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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 12. (1905) · p. Seite 48

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 12. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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Welche Fassung war es nun, woraus in alten Zeiten dieser Auszug gemacht worden ist? Alles beweist, daß dem Schreiber der Scherirabrief der spanischen Schule Vorgelegen hat. Aus dem Namen des Schreibers, Joseph, ergibt sich dem Verfasser, daß Josef Tob Elem, der Ordner des Seder Tannaim, die auf die Tannaiten, Amoräer und Saburäer bezüglichen Darlegungen Scheriras hier ausgezogen hat, während ihm die Männern der gaonäischen Zeit nicht so wichtig erschienen. Das Zeugnis dieses bedeutendsten Lehrers in Frankreich um die Mitte des 11. Jahrhunderts spricht auch für die Eichtigkeit der spanischen Fassung. Die Verwirrung in den Daten des gaonäischen Zeitalters glaubt Verfasser dadurch beseitigen zu können, daß er die Zeitansetzung nicht immer für den Anfang, sondern oft für den Endpunkt der Amtstätigkeit des Betreffenden ansieht. Dies Mittel halten wir für willkürlich und prüfungsbedürftig — aber immer ist es dankenswert, daß der Verfasser eine Anregung zur Klärung dieser Dinge gegeben hat. Sollte sich seine Vermutung über Josef Tob Elem bestätigen, so hätte er uns die Spur gezeigt, die von Spanien in der Benutzung ähnlicher Schriften nach Frankreich führt. Der AVert der Uebersetzung wird durch zahlreiche An-, merkungen und durch einen Anhang gehoben, der u. a. die Deuteregeln Hilleis, Jismaels etc. enthält. Da dürfte Folgendes zu bemerken sein: Seite 3, ״Als der Tempel zerstört wurde und sie nach Bethar kamen, als Bethar zerstört wurde und die Lehrer sich zerstreuten — hatten die Schüler keinen Zusammhang mit ihren Lehrern, und daraus entstanden die verschiedenen Streitigkeiten.‘‘ Was soll hier Bethar? Wo bleibt Jamnia? Hier wrar eine Bemerkung nötig, die Scheriras Ansicht klar machte; da genügt die Angabe über den Namen Bethar nicht. Seite 71, Bemerkung 98 heißt es von E. Elieser Schamuti: Trotzdem war E. Eliesar ben Hyrkamos ein Schüler des E. A k i b a und gehörte mehr der Schule Hilleis als Schamm&is an. Beides merkwürdig! Wir würden es am liebsten für einen Druckfehler halten. Derartige Einzelheiten lassen sich in einem Werke, das nicht nur geschichtlichen, sondern auch halachischen Zwecken dient, nicht verschweigen. AVir können dem Verfasser Kenntnis d* r Quellen und seiner Arbeit das ATerdienstvolle nicht absprechen. Ich weiß nur nicht, ob er seine Handschrift genügend von Andern hat nachsehen lassen׳. Aber um solcher Einzelllecken halber werden wir um so wreniger anstehen, das Buch trotz seiner zwiespältigen Bestandteile zu empfehlen, als wir es, wTie Verfasser sieht, tatsächlich durchgelesen haben. AVir haben oben genau seine wichtigen Angaben über die Geschichte des Scherirabriefes wiedergegeben, die u. a. den Gegenstand durchaus zu fördern geeignet sind. In einer Textausgabe, die wir vom Verfasser erhoffen, ward es ihm hoffentlich möglich sein, bezüglich der Einleitung sich mehr an die neueren Ergebnisse zu halten und im Einzelnen, auch in Kleinigkeiten sich einer größeren Vorsicht durch genaue Nachbesserungen zu befleissigen. Eabbiner Dr. L. A. Eosenthal. Professor Dr. A. Berliner. Blicke in die Geistes- Werkstatt Raseliis. Vortrag in der jüdischliterarischen Gesellschaft zu Frankfurt a. M. gehalten. Frankfurt a. M., Kaufmann. 