Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 16. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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das unendlich viel des Belehrenden und Anregenden bietet. Möge das Buch recht weite Verbreitung finden und es dem greisen Verfasser vergönnt sein, noch recht lange seine Geisteskraft dem Judentum und der Wissenschaft zu weihen. (Schluß folgt.) Der Anteil der Juden am Unterrichtswesen in Preussen. (Heft I der ״Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden.“) Verlag des Bureaus Berlin-Halensee, Westphälischestraße 46. 1905. IV. 50 Seiten, 1,50 M. Was denken sich weitere Kreise von der Tätigkeit eines statistischen Bureaus? Da werden lange Bogen mit Zahlen bedeckt, nach den verschiedensten Gesichtspunkten geordnet; Zahlenreihen, die vielleicht für eine enge Zahl von Forschern einen Wert haben mögen, aber den Leser, der für Herz und Geist etwas wTünscht, abschrecken. Nach der Gepflogenheit, Dinge nach schnellem Einblicke zu verdammen, kann sich noch jemand unwillig über die Art äußern, das gesamte, frei sich entwickelnde Menschenleben nach äußerlichen, dem Zufall unterworfenen Umständen zu beurteilen. Davon ist hier keine Spur. Ein geschichtlicher Teil von Dr. Jacob Thon gibt eine lebensvolle Reihe von Tatsachen, die von Mendelssohn bis zur Neuzeit führen. Und die von Dr. Arthur Ruppin gegebenen statistischen Tafeln entbehren ebensowenig auf Schritt und Tritt allgemeinverständlicher erklärender Bemerkungen. Die Erziehungsfrage hat von jeher, wie wir von Thon erfahren, einen hohen Einfluß auf Juden ausgeübt. Stets waren die Schulen ein Abbild der inneren geistigen Bewegungen und des Parteilebens im Judentum, und gerade die Führer im Streite waren es, welche die Schulen zur Befestigung ihrer Losung und ihrer Stellung gestalteten. Ob die Gemeinden reich oder arm, stets besuchte ein verhältnismäßig großer Teil der jüdischen Jugend mittlere und höhere Schulen. Schon in alter Zeit war der Hauslehrer vorhanden, wo die öffentliche Schule fehlte. Daneben lebte noch das Cheder als Einzel unternehmen. Daran schließt sich die Talmudklasse und endlich die Jeschiba an, deren Bachurim von Hochschule zu Hochschule wandern. Völlige Unwissenheit ist selten; allgemeine Schulpflicht ist (mit beschränkter Teilnahme der Mädchen) durchgeführt; selbst Christen empfehlen die Juden in ihrer Schätzung des Wissens als nachahmens wertes Muster. Gegen die polnischen Chederlehrer tritt man seit Mendelssohn auf und sucht ihre Anstalten zu beseitigen oder auf das Notwendigste zu beschränken. Auf Mendelssohns Einfluß muß die Gründung der Freischule in Berlin und der Franzschule in Dessau znrückgeführt werden. Seine Thoraüber- Setzung macht die deutsche Sprache und das Verlangen nach neuzeitlicher Bildung mehr und mehr heimisch. Man strebte nach Durchführung der allgemeinmenschlichen Grundsätze jener Zeit, wie man andererseits gerade in jüdischen Kreisen dem Weltbürgertum das Vaterländische und die Ausbildung zu einem bürgerlichen Beruf zugesellte. Die Umwandlung von alter Schulgestaltung zur neueren ging allmählich unter vorsichtiger Wahrung der alten Ziele und Gewandungen vor sich. Wo sich (wie bei Joseph II.) der Staat den neuen Bestrebungen günstig zeigte, gingen Männer wie Homberg und Fränkel, mit Entschiedenheit gegen die Widersetzlichkeit der Mehrheit und ihrer Vertreter vor. In Preußen fiel die Freischule im Jahre 1825, nachdem Altenstein die Teilnahme christlicher Schüler verboten hatte und die ״Besseren“ ihre Kinder in die höheren Schulen schickten. 