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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-07-07 · 27 (7.7.1905) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
27 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Mfdjrift für die («kfimitiittrrfffni drs Iiidentilms. Wehst dem Weihlütt: Jüdisches Littevclturrhlcrtt. Erscheint an jedem Freitag; Redaktion und Verlag: Bezugspreis vierteljährlich: das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal, j Werlin 0., Woß-Straße 3 Deutschland u. Österreich-Ungarn 3.— Mk. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Telephon: Amt I, 5729. alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Urrrrrrrrer 27. Kerl in. 7. Juki 1005. 14. Jahrgang. WT" Die geehrten Abonnenten machen wir darauf auf' merksam, daß wir uns erlauben werden, den Abonnementsbetrag am 10. Juli per Nachnahme zu erheben. Bei vorheriger Einsendung werden 10 Pfg. gespart, da die Postanweisung nur 10 Pfg., die Nachnahme aber 20 Pfg. beträgt. Die Expedition der „Israelitischen Wochenschrift" Berlin C.19, Noß-Straße 3. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten wir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin C., Ros;-Stras;e 3. Die heutige Nummer enthält das Jüdische LitteraturblattNr. 13. Inhalt. Artikel: Das Wesen des Judentums. Von Dr. D. L e i m d ö rf er- Hamburg. (Schluß.) — A. M. Simon. — Luxus-Kantoren. — Englische Briese. — Politik: Die Gleichberechtigung in der Justizverwaltung. — Der reine Zucker. — Die Judenfrage in Rußland. — Zionistisches. — Wochenchronik. — Vakanzen. — Inserate. Das ttlesen des Judentums. Eine Zeitstimme zum Offenbarungsfest 5665 von Dr. T. Leimdörfer-Hamburg. (Schluß.) In Mose erblicken wir die Harmonie von Religion und Moral, die Einheit des Göttlichen und Menschlichen. Er ist kein Gottmensch und kein menschlicher Gott, er ist nur ein Mensch, aber ein göttlicher Mensch, aus dessen Kehle die unsichtbare, einzige, ewige Gottheit in der Sprache der Menschenkinder geredet ohne Phrase, ohne Bild, ohne Geheimnis, ohne mystische Rätsel, knapp, klar, schlicht, offen, lichtvoll in lapidarer Kürze, in nur 10 Worten das Wesen, der Religion, aller Religion. — Im Talmud (Traktat Sabbat 89) wird uns ein sinniges Märchen über die Suche nach dem Fundort der Thora oder | der geoffenbarten Gotteslehre vom Sinai erzählt: Satanas, der Machthaber im Reiche der Finsternis, der Engel des bösen Triebes und Hinderer der Tugend, vernahms mit Entsetzen, daß des Ewigen Majestät ihre Tochter die Wahrheitgekrönte Thora herniedergesandt hat vom Himmel zur Erde. Unter dem Deckmantel geschäftiger Frömmigkeit begiebt sich der Dämon der Versuchung auf die Suche. Er redet zuerst die Erde an: hathora hechan hi, Erde, wo ist die Thora? Die Erde antwortet ihm: „Gott allein kennt ihren Weg." Dann wendet er sich an das Meer, aber das Meer entgegnet: en imadi, bei mir ist sie nicht zu finden." Er geht zum Abgrund, durchwühlt die Tiefen und ruft: Tehom, Verborgenheit, wo ist die Thora? Aus den verborgenen Schlünden und Gründen erschallts: „lo hihi, in mir ist sie nicht." Er fragt den Tod und die Unterwelt, und aus den Stätten der Verwesung tönt es hohl und dumpf: Mit unseren Ohren vernahmen wir ihren Ruf, Kunde haben wir wohl von ihr, aber ihren Wohnsitz kennt Gott allein." (Hiob 28). Rach vergeblichem Umherstreifen wagt Satan die Frage an den Herrn: „Herr, ich suchte deine Lehre auf dem ganzen Erdball, fand ich sie aber? Bei dir allein muß sie sein." Der Herr aber spricht: Rein, einem Sterblichen habe ich sie gegeben „lech ezel ben Amram“ gehe hin zum Sohne Amrams, zu Moses, seiner Hand' habe ich die Himmelstochter Thora anvertraut und übergeben. Was wohl die Bildersprache unserer alten Weisen mit diesem poetischen Gemälde will? Run, ich möchte das folgende darin lesen: Irrend streift der Partikulargeist des Weltmenschentums umher und sucht das Wesen der Religion meist dort, wo es nicht zu finden ist. Die Einen, ausgehend in irdischen Interessen, erblicken Religion und Heil im Materialismus der Arbeit und der sinnlichen Genüsse. Die Anderen, ebenso irdisch, aber tiefer, weithin ausschauend, erblicken ihre Religion in der Erweiterung und Ausbreitung ihrer Beziehungen zu Welt und Menschen, um zu großen Schätzen, Meichtümern, Ehren und Namen zu gelangen. Das Meer trägt Güter, Völker und Ideen, seine Schiffe sind schwimmende Paläste, die den Orient im Occident heimisch machen und umgekehrt, das ist eine Welt, ein Streben, ein Jagen ins Weite, über dem alles Nahe vergessen wird. Die Dritten begeben sich zu den Gründen und Abgründen, zu den unsichtbaren Tiefen der Welt; das sind die Forscher, die ihre Religion in

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