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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 16. (1905) · p. Seite 64

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 16. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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64 überhoben, das Buch selbst zu lesen, während uns nun j Spinoza dazu zwingt. Er sagt es ja selbst, daß er den Weg vom Allgemeinen zum Besonderen, also den begriffserläuternden, für den besten hält. Der führte vom Anfang schon selbst zum Ziele, wie es unser Verfasser ja so gut angibt. Ich selbst entbehre hier die Kirchmannsche Vorrede über das Wesen des geometrischen Beweises, den Verfasser vielleicht bei der nächsten Auflage mit herübernehmen könnte. Wir können das Werk nur mit dem Ausdruck der Freude darüber empfehlen, daß der Dürrsche Verlag so rüstig weiter für die Neubelebung des wissenschaftlichen Sinnes sorgt, und es wird uns hoffentlich Gelegenheit geboten, in kurzem ein Wort über ihren neuen ״Leibniz“ zu sagen. Die Versendung der Schriften des 20. Jahrganges im hebräischen Literatur - Verein (Mekize Nirdamim) erfolgt in der Weise, daß jetzt, noch zu der großen Jahrzeit Raschi’s, zum 29. Tammus, die neue Ausgabe meines Raschi-Werkes in die Hände der Mitglieder gelangt, und zwar via Frankfurt, während die zwei anderen Schlußschriften gegen Ende August d. J. zur Versendung gelangen werden. Exemplare des Raschi-Werkes sind auch außerhalb des Vereins ä Mk. 10.— durch die Buchhandlung J. Kauffmann in Frankfurt a. M. zu beziehen. Prof. A. Berliner. Predigtumrisse. שבת חמן• — Berakhoth 3a: R. Jose betet auf den Trümmern Jerusalems; da tritt Elia, der Prophet, zu ihm und spricht: Nicht auf Trümmern bete! Auf dem Wege mußt Du beten. — Israel feiert allerdings Tage wehmütigen Gedenkens an das Verlorene. Aber die Wehmut allein ist nicht das Heiligende. Nicht über Fehler klagen — sie bessern! Wer empfindsam auf Trümmern weint, ist untauglich zum Wirken. Wer aus Trümmern und dem Eindruck der Vergänglichkeit sich zu kräftiger Tat aufrafft — der betet auf dem Wege, den er wandelt! Es war ein Schmerzensweg für Israel, aber ״wir wandelten, und erstarrten nicht. כל גיא ינשא - •נחמו etc. Der Berg überragt das Tal und nimmt ihm die Sonne fort; das Tal blickt feindlich zum Berg empor. Einst soll aber der Berg sich freiwillig zum Tal herablassen, das Tal sich ohne Haß zum Berge erheben, doch nur, wenn העקוב למישיר das Krumme gerade wird, wenn die List der Parteien und Kämpfenden nicht stets Stürme hervorrufen wird. Das nennt man einst Offenbarung der Gottheit, das ist die Hoffnung, der Trost Israels ונגלה בו׳ עקב• (Traurede.) Deut. 82 ״ מכרת את כל הדרךGedenket der Wege, auf welchen Gott Euch zusammengeführt hat!“ 87-10 כי ה׳ אלקיך מביאך• Die Ehe ist das Gebiet des Guten, des wahren Glückes; nur müssen die beglückenden Quellen derselben vorhanden sein im Tale der umfriedeten Häuslichkeit, wo die Gattin herrscht, wie auf den Bergen der männlichen Lebenswirksamkeit, sodaß Beide stets einander gedenken und für einander wirken. Auf solchem Boden sprießen, wie auf wohlbestelltem Getreidefeld, Saaten der Liebestaten empor; d.a genießt man selbst Brot, die einfachste Speise, nicht im Gefühle des Mangols, denn es fehlt Nichts, wo die Zufriedenheit wohnt, da ist der Boden, auf dem man steht, eisenfest, und gelangt man zur Höhe, so schwankt er auch nicht, ehern gestaltet man sich die Stellung selbst dort. Lerne man nur, durch den Lebensgenuß gesättigt werden, nicht unersättlich draußen immer Befriedigung und Glück zu suchen und vergesse man nicht, Gott zu preisen für das gute Band der Ehe, in dem das Gute sehend, was Gott uns gegeben hat. ראה• Neumondsverkündigung des Eli ul. Segen und Fluch auf Geriscin und Ebal. Israel steht zum Teil auf der einen, I zum Teil auf der anderen Höbe. Nicht leicht ist der An” stieg zum Guten, mannigfachen Hindernissen ist da der Mensch ausgesetzt, die stärksten hat er in sich selbst. Leicht aber und unmerklich geht es zur Höhe des Schlimmen und der Entartung empor, alles in uns unterstützt die Erschlaffung. Die Bundeslade zwischen beiden Höhen stellt die Mitte, die genaue Grenzscheide zwischen gut und böse dar. Der Mensch kann schwer den trennenden Punkt finden, darum wende er sich hinweg von der Grenze dem Guten zu und tue mehr als seine Pflicht, Wie die Leviten die Bundeslade umgeben, so mögen die Führer Israels genau auf die Grenzscheide achten und den verschiedenen Richtungen der Jetztzeit gegenüber es geltend machen, es gebe in Israel kein ״Jenseits von gut und böse“, sondern etwas sei und bleibe gut oder böse. Hinweis auf Jahresschluß mit der Frage: Welcher der beiden Höhen nähern wir uns? (Da in voriger Nummer wichtige Gegenstände Vorlagen, so bringen wir heute erst die zu derselben gehörigen Predigtumrisse.) Winke für den Unterricht. Nachdem wir einige Andeutungen über die Anfänge des Unterrichts gegeben haben, kommen wir nun mit einer kurzen Darlegung des Siddur für die Oberklasse. Der Lehrer wird seinem Lehrplan und der Eigenart der Kinder gemäß daraus das Richtige herauszufinden wissen. Für fähigere Schüler wird hin und wieder der Hinweis auf die Quellen von Wichtigkeit sein. * Zu Cebr und dlebr 3übifd?e 3>ettfragen 930n P. Urrlag uon S. Caluarv & Co. in Berlin HUI.7. |urd) alle $ud)l)anblun!jen unb burd) bie frpebition biefes glattes ju bejieljen. l t w l ü) w vl/ Inhalt der Nummer 16. Wissenschaftliche Aufsätze: Neues über Aboth. Dr. E. Baneth : Der Mischnatraktat Aboth mit Maimunis arabischem Kommentar. Kaim Pollak: אבית ררבי נתן Sjstem der Ethik und Moral. — Minchath Aboth. Von Caro• Der Anteil der Juden am Unterrichts wesen in Preußen. — Dr. theol. Eugen Rolfes: Aristoteles Metaphysik.— Dr. Otto Baensch: Baruch de Spinoza. — Predigt- Umrisse. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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