowitz-Köthen. — Ueber die Rechtsstellung der jüdischen Gemeinden in Preußen. (Schluß.) — Der biblische Geschichtsunterricht. It. Von Rektor Jung. — Das häusliche und gesellschaftliche Leben der alten Hebräer. — Englische Briefe. — Die russischen Juden und die Mobilisierungen. — Gedanken und Aussprüche berühmter Männer über Juden und Judentum. — Literarisches: Kalender für Israeliten. Herausgegeben von der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union. — Politik: Konfessionelle Verträglichkeit auf den italienischen Universitäten. — Eine niederländische Kolonie als Zionisten-Land. — Die Judenmetzeleien in Kertsch. — Ausweisung jüdischer Opernsänger aus Moskau. — In der Stadt der Skandale — Wochenchronik. — Vakanzen. — Sonett. — Feuilleton: Die Macht der Liebe. Von Babette Fried. (Fortsetzung.) — Inserate. Jur vergleiche«-«! 7^.....!.!,!.. Von Dr. B. Seligkowitz-Köthen. Wenn es war ist, was man so häufig als Forderung hinstellt, daß der Theologe nicht bloß mit seinen speziellen Fachdisziplinen, sondern auch mit den Errungenschaften und Resultaten der übrigen Wissenschaften, wie Philosophie, Naturkunde, Geschichte, Archäologie, sich befreunden soll, weil eben alle diese Gebiete in die Religionswissenschaft einmünden und Waffen für oder gegen sie liefern; so verdoppelt und steigert sich dieses Postulat unleugbar in Rücksicht auf die Wissenssphäre, mit der sich die vergleichende Religionswissenschaft befaßt. Nicht allein wird durch derartige Studien der Blick der Theologen erweitert, sondern er findet hier auch unschätzbares Material für die Apologie des Offenbarungsglaubens. Die Bibel tritt dadurch aus der Isoliertheit heraus; die Offenbarung gewinnt neues Licht; sie zeigt sich nicht bloß als der isolierte Polarstern, sondern ihre Strahlen schimmern auch, freilich in einem matten, magischen Helldunkel, durch die mythologischen Nebel des Heidentums hindurch, und es drängt sich uns schließlich die Ueberzeugung auf, daß die alten orientalischen Völker trotz der vielen Irrfahrten, die sie im Lauf der Zeit gemacht, doch manche religiöse Grundidee als gemeinsames Erbteil aus dem Schiffbruch der Wahrheit gerettet hatten. Wir machen nicht selten mit Verwunderung die Wahrnehmung, daß die Heidenwelt lange nicht in dem Maß vom Pfad der Wahrheit abgewichen war, wie man es sich gewöhnlich vorstellt, sondern daß die Vorsehung immer noch auch über ihr gewaltet hat. Freilich gilt das mehr für die ältesten Völker; je mehr wir nämlich der Wiege des Menschengeschlechts uns nähern, desto ungetrübter fließen ihre religiösen Anschauungen und Traditionen; je mehr wir uns aber von ihr entfernen, desto gebrochener und unreiner scheinen die Strahlen der Offenbarung durch das Prisma des mythologisierenden Geistes. Welche Tragweite die bedeutende Uebereinstimmung der ältesten Kulturvölker der Menschheit in so vielfachen urgeschichtlichen Punkten mit der Bibel hat, liegt auf der Hand. Die Zeit ist nun vorbei, wo noch ein Mann der Wissenschaft die Urgeschichten der Bibel für ein bloßes Mythenbuch erklären kann, ohne sich ein wissenschaftliches Armutszeugnis auszustellen. Denn gerade die orientalischen Forschungen; die Indologie, Persologie, Assyriologie und Aegyptologie bestätigen ihren historischen Charakter. Die Bibel hat dadurch aufgehört, vereinsamt wie eine Pyramide in der Weltgeschichte dazustehen, da ihre religiösen und geschichtlichen Ueberlieferungen durch den geschlossenen Völkerkranz der Vorzeit bewahrheitet wurden. Es erhebt sich nun aber die Frage nach dem Grund dieser Erscheinung. Woher diese auffallende Uebereinstimmung und diese mannigfachen Berührungspunkte? Es gibt nur drei mögliche Hypothesen, um diese Tatsache zu erklären. Die Nächstliegende ist, an eine gegenseitige Entlehnung zu denken. Allerdings, wenn es sich bloß um die Hebräer und Aegypter handelte, ließe sich am Ende eine Entlehnung annehmen. So aber erstrecken sich die Berührungspunkte über weitere Völkerkreise. Und wenn man bedenkt, wie die geographisch, sprachlich und kulturhistorisch auseinanderfielen, wie sie vielfach in politischem und religiösem Antogonismus zueinander standen — dann verliert diese Hypothese alle Wahrscheinlichkeit. Die mosaischen Bücher aber als die gemeinsame Quelle anzunehmen, woraus sie alle geschöpft hätten, ist schon deshalb unstatthaft, weil die heiligen Schriften der ältesten Kulturvölker des Orients fast sämtlich über das Zeitalter des Mose hinausragen, weshalb jene auch nicht aus den Büchern Moses geschöpft haben können. Ein zweiter Erklärungsgrund, den man zur Lösung der in Rede stehenden Frage aufstellen könnte, wäre ein psychologischer. Man könnte nämlich sagen, und hat es auch getan, es läge in der ursprünglichen geistigen Organisation des Menschen, ge- D::../B