24 S. Die jüdische literarische Gesellschaft schreitet in ihren Veröffentlichungen rüstig vorwärts. Wir erinnern an den 2. Jahrgang des Jahrbuchs, an dem Siddur Saadias, an den Leviticus und die Mechiltha des E. Simon ben Jochai von Hoff mann, (welche letzteren Schriften wir noch besprechen werden.) Der vorliegende Berline/sche Vertrag kennzeichnet die Verbindung von Thorakenntnis und Lebenserfahrung, die Berliner an Easchi rühmt, am Verfasser selbst. Er zeigt uns, wie Easchi von Troyes aus Gelegenheit hat, den Markt des Lebens kennen zu lernen und wie er ihn für seine Erklärungen verwertet. Die verschiedensten Berufsarten werden Easchi nach dieser Darstellung liebgewinnen. Er hat nicht nur Thora, Bibel und Talmud — er hat auch die Münzprägung, auch die Bereitung des Korduanleders gekannt, die Behandlung der Seide und des Flachses. Er war auch mit Christen im Verkehr, und in seinen Entscheidungen hebt er die Seite des Friedens, des Allgemeinmenschlichen hervor. Troyes als Mittelpunkt des Handels und Verkehrs ,war auch die Stadt der Synoden. Die Schrifterklärung mußte wegen der Bekehrungsversuche immer mehr sich im Gegensätze zum Derasch dem Peschat zuwenden. Wir begreifen, daß Easchi diese Wendung empfunden und gebilligt, betrachten es aber als ein Glück, daß er daraufhin seine Thoraerklärung nicht umgewandelt hat. Nur eines erlaube ich mir zu bemerken: Ein Easchi wäre auch dann so bedeutungsreich geworden, wenn er in einer Kleinstadt und nicht 1040 geboren wäre. Derartige Geister sind wohl, wie wrir dem Verfasser zugeben, von der Umgebung abhängig, aber nicht so ganz, daß sie sich nicht von überall her zum Lichte hindurch(! ringen. Wir empfehlen den Vortrag zu weitester Verbreitung als schöne Festgabe zum 29. Tammus. Mit uns erwarten viele mit Sehnsucht die Easchiausgabe Berliners. Predigtumrisse. גשא• Opfer der Stammesfürsten. — (Easchi und Midrasch z. St.) — Rüben, der älteste Stamm, ist durch den Vortritt Judas beim Weiheopfer verletzt Aber Nathanaöl, der Thorakenner, beschwichtigt ihn und kommt darum an die zweite Stelle. — Tempelweihen dienen oft dem Ehrgeize derer, die da prunken wollen, und nachher sich für immer vom Gotteshause zurückziehen. Jed er möchte der Erste sein! Der Kenner und Freund der Thora und der Sache dagegen hält das für nebensächlich. Er will auch mit seiner Gabe die anderen nicht überstrahlen, daher zwölfmal die genaue Wiederholung und Angabe desselben Weiheopfers und dann noch einmal eine Zusammenfassung des Ganzen: da jedem sein Ort und die Sache recht war, da seine Gabe nur dem Ganzen dienen soll, so sind alle Gaben gleich und bilden ein unzertrennliches Ganze. בהעלותך Warum ist Moses hier, bei der Fleischbegierde, mu'loser, als beim goldenen Kalbe? Weil dort das Volk einen Gott wollte und dafür, wenn auch für einen falschen Begriff, Opfer brachte. Aus dem Götzendiener kann noch ein Gotte sdiener werden. Hier aber, wo die Heerden nicht genügen, die das Volk mit sich führt, wo Israel nach dem Leckerbissen der AVachteln begehrt und für Magengenüsse Egypten eintauschen will, herrscht Gleichgültigkeit und Genußsucht. Das ist schlimmer als Abfall. ״Und wenn du alte Schafe und Rinder und alle Fische des Meeres ihnen bietest — würden sie genug haben?“ Moses will kein ״Pfleger sein, der einen trotzigen Säugling auf den Armen ins Land der Väter führt,“ er will ein Volk von Propheten mit dem Gottesgeist“ um sich haben. — Was für ein Mittel gibt die Thora gegen die Gleichgültigkeit an? ״Wähle dir Männer, die prophezeien die lehren!“ Die rechte Klarlegung der Religion, der rechte Unterricht in Haus, Schule und Gemeinde ist das beste und einzige Mittel! Inhalt der Nummer 12. Wissenschaftlichek Aufsätze: Schiller und das Alte Testament. Von Rabbiner Dr. Viktor Nord hei mer-Schwetz. — Der Pessimismus in Israel ein Seitenstück seines Optimismus. (Schluß.) Von Dr. Lerich. — Literaturbericht. Rezensionen: L. Landau: Epitre historique du R. Scherira Gaon, traduite de l’hebreu moderne arameen et coramentee, avec une introduction. — Professor Dr. A. Berliner: Blicke in die Geistes Werkstatt Raschis. — Predigtumrisse. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr- L. A. Rosenthai in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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