Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 11. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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44 L. Landau. Epitre historique du R. Scherira , Gaon, tr&dnite de l’hebreu moderne arameeu et commentee, avec une introduction. Anvers. 1904. XLII und 90 S. Selbstverlag. 5 francs 50 cent. Landau läßt der Uebersetzung des Scherirabriefes eiue umfangreiche Einleitung vorausgellen, dann folgen außer einem Anhang zur Einleitung die textkritischen Bemerkungen. Die Einleitung enthält, bevor sie die den Scherirabrief betreffenden Angaben bringt, einen Umriß der tannaitischen und amoräischen Geschichte bis zum Abschluß des Talmuds. Dieser Umriß scheint bei den Lesern dieser Uebersetzungen gar keine Vorkenntnisse vorauszusetzen, was um so merkwürdiger ist, als der Scherirabrief ja nur auf Kenner berechnet ist und auch in der Uebertragung nur diesen etwas bieten kann. Man müßte also annehmen, daß dem Leserkreise, für welchen der Scherirabrief bestimmt ist, die hauptsächlichen Wendepunkte, Tatsachen und Personen der gesamttalmuldischen Zeit bekannt sein müßten; und dann wäre diese Einleitung überflüssig. Wenn aber Landau seine Belgier und Franzosen kennt und auf ihren jüdischen Kenntnisreichtum die Notwendigkeit einer Einleitung gründet, deren Inhalt unsere besseren Schüler im wesentlichen kennen müssen, so hätte er diesen Umstand wenigstens benutzen müssen, um die neuen Ergebnisse der Forschung einzutragen. Nur dadurch erlangen derartige Einleitungen den Wert von wissenschaftlichen Kundgebungen, und, was Einzelne erforscht, das zieht dann in weitere Kreise ein. Und wenn er diesen Ergebnissen nicht zustimmt, so ist es immerhin notwendig, sie als Vermutungen anzutühren. So lange man aber mit Hillel und seinen sieben Regeln beginnt, so lange die Schammaiten noch weiter als die Erschwerenden gelten und Jochanan ben Sakkai erst eine neue Zeit beginnt (auch seine Tekauoth sind schon vielfach in gleicher Weise angeführt) so lange kann die Wissenschaft der Mischna und Gemara an sich nicht fortschreiten und bewegt sich in Gemeinplätzen. Daß man heute in der Lage ist, halachisch weit vor Billel zarückzugehen, daß eine ״erste Mischna“ von hervorragender Seite erforscht ist, daß man bestrebt ist, sie auf geschichtliche Verhältnisse zu gründen, davon erfahren wir hier kein Wort. Auch hier ist es erst Jochanan ben Sakkai, der gegen die Sadduzäer streitet, obschon seine Zeit die letzten Ausläufer dieser alten Meinungskämpfe zeigt und die Sadduzäer als rein weltliche Partei ihre Rolle ohne Lehrhaus weiterspielen. So ist es denn auch wieder R. Akiba, der die Halacha zuerst sachlich ordnet, wobei übersehen wird, daß gegenüber der ältesten Mischna Hillel und Schammai mit dieser sachlichen Ordnung begonnen haben, daß man die Mischnasammlung Eliesers und Josuas als große Ganze genau erkennt und Akiba demnach schon geordnete Massen vorfindet. Seine Bedeutung liegt in der ganz neuen geistigen Durcharbeitung des Ganzen. Juda ben Hai wird Schüler des Eleasar b< n Asarja (nach Berakhoth 15b) genannt. In Wirklichkeit ist er der Schüler seines Vaters Ilai und durch diesen der Geisteserbe des R. Elieser. Allerdings ist er es, der Eleasar ben Asarja als Gegengewicht gegen den Einfluß Akibas zumeist anführt. Man wird R. Jehuda noch lange nicht gerecht, wenn man ihm herkömmlicher AVeise den Sifra zuschreibt. Zu einer neuen Würde kommt dieser Tannaite, indem ihn (nach Berakhoth 63) Verfasser ״le plus grand orateur de tous les temps“ nennt! Was sagen nun Chero und Demosthenes? Das soll wohl die Deutung von □ראש המדברים בכל מקו sein! Zum Orte wird da echt kantisch die Zeit mitgedacht, und der Redner aller Zeiten ist fertig! Bezüglich der halