Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 28 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- Seite 394 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 394. Israelitische Wochenschrift. Nr. 28 wiederum durch zahlreiche Spenden betätigt haben; trotzdem ist aber noch e n Fehlbetrag von 10 600 M entstanden, der aus Mitteln d r Anleihe gedeckt werden mußte. Unna. Am letzte» Sonntag konnte der Verein für Schaffung eines israelitischen'Altersheims in Westfalen die fertiggestellre Anstalt in feierlicher Weise eröffnen und einweihen. Es Ist ein schöner und praktischer Bau geworden, der ohne die Einrichtung und den Wert des Grundstücks 90 00) Mk kostet. Das Erdgeschoß enthält außer dem Speisesaal für 40 Personen und den Verwaltungsräumen acht Zimmer für Pfleglinge mit 14 Betten, große Terrassen laden zum Aufenthalt im Freien ein In dem Stockwerk befinden sich ein Beetsaal für 60 Personen, elf Zimmer mit 18 Betten usw. Dem Verein sind die Mittel so zahlreich zugefloffen, daß er nach vollständiger Bezahlung des Baues nebst großen Gartenanlagen noch 10 000 Mk übrig behält, die als Grundstock angelegt werden sollen. Es wird weiter gesammelt, damit noch mehr Personen ausgenommen werden können, für die das volle Pflegegeld nicht gezahlt werden kann Doch ist das Bestehen der Anstalt durch freiwillig gezeichnete Jahresbeiträge völlig sichergestellt. Zur Cinweihungsfeier waren Abgeordnete der sämtlichen Synagogengemeinden Westfalens erschienen Die Weiherede hielt der Rabbiner Dr. Coblenz aus Bielefeld. Das Ehrenmitglied des Vorstandes. Herr Bendix Kempen aus Ried urg, eröffuete das Gebäude. Das Haus beziehen jetzt neun Personen, darunter ein Ehepaar von 8l und 80 Jahren. Auf dem in Königsborn abgehaltenen Synagogentage wurde die Errichtung eines Pflegehauses für israelitische Kinder in Königsborn beschlossen Rewyork. Aus die Anfrage eines New-Iorker jüdischen Blattes teilte der japanische Kriegsminister mit, daß bis zum 1. April d I. insgesamt 811 jüdische Soldaten in japanische Gefangenschaft geraten sind, von denen sich 415 in Hamadera, 115 in Matsuyama, 93 in Himedy, 48 in Ukuschiana, 28'in Ukurka und 2 in Tojohashi befinden. Die Liste ist vor der Schlacht bei Mukden zusammengestellt UaRanzen. t!»hasan und Schochet in Badenweiler (Baden). Meldungen au Hotel Elsässer Hof. HilfSvvrbcter lür die hohen Feiertage in Zinten, Ostpreußen. Offerte» an de» Vorsteher. Herrn Max Jacobsberg. Borbctcr und Schächter, welcher befähigt ist, Religionsunterricht zu erleile» i» Sch io i en t och l ow i tz. Gehalt l'üo Mk. 200 Mk Wo!»lu»gse»lschädigung und Nebeneinnahme» Daselbst auch ei» Prediger und HilsSvorbeter für die hohe» Festtag- Meldungen a» de» Vorstand d.r Jüdische» Kultus-Vereinigung. Religionslehrer, Borbctcr und Schächter i» Eubigheim (Vaden), Gehalt «' D'JJIf, freie Wohnung und ca. 50» Mk Rebeneiukünfle. Bewerbungen an Herrn Dr Löwenstein, Bezirkssyuagoge in Mosbach. Geprüfter Religionslehrer, Kantor und Schächter per 1. oder 15. 'August in Stützm Westpreußen, Gehalt 1 5» Mark. Meldungen an den Vorsteher Herr» L. Philipp. Religionslehrer, Borbeter und Schochet in Leutershausen (Miltelfrauke»), Einkommen ca. 1400 Mk und Freiwohuung. Bewerbungen lediger, seminaristisch gebildeter Reflektanten sind dem Kultusvorstand einzureichen. Prediger und Kantor für die Herbstfeiertage in Wiesbaden. Meldungen an Simon Heß. 2. Borbeter, Schächter, Balkore und Bal Tokea i» Krotoschin, Gehalt 1-00 Mk und freie Wohnung Meldungen bis zum 10 August an den Vorstand. jeuilleton. Zwei Tcstabendc. Novelle von Jda Barber. Im Hause David Lewys herrschte jene wiloe Unordnung, die eben einige Wochen vor dem Passah- oder Osterfest allen nach ccht jüdischem Ritus gesuhlte» Haushaltungen eigen sein muß. Da darf kein Stück an seinem Platz bleiben, es muß gesäubert, gefegt, geklopft werden, die sonst gebrauchten Küchengeräte werden während des Passahfestes in die Bodenkammer geschafft, die österlichen Gerätschaften von dort herabgeholt und an deren Stelle gesetzt, kurz, es gibt schon Wochen vor dem Feste alle Hände voll zu tun, und eine fromme jüdische Hausfrau setzt ihren Stolz darin, sich bei dem „Peßachmachen" bis zur Erschöpfung abzuarbeiten. Auch Frau Lewy, die Gattin eines geachteten, streng orthodoxen Kaufmannes in Prag, hatte der traditionellen Ueberlieferung ihren Tribut dargebracht; da war kein Winkel im ganzen Haus, vom Keller bis zur Bodenkammer, der nicht gesäubert worden, alle Schubladen waren neu ausgelegt, alle Schränke vom „Chomatz" gereinigt und nun, es war „Erev- Peßach", wurden die Mazzes ins Haus gebracht und damit das Haus zu einem gottgeweihten gestempelt. Die Tffche waren mit doppelten weißen Tüchern belegt, um die Osterspeisen nicht mit den das ganze Jahr hindurch benutzten Gegenständen in Berührung zu bringen. Die Hausfrau war gerade mit dem Auspacken der Mazzes beschäftigt; sie bückte sich nun schon zum so und so vielten Male, da plötzlich schwindelte es ihr vor den Augen, — mit einem lauten Aufschrei sank sie zusammen. Die Ermüdung, die wochenlange ungewohnte Anstrengung hatten die Kräfte der ohnehin schwächlichen Frau erschöpft. „Um Gotteswillen, Mutterleben!" rief David Lewy, der infolge des Schreies aus dem anstoßenden Laden herbcigeeilt war, „was ist Dir?" Die Frau hörte nichts; ihre Lippen wurden bleich, ihr Auge stier. „Gerechter Gott!" schrie der geängstigte Mann, „was willst Du mich so hart strafen und mir mein Weib nehmen?" Lea, ein vierzehnjähriges Mädchen, brachte Essig und rieb der Mutter Stirn und Schläfen ein; endlich tat diese die Augen auf, sie wollte si i; ausrichten, doch die Kräfte versagten ihr den Dienst. David Lewy hob sie mit beiden Armen empor und trug sie schonend, wie man ein Kind trägt, auf das Sofa in die „Jontofstube". Die Frau erholte sich allmählich. „Warum habt Ihr auch der Mutter nicht geholfen?" begann David Lewy nun in heftigem Ton. „Wo ist Esther?" Lea schlug die Augen nieder. „Wo ist Esther?" fragte der Vater eindringlicher. „Sie ist ausgegangen!" sagte Lea klopfenden Herzens. „Wohin? Was hat sie heute am Erev-Peßach, da es alle Hände voll zu tun gibt, auszugehen? Kann sie der Mutter nicht helfen?" Da hörte man draußen einen eiligen Schritt; ein bildschönes Mädchen von ungefähr 18 Jahren, mit glühenden, schwarzen Augen und zartem, durchsichtigen Teint, trat ein; es hatte Hut und Shawl im Vorgemach abgelegt, wohl um die Entfernung von Hause nicht beinerken zu lassen. „Was ist Dir, Mutter?" rief Esther ängstlich, nachdem sie einen Blick ins Zimmer geworfen. Die Frau machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand. Der Vater sah die Tochter strafenden Blickes an. Esther kniete am Sofa der Mutter nieder und wollte ihre Hand erfassen, doch diese entzog sie ihr. „Geh' wieder zum Dr. Wrls!" sagte sie mit matter Stimme. „Bei Dr. Wils war sie?" rief der Vater mit wahrhafter Entrüstung. „Du, eine Jüdin, läufst zu den Predigten jenes Missionärs?" „Dr. Wils hält keine Predigten und ist kein Missionär,"