Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Zeitschrift für dir Geslimtiiltereffe» des Iiideiltiims. Webst dem Weibl'crtt: Jüdisches LittercrtuvblUtt. Erscheint an jedem Freitag Redaktion und Verlag: Bezugspreis vierteljährlich: das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Aertin <>., Woß-Ktraße 3 Deutschland u. Österreich-Ungarn 3 — Mk. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Telephon: Amt I, 6729. * alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Uummer 25 Serlirr. 23. Zurrt 1005. 14. Jahrgang. Alle, arrch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten mir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin C., Rost-Straste 3. Die heutige Nummer enthält das Jüdische LitteraturblattNr. 12. Inhalt. Artikel: Zum Bericht der Ostafrika-Expedition. — Unfähigkeit oder Unlust. — Die Neuerschließung Chaldäas. — Das Erziehungswerk der Alliance in Algerien. — Literarisches: Monumenta Judaica. — Politik: Finanzminister Dr. Moritz Ellstätter. — Uebergehung der jüdischen Gemeinde bei den offiziellen Veranstaltungen anläßlich des diesjährigen Kaiser-Besuchs in den Reichslanden. — Jüdische Soldaten und Offiziere. — Ein semitischer Bürgermeister im antisemitischen Wien. — Eine eigenartige Ursache der Zunahme der Ziffer von Auswanderern israelitischer Konfession. — Aus Warschau. — Wochenchronik. — Vakanzen. — Brief- und Fragekasten. — Inserate. Zum Stricht kr Masrikil-Erpkditm. Auf dem 6. Zionistenkongreß in Basel (1903) wurde bekanntlich vom Vorsitzenden, dem so früh verstorbenen Dr. Herzl, die überraschende Mitteilung gemacht, daß die englische Regierung vorgeschlagen habe, ihr ostafrikanisches Besitztum für eine autonome jüdische Ansiedlung in Aussicht zu nehmen. Im ersten Moment entstand wegen des einzig dastehenden Ereignisses ein spontaner Sturm der Begeisterung. Dieser Kundgebung folgte aber bald ein Schrei des Schmerzes und der Entrüstung bei einer großen Zahl von Delegierten, die da glaubten, Palästina solle nun durch irgend ein Territorium auf der Erde ersetzt werden. Einem kleinen Teil der Versammlung war auch wirklich der „Staat" alles, die Landfrage gleichgiltig, andere ließen sich durch das Wort „Autonomie" blenden, wieder andere glaubten zwar nicht an eine ostafrikanische Zukunft des Judentums, scheuten aber aus Rücksicht auf die britische Regierung vor einem entschiedenen Veto zurück. Und so fand sich denn schließlich eine ziemlich beträchtliche Majorität, die aus politischer Klugheit den Beschluß faßte, eine unverbindliche Expedition zur Erforschung des angebotenen Landstrichs auszusenden. Da im Basler Programm nur von einer Heimstätte in Palästina die Rede ist, konnte die ostafrikanische Angelegenheit nicht als eine rein zionistische angesehen werden, man hat daher wegen der Ausstattung der Expedition und einer etwa vorzunehmenden Kolonisierung die Annäherung an die großen jüdischen Wohltätigkeitsinstitute gesucht und gefunden. Da die Kapitalien der zionistischen Partei, die in der Kolonialbank und im Nationalfonds angelegt sind, statutengemäß nur für Palästina verwendet werden dürfen, mußten die Kosten der Expedition aus Privatmitteln herbeigeschafft werden. Infolgedessen konnte die Forschungsreise erst 15 Monate nach dem Kongreß unternommen werden. An der Expedition beteiligten sich der englische Major A. St. H. Gibbons, Professor Alfred Kaiser und Ingenieur M. Wilbusch. Die Herren brachen am 26. Dezember 1904 auf und kehrten im April 1905 nach Europa zurück. Im Anfang dieses Monats wurden nun dem zionistischen Aktionskomitee die sorgfältig ausgearbeiteten Berichte der Expedition vorgelegt, auf Grund deren die Annahme des erwähnten Gebiets für jüdische Kolonisationszwecke einstimmig abgelehnt wurde. In der Beurteilung dieser Angelegenheit vereinigt sich die zionistische Parteileitung mit der gesamten unparteiischen jüdischen Presse. So schreibt auch das in zionistischen Dingen stets objektive „Jewish Chronicle", daß der Bericht der Forschungsexpedition kein ermutigendes Dokument sei. Allerdings ist es schwer, sich ein vollständig klares Bild von der Sachlage zu machen, da die Ergebnisse der drei Reisenden nicht nur nicht einheitlich sind, sondern gerade in den wichtigsten Punkten von emander wesentlich abweichen. Am schärfsten und ohne jede Einschränkung wird von Wilbusch von jeglicher Unternehmung in Britisch Ostafrika abgeraten. Nach seinen Ausführungen ist das ganze Land eine trockene Wüste, ohne Ackerland, ohne Wald und Wiese, dagegen reich an wilden Tieren und Menschen, die die hinreichend schwierigen Verhältnisse nur noch schwieriger gestalten würden. Weder Klima noch die Bodenbeschaffenheit berechtigen nach seiner Ansicht zu den Hoffnungen, die man auf dieses Land gesetzt hatte. Auch der Bericht von Professor Kaiser, der ein vorzüglicher Kenner Ostafrikas ist, wirkt nicht gerade ermutigend. Er hält die wirtschaftlichen Bedingungen des Hochlandes für so ungünstig, daß nach seiner Ueberzeugung die meisten jüdischen Einwanderer die Kolonie sobald wie möglich wieder verlassen würden. Dabei würde die Immigration ein Millionenkapital verschlingen, ohne daß dadurch ein nennenswerter Erfolg zu erzielen wäre. Am günstigsten beurteilt Major Gibbons die Aussichten einer jüdischen Ansiedelung in Ostafrika. Aber trotzdem er mit Enthusiasmus vom Klima, vom Boden, von der Bewässerung und sogar von der Be-