1826 begann Zunz auf Veranlassung seines Kulturvereins mit der neuen Gemeindeschule, in welcher arm und reich zu nützlichen Bürgern erzogen werden sollten. Die Samsonschule in Wolffenbüttel war von 1786—1805 eine Talmudscbule, vom Stifter geleitet. Nach dessen Tode bewirkte Jakobsohn die Umwandlung in eine deutsche Lehranstalt, aus der das Talmudische 1841 ganzlieh entfernt w7urde. Die Dessauer Franzschule fand im Herzog selbst ihren Gönner; 1815 bewilligte er ihr eine jährliche Unterstützung von 300 Talern. Dagegen wies der Herzog j den Plan einer zwangsweisen Geldleistung von seiten der anhaitischen Juden zurück; die Verschmelzung des Betham- I midrasch mit der Schule gelang jedoch. 1850, nach der Gleich- Stellung der Juden Anhalts, wurde die Schule an den Staat abgetreten. Harte Kämpfe machte die unter staatlicher Beihilfe gegründete Wilhelmsschule in Breslau mit der eigenen Gemeinde und den Rabbinen durch, bis 1822 alle Chedarim dort geschlossen wurden. Das Frankfurter Philanthropin, durch seinen Namen schon an Kampe und Basedow erinnernd, war zuerst eine Schule für wenige arme jüdische Kinder. Sie lernten dort Schreiben und Religion; alles übrige in der allgemeinen Musterschule. Unter Dalberg wuchs die Anstalt, inzwischen mit einer Mädchenschule verbunden. 1813 wurde sie eine Bürger- und Realschule; 1866 eine Realschule zweiter Ordnung; 1892 wurde sie in allem den allgemeinen gleichen Anstalten gleichgestellt. Wie diese, so diente seit 1801 die Jakobsohnschule in Seesen der Neuerung im Judentum. In den letzteu Jahren überwog bereits die Anzahl der christlichen Schüler daselbst. Wir weisen noch kurz auf den Abschnitt: Juden an nichtjüdischen Schulen mit Verhältnis des jüdischen zum allgemeinen Schulwesen“ hin. Bekannter, als die soeben umrissenen Angaben, ist der Inhalt des folgenden: Die rechtgläubige Seite des Judentums erkennt die Berechtigung einer Verbindung zwischen dem Festhalten am Herkommen und der neuen Bildung an. Samson Raphael Hirsch gründet die Real- und Mädchenschule der Religionsgenossenschaft in Frankfurt a. M.; die in Fürth 1862 gegründete Bürgerschule wird 1880 zur Realschule, mit Volksschule verbunden, die Hamburger Talmud-Thoraschule ist seit 1870 Realschule. Diese Anstalten wenden den hebräischen und talmudischen Gegenständen eine erhöhte Sorgfalt zu und erzielen gleichwohl im allgemeinen Wissen nicht geringere Erfolge, als ihre Schwesteranstalten. Der Schluß dieses Teils behandelt die Seminarien für Lehrer und Rabbinen. Daran schließt sich der statistische Teil, für den wir die Leser auf die Schrift verweisen. So steht die statistische Wissenschaft, die sich im Judentum erst entwickelt, in engster Verbindung mit der Geschichte und dadurch mit der Geistesentwicklung Israels. Der Titel vorliegender Schrift ist sprechend: Nicht, ״Jüdisches Schulwesen in Preußen“, sondern, ״Der Anteil der Juden am Unterrichtswesen in Preußen!“ Was wir darin leisten, dient dem Vaterlande, ist ein nicht erzwungenes, freies Opfer für dasselbe! Möge der Verein Verständnis und tatkräftige Unter- Stützung finden! Dr. theol. Eugen Rolfes. Aristoteles Metaphysik. Uebersetzt und mit einer Einleitung und erklärenden Anmerkungen versehen. 1. Hälfte (Buch I bis VII, 216 S.), 2. Hälfte (Buch V1II-XIV, 200 S.). Band 2 und 3 der philosophischen Bibliothek, ä 2,50 M. Dr. Otto Baensch. Baruch de Spinoza. Ethik. Uebersetzt und mit einer Einleitung und Register versehen. XXI und 311 S. (Auch: Philosophische Bibliothek, Band 2, 3 und 92. Leipzig, Dürr 1905.) 3 M. (Schluss). Wir haben die Behandlung des Aristoteles in einer früheren Besprechung gewürdigt. Nur noch einige Einzelheiten wollen wir berühren. Es ist das die Textesauffassung von Seiten des Uebersetzers. Um nicht unendlich zu werden und diese Seite der Arbeit zu kennzeichnen, beschränken wir uns auf das erste Buch. Statt des üblichen 010 zaX cptA6p.0B0־Q 6 <p1Xdao<p0Q 7:101; eotiv. ״Deswegen ist der Denker wohl auch ein Freund der Sagen“ liest Rolfes nach Ab (einer der beiden von Christ zu Grunde gelegten Codices der zweite ist p) dio xai 0־109ן0\1קז<;