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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-06-16 · 24 (16.6.1905) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
24 (16.6.1905)
Date
1905-06-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Zeitschrift für dir töffamtiittrrfffrn des Iudriltiims. Webst dem WeibL'cltt: Jüdisches Littercrturbk'crtt. Erscheint an jedem Freitag das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Redaktion und Verlag: Merlin Maß-Straße 3 Telephon: Amt I, 5729. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Österreich-Ungarn 3.— Mk. alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Nummer 24. gUvHit, 16. Juni 1905. 14. Jahrgang. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilunaerr erbitten nur an die Adresse Israelitische Wo ch enschrist Berlin C., Ros;-Ltras;e Inhalt. Artikel: Stille Arbeit. - Zehnter deutsch-israelitischer Gemeindetag — Das semitische Museum der Harvard-Universität. — Die Grabung der Deutschen Orient-Gesellschaft in Assur. — Politik: Neue Paßvorschriften in Rußland in Sicht. — Wochenchronik. -- Vakanzen. — Feuilleton: Die Plünderung. Von Maxim Gorki. — Inserate. ätillr Arbeit > Ueber allen Wipfeln ist Ruh. In allen Gipfeln spürest du Kaum einen Hauch Die Vöglein schweigen im Walde. Wartnur, balde Ruhest du auch. Als vor mehr denn Jahresfrist unter mächtigem Tamtam unserer Großen und Reichen der „Verband der deutschen Juden" ins Leben gerufen, hatte Justizrat Dr. Fuchs-Berlin aller Welt verkündet: „Das Wesen, des Verbandes soll stille Arbeit sein " Und der Verband hat treulich Wort gehalten. Still, sogar sehr still ist seine „Arbeit" bisher gewesen, so still, daß die Mitglieder der. einzelnen Kommissionen selbst hocherfreut sind über die peinliche Sorgfalt, mit der das von Herrn Justizrat Fuchs verkündete Programm der „stillen" Arbeit durchgeführt wurde. Als Ende 1903 eine Versammlung des Ausschusses für die Gesamtorganisatron der Juden Deutschlands stattfand, verkündete Professor Philippson in einem ausführlichen Referate: „Die Scheu, in der Oeffentlichkeit berechtigte Ansprüche geltend zu machen, mag auf Bescheidenheit zurückzuführen sein, aber eine übertriebene Bescheidenheit wird in allen Fällen allgemein nur als Schwäche beurteilt und ist nur geeignet, die Gegner zu Angriffen zu ermuntern. *)'Jn unserem Verlage erscheint noch in dieser Woche eine Broschüre über die Tätigkeit des „Verbandes der deutschen Juden", die wir unseren Lesern als Gratis-Beilage für die nächste Nummer offerieren. Von den Gegnern des Planes wird der Einwand erhoben, daß man durch das öffentliche Hervortreten die Regierungen kränken könne, daß man deshalb alles vermeiden müsse, was als Schreien ausgelegt werden würde. Dabei vergißt man wieder vollständig, daß die Regierungen jetzt nicht sowohl die Führenden, als vielmehr die Geleiteten sind, die sich von den Strömungen im Volksleben treiben lassen, soweit diese öffentlich zu kräftigem Ausdruck gelangen. Man erinnere sich nur daran, wie der Justizminister Schönstedt bei der Interpellation Peltasohn sich auf die „Imponderabilien", aus die öffentlichen Meinungsäußerungen, berufen hat, um die Nichtanstellung und Nichtbesörderung jüdischer Richter und Beamten zu begründen. Und läßt sich nicht auch jetzt die bayrische Regierung von der ultramontanen Landtagsmehrheit treiben? Haben nicht im Königreich Sachsen die Antisemiten das eine religiöse Einrichtung der Juden hemmende Schächtverbot durchgesetzt? Ist dort nicht jetzt dem Landtag eine neue Judenverordnungs-Vorlage zugegangen, die den Wünschen der antisemitischen Konservativen entgegenkommt? Was will man da noch abwarten? Jetzt gilt es laut hinauszurufen, daß auf diesem Wege das Judentum vogelfrei wird; jetzt gilt es, eine innere Organisation so stark aufzubauen, daß man sich scheut, auf jener Bahn weiterzuschreiten! Run sagt man, wir Juden allein können nichts durchsetzen; wir müssen uns aus die liberalen Parteien stützen und diese für unsere Sache eintreten lassen. Daß von den Nationalen solches nicht zu hoffen ist, darüber braucht man nicht zu reden; die freisinnigen Fraktionen aber halten nicht zusammen und sind leider arg geschwächt, so daß sie trotz bestem Willen ihrerseits uns nichts nützen können. Uns bleibt nur die Flucht in die Oeffentlichkeit. Und fürchtet man ein freies, vielleicht allzu Wort? Das beste Korrektiv für die ist die Oeffentlichkeit selbst." Und als denn am 27. April vorigen Jahres der Verband gegründet wurde, sprach derselbe Professor Philippson von dem „epochemachenden Moment", in dem sich „nach fast zweitausendjähriger Geschichte Juden zu gemeinsamen Tun und gemeinsamen Wirken .zusammengeschlossen, ein Moment, wie er für die ganze Zukunft der deutschen Israeliten von maßgebender Bedeutung sein werde: „Ohne Uebertreibung könne man sagen, daß die Augen des ganzen deutschen Israels auf dieser Versammlung ruhen werden und man dürfe hoffen, daß der Geist, der die heutige Versammlung beherrschen werde, der gespannten Aufmerksamkeit des gesamten jüdischen Deutschlands entsprechen werde." freies und lautes Oeffentlichkeit

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