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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 12. (1905) · p. Seite 46

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 12. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 glätteten Schrein Die schimmernde Wolle, den schneeigen Lein“ ihren biblischen Ursprung nicht. Heißt es doch Spr, Sal. Kapitel 31, 19: ״Und ihre Finger fassen die Spindel“ und (31, 13): ,,Sie sieht sich um nach Wolle und Leinen und arbeitet mit munteren Händen“. Die Anfangsworte des Gedichtes: ,,Das Glück“: ״Selig, welchen die Götter, die gnädigen, vor der Geburt schon liebten, welchen als Kind Venus im Arm gewiegt“ in Verbindung mit dem Vers: ״Alles Höchste, es kommt von den Göttern herab“ dürften an Psalm 127 erinnern, nach welchem Gott das Glück seinen Lieblingen im Schlaf gewährt, ein Gedanke, der auch in dem kurzen Gedicht: ״Die Sonntagskinder“ ausgesprochen ist: ״Dem genialen Geschlecht wird es im Traum beschert“. Gehen wir nun zu den Dramen über. Am Schluß der Vorrede zu den ״Räubern“ heißt es: ״und wenn — Sonne und Mond sich wandeln und Himmel und Erde veralten wie ein Gewand“. Die Parallelstelle befindet sich Psalm 102, 26 und 27: ״Die Erde, die du ehedem gegründet, die Himmel, deiner Hände Werk, sie vergehen — du bleibst! Sie veralten wie ein Gewand“. Zum Pater sagt Karl Moor: ״Sag ihnen, mein Handwerk ist Vergeltung, Rache ist mein Gewerbe“. Dies ist entnommen aus dem 5. Buch Moses 32, 25: ״Mein ist die Rache und die Wiedervergeltung“. Ebendaselbst findet sich der Satz: ״Es ist Gnade über alle Grenzen“, was mit den Klageliedern Jeremias 3, 22 übereinstimmt: ״Die Gnade des Herrn hat kein Ende“. Die Stelle: ״Bis deine Haare wachsen wie Adlerfedern und deine Nägel wie Volksklauen werden“, ist entlehnt Daniel 4, 30: ״vom Tau des Himmels netzte sich sein Leib, bis ihm sein Haar gleich den Adlern gewachsen war und die Nägel gleich den Vögeln“. In der 3. Szene des 2. Aktes spricht Spiegelberg: ״hatte nichts als diesen Stab, da ich über den Jordan ging“; im 1. Buch Moses 32, 11 sagt Jakob: ״mit meinem Stabe ging ich über diesen Jordan“. Der Ausspruch: ״Gehorsam ist besser denn Opfer“ steht wörtlich 1. Sam. 15, 22, und der Satz: ״Geh du linkwärts, laß mich rechtswärts gehn“ erinnert an die Worte Abrahams an Lot. (Schluß folgt.) Der Pessimismus in Israel ein Seitenstück seines Optimismus. Von Dr. Lerich. (Fortsetzung.) Hier zeigte sich gleich eine große Lücke, und diese wird nun wie nie zuvor im Buche Job mit scharfer und rücksichtsloser Offenherzigkeit blosgelegt. Die Gerechtigkeit vermochte nicht immer über das menschliche Unglück im einzelnen Auskunft zu geben. Nicht immer ist der Unglückliche auch der Ungerechte, nicht immer hat er sein Leid durch Nachlässigkeit verschuldet. Oft kommt es, trotz aller Anstrengung, es zu verhüten, es hintenanzuhalten. ״Weder habe ich geruht, noch gerastet, noch mir Erholung gegönnt, aber das Unheil, das ich mit aller Kraft zu verhüten suchte, eskam(Job.C. 3).“ Die Menschen aber sehen dies nicht ein; vielmehr sprechen sie leichtfertig über den Unglüchlichen ihr Verdammungsurteil: ״es geschieht ihm schon recht.״ Ist aber diese Anrufung der Gerechtigkeit gegenüber einem unschuldig Leidenden nicht selbst eine Ungerechtigkeit? Sollte etwa die Gerechtigkeit mit dem Glück identisch sein und da aufhören, wo man sie am nötigsten braucht, im Unglück? sollte etwa in diesem der Freund dem Freunde untreu werden unter dem Vorwände der Gerechtigkeit? Nimmt Gott Anstoß an dem Vergehen des Menschen, so kann er sich doch des Betreffenden durch den Tod entledigen, Gott liegt die Rache fern. Aber auch das, daß er sich über die Sünden des Menschen ärgert, ist recht zweifelhaft: denn wie ist das Glück des Frevlers zu erklären? Ist es nicht tragisch? Der große allmächtige Gott, der hoch, hoch über den Himmeln thront, auf den schwächlichen winzingen Menschen seine Pfeile abschließt, ihn verwundet aus weiter Ferne, ohne ihm eine Aussprache, eine Verteidigung zu gönnen! Die Propheten haben in ihren Reden immer den Sieg der Gerechtigkeit verkündet und über die unerwünschten Uebel der Gegenwart sich mit der Zukunft getröstet. Dieser Zuversichtliehe Glaube konnte sich nur bei dem Volke, dem ein geschichtliches Leben in der Zukunft sicher war, halten, da konnte man das Heil aufs Ende der Tage hinausschieben, oder wenn man von dem Sieg des Gerechten in individueller Fassung sprach, di esem einen allgemeinen Ausdruck verleihen, wie Jes. ״Preiset glücklich den Frommen, denn er genießt die Früchte seiner Werke.״ Wo man aber einen Leidenden ad hoc konstruierte, ging das nicht gut an, denn es ist wohl möglich, daß er stirbt, bevor ihm Genugtuung gewährt, Gerechtigkeit geschehen. Hier ist der Punkt gegeben, wo die seelischen Stimmungen den Menschen über sich, über seinen Schmerz hinausweisen, über seinen matten, schlaffen, hinfälligen Körper hinweg in eine göttliche Ewigkeit. Durch die schwarze Nacht des grauenhaften Nichts findet Job seinen Weg zu den lichtvollen Höhen Gottes. Aus der Angst wird die Hoffnung geboren, aus der verschmachtenden Seele die Sehnsucht gezeugt. Aus der eingeengten, von Schmerz zusammengeschnürten Brust ringt sich der Ruf nach Erlösung los. ״Sieh im Himmel ist mein Zeuge und mein Gewährsmann, in den Höhen; zu Gott thränt mein Auge״ (Job. 16, 19, 20). Wie der Blitzstrahl das Dunkel plötzlich erhellt, so geschieht es bei Job im Augenblick, wo ihm jede Aussicht auf Hilfe verschlossen erscheint, daß sein Herz von göttlicher Erkenntnis erleuchtet wird. Seine kraftvolle Natur ist gebrochen, sein Körper ist geknickt, sein Wille zum Leben an dem Schmerze gescheitert, aber sein Glaube, er ist felsenfest, sein Gottvertrauen unerschütterlich. Sein kühner Trotz hat einer sanften milden Stimmung Platz gemacht. Es ist die Liebe zu Gott, die sein Inneres, sein von Schmerz starres Herz aufgelöst. Er denkt nicht mehr an seinen Körper, an seine Not. ״Und los

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