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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 17. (1905) · p. Seite 68

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 17. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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keineswegs geschärft. Woher aber vielfach die Unfähigkeit, wissenschaftlichen Einzelheiten gerecht zu werden? Also Dr. Hoffmanns Gesamtbestrebungen bilden eine Einheit und dehnen sich vom Mittelpunkt nach weiten Wissenskreisen aus. Werke dieser Art sind wie das Gewissen der Zeit, das den Einzelnen zur Selbstprüfung auffordert und durch welche man, wie bescheiden auch immer, das eigene Verhältnis zu den hier behandelten Hauptgegenständen erkennt. Dabei muß ich an mich und meine eigenen Bestrebungen denken. Dieselben sind vielfach unter dem Einfluß HofFmannscher Arbeiten erwächst vielfach in unbewußter Ueberein- Stimmung mit denselben. Ohne seine Behandlung der halachischen Midraschim wäre ich nicht zu meiner ״Haggada in der Mechiltha“ (Semitie Studies, Calvary) gekommen; merkwürdig aber, daß ich ohne Ahnung von seiner ״ersten Mischna“ in meinem ״Ueber den Zusammenhang der Mischna*)“ die nur als älteste vorkommenden Stücke ziemlich gleich bestimmt habe. Noch merkwürdiger, daß mein ״Zurück zur Bibel!“ (Poppelauer) im Jahre 1902 in seinem Nachtrage ״Bibelwissenschaft und Rechtgläubigkeit“ Voraussetzungen für den jüdischen Bibelforscher enthielt, die mir als unmöglich vielfach bestritten wurden und werden und für die sich in Hoffmanns ,.Levitikus“ die genauesten Bestätigungen finden! Dr. Hoffmann sagt (S. 7): ״Wir müssen dasjenige, das uns in der Bibel gegeben w7ird, mit gläubiger Hingebung als unbestreitbare Wahrheit hinnehmen. Wir dürfen uns nicht anmaßen, als Kritiker uns über den Verfasser einer biblischen Schrift erheben zu wollen, die Wahrheit seiner Aussagen zu bezweifeln oder die Richtigkeit seiner Lehren in Frage zu stellen. Wer solches unternimmt, hat den Standpunkt des Judentums verlassen .... Wer also diese Schriften angreift, deren Heiligkeit oder Göttlichkeit negiert, hat sich damit von dem Judentum losgesagt.“ Da wird Wellhausen selbst, da wird Duhm rufen: Das ist offen und ehrlich gesprochen. Den Forscher muß ich als Mann anerkennen, ich muß mit ihm rechnen, ich w7eiß, wofür ich ihn zu nehmen habe! Um meine bescheidene Schrift anzuführen, sagte ich bereits 1902 unter dem Eindruck des blinden Delitzschschreckens (blind, er mochte Recht haben oder nicht, s. mein ״Babel und Bibel״ :(״Nach der mündlichen Lehre, die der strenge Jude als Gottesoffenbarung anerkennt und befolgt, ist nicht etwa dem Mose die Abfassung der Thora überlassen worden, sondern ״der Allmächtige sprach (Wort für Wort) vor, und Mose schrieb nach.“ Demnach ist es dem Strengfrommen nicht möglich, eine Lesart ariderer Art anzuerkennen, und er solle einen einzigen Satz aus der Schrift als unecht hin stellen?“ Ebenso Hoffmann (das.) ״Die Massora oder die überlieferte Schreibweise der heiligen Schrift ist nach dem Zeugnis unserer Weisen ebenso alt w7ie die heilige Schrift selbst.“ Dr. Hoffmann sagt: ״Dem wahren Judentum ist die ganze heilige Schrift תירה (göttliche Belehrung). Daher muß auch der jüdische Bibelexerget jede Auslegung einer Bibelstelle verwerfen, die sich mit diesem Glauben an die Wahrheit, Heiligkeit und Göttlichkeit der Bibel nicht verträgt. (S. 6) ״Die Nebiim und Kettubim sind alle הקדש DTD oder wenigstens von יבעלי רוח הקדש von Männern geschrieben, die von göttlichem Geiste inspiriert w7aren. Solchen AVorten gegenüber wird selbst manche Freunde des Dr. Hoffmann der Wunsch erfüllen, daß er nicht so offen und unverblümt so alte und überwundene Ansichten hätte vortragen sollen. In ״Zurück zur Bibel“ (S. 35) heißt es bei mir: ״Abraham Geiger sah in dieser Beziehung dem Frommen mit strengen Blicken auf die Finger. Er w7ies es Samuel David Luzzatto als Mangel an Folgerichtigkeit nach, daß erKoheleth nicht als salomonisch, ja, nicht als göttlich ansah, daß er in der Thora Lesarten annahm. Und mit Recht... Von Koheleth bis zum Hohenlied und bis zu den Sprüchen ist nur ein Schritt. Und habe ich Koheleth als zu weltlich aus dem Verband der heiligen Bücher entfernen wollen, so werde ich die Bildlichkeit des Hohenliedes auch nicht mehr anerkennen.“ Der Fromme kennt also auch keinen Deuterojesaias. Wie der Zeitgenosse des *) Während der Arbeit habe ich den Hoffmannschen Aufsatz erst kennen gelernt. Hiskia vom zweiten Tempel, von Cyrus prophezeien kann? O, ihr Frommen! Er war ja ein Prophet! Das kann man leugnen, aber nicht streichen, nicht fortdeuten. So eisenfest sind Standpunkte; sie können nicht ״eingenommen werden“ — sie sind vielmehr notw7endig da. (S. ״Zurück zur Bibel“, S. 41.) (Fortsetzung folgt.) Predigtumrisse. □שופטי• — Di0 Richter sollen am Tore sitzen, damit der Böse nicht eindringe; am Altäre ist ihr Ort (in der Quaderhalle des Tempels), denn streng und gerecht richten, heißt jeden mit dem Amte auch fern verbundenen, Vorteil opfern. So möge der Mensch seine Sinne, die Tore der Seele, mit seinem Gewissen bewachen; dann kommt der Antrieb zum Bösen nicht. Und das sollen hauptsächlich jene Richter am Tore bewirken. Nicht Bestrafung oder Freisprechung —Veredelung ist der Zweck des Rechtsprechens! (Nach R. Jesaia Hurwitz im •(של״ה כי תצא — (Traurede). Haftara. הרחיבי מקום אהלך etc.: ״Erweitere den Raum Deines Zeltes,“ denn zwei Familien vereinen sich heute, und in diesem Zelte soll stets Raum sein durch den Frieden, niemals Bewegung; ״Die Teppiche deiner Wohnung mögen herabwallen, laß davon nicht ab!“ Einst umgaben Teppiche das Zelt der Vorzeit, damit es nach außen herrlich erscheine — aber dem äußeren Glanze entspreche das innere Glück, darum ״ziehe weit hinaus die Seile und schlage die Pflöcke fest!“ Damit das Zelt feststehe und nicht wanke. Das Gottvertrauen, verbunden mit eifrigem, mit redlichem Wirken gibt dem Zelte die Festigkeit, Redlichkeit und Wohltun sind seine Stützten, Prunk und falscher Glanz bleibe fern! Winke für den Unterricht.*) Beim Eintritt in das Gotteshaus. מה טבו bis יגדל Bibel', zumeist Psalmverse, teils nach dem Sohar geordet. Den Gotteshäusern sollen die Wohnungen gleichen! In Hoffnung auf Gnade, nicht auf unser Recht pochend, treten wir ein, wir lieben den Ort, (der uns nicht lästig ist). Gebeugt (voll Demut) vor dem, der uns das Leben gegeben, erwarten wir Erhörung unserer Bitten.“ In Rechtlichkeit (כמישור ,בצדק), voll Vertrauen, mit erhobenen reinen Händen (בנשא‘ ירי), voll Freude am Gotteswort, daß wir nicht für Erdenschätze hingeben (שש אנכי)! angeregt von frommen Genossen (שיר המעלות), Stehen wir gemeinsam (במקהלות) betend vor dem Schöpfer.“ Morgengebet. יגדל Dichtung eines Unbekannten. Enthält die 13 Glaubensartikel des Maimonides. (Vgl. S. 70). □ארון עול Viell. von Gabirol. Die Vor Weltlichkeit Gottes, seine Einheit, Ewigkeit und Allmacht machen ihn zum geeigneten Helfer in der Not, zur ewigen Glaubensfahne, zur festen Burg; ihm vertrauen wir Leib und Seele, Vergangenheit und Zukunftan, denn er wird immer da sein. —ברכות• Bedeutung der Segenssprüche später. *) S. die Bemerkung in voriger Nummer. Inhalt der Nummer 17. Wissenschaftliche Aufsätze: Einiges über Mischnaforschung. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal, Preußisch Stargard. — Neues über Aboth. Dr. E. Baneth: Der Mischnatraktat Aboth mit Maimunis arabischem Kommentar. Kaim Pollak: אבות ררבי נתן System der Ethik nnd Moral. Minchath Schabbath. Von Caro. (Fortsetzung). — Literaturbericht. Rezensionen: Neue Schriften von Dr. Hoffmann. — Winke für den Unterricht. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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