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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-07-21 · 29 (21.7.1905) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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L> Zeitschrift siir die GksamtiiltereM des Judentums. Webst dem Weiblütt: Jüdisches Litteratunblütt. Erscheint an jedem Freitag das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Redaktion und Verlag: Merlin Woß-Straße 3 Telephon: Amt I, 5729. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland n. Österreich-Ungarn 3.— Mk. alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Unmmer 29. Berlin. 21. Juli 1905. 14. Jahrgang. Alle, Mid) für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten wir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin C., Ros;-Stratze 3. Inhalt. Artikel: Die Reaktion in Rußland. — Auf der Straße nach Hebron. — Aegypten und die Bibel. (Schluß) — Generalversammlung der„.l6wis1i Colonisation Association“. — Politik: Radauantisemitismus der „Kreuzzeitung". — Die Inden in England. — Emigration der Juden aus Rußland. — Eine jüdische Deputation an den Mikado. — Wochenchrontk. — Vakanzen. — Feuilleton: Zwei Festabende. Novelle von Jda Barber. (Fortsetzung.) — Inserate. Die Hi'iilitiini in Rutzland. Das System, das die russischen Machthaber bei ihrer Bekämpfung der Revolution befolgen, wird außerhalb Rußlands nicht genügend gewürdigt. Man registriert die einzelnen Fälle entsetzlicher Grausamkeiten, die die Funktionäre des Zarismus verüben, aber so verbrecherisch diese Greueltaten auch sein mögen, sie werden an Gemeinheit weit übertroffen durch die leider bisher nur allzu häufig erfolgreich gewesenen Versuche, das Volk durch das Volk zerfleischen zu lassen. Daß bie. bewaffnete Macht gegen die Freiheitsbewegung aufgeboten wird, nun gut, das läßt sich vom Standpunkt der um ihre politische Existenz und um ihre pekuniären Einkünfte kämpfenden Beamtenoligarchie verstehen, und man wird es ferner bis zu einem gewissen Grad als unvermeidlich ansehen können, daß in dem Kampf auch Unschuldige ihr Leben lassen. Was aber die Entrüstung und die Abscheu der ganzen Kulturwelt erregen muß, das ist, so bemerkt mit Recht das „Kl. Journal", die Skrupellosigkeit, mit der die Regierung die einzelnen Teile des Volkes gegeneinander ausspielt, das ist die infame Gewissenlosigkeit, mit der sie nicht nur die Nationen, sondern auch die Stände und Berufsklassen gegeneinander hetzt. Der Grundsatz des clivicie et impera, den das alte Rom in seiner auswärtigen Politik anwandte, ist in dem Zarenreich bis zur brutalsten Konsequenz ausgebildet, um im Innern ein Regime zu erhalten. das sich mit Mitteln, die auch nur im entferntesten auf die Bezeichnung moralisch Anspruch erheben können, nicht mehr stützen läßt. Der am häufigsten beschrittene, weil noch immer bequemste Weg ist der der Judenmassakres. Der Antisemitismus ist unter Plehwe organisiert worden, er besitzt seine Offiziere und seine Soldaten, seine Agenten und seine Spione. Machen sich in irgend einer Stadt Anzeichen von Gährung im Volke bemerkbar, so delegiert man dorthin eine Schar von antisemitischen Agitatoren, die unter bewährter Führung nicht unversucht lassen, der Volksbewegung eine neue Richtung zu geben. Schon längere Zeit vor der „Potemkin"-Affäre waren im Hafen von Odessa zahlreiche Flugblätter verbreitet, die zu Gewalttaten gegen die das „Volk aussaugenden" Juden aufreizten, und es ist bekannt, daß zurzeit die Stadt von einem ganzen Herr von Hetzern überschwemmt ist, und daß die Behörden offen zum Vorgehen gegen die Israeliten scharf machen. Wir denken an Kischinew, Hömel und Schitomir, wir erinnern uns daran, wie kurz vor Ostern der amtliche „Regierungsbote" den Haß dadurch zu schüren suchte, daß er in dem Bericht über den Prozeß von Hornel die aufreizenden Reden des antisemitischen Advokaten Chmakow in extenso gab, während er die von der anderen Seite gemachten Darlegungen so gut wie vollständig unterdrückte. Was wird mit diesen Hetzereien beabsichtigt? Das Volk soll verwirrt werden, soll das Ziel aus dem Auge verlieren, sich selbst vernichten und die Kraft zerstören, die dem Zarismus gefährlich werden könnte. Aus diesem Grunde treibt man nicht nur die Christen gegen die Juden, sondern auch die Tartaren gegen die Armenier, denn kein vernünftiger Mensch kann bezweifeln, daß auch die Greueltaten, die die Muhamedaner an den Armeniern verüben, von den russischen Machthabern nicht nur stillschweigend gebilligt, sondern auch gefördert werden. Was gilt diesen Leuten Rasse oder Religion? Sie wüten gegen Juden wie gegen Christen, sie machen Rechtgläubige wie Ungläubige zu den Bütteln ihrer Willkür. Wie die Rassen, so werden auch die einzelnen Stände gegeneinander mobil gemacht. Es ist noch nicht allzulange her, daß man mit Erfolg die Arbeiter gegen die Studenten trieb, wenn diese gegen den Absolutismus demonstrierten. Heute gelingt dieses Erperiment nur noch in den seltensten Fällen, aber nun ist man bemüht, die Arbeiter und Bauern gegen die Semstwos und gleichzeitig Arbeiter und Bauern gegeneinander ins Treffen zu schicken. Ein Beispiel: Vor kurzem wurde in 4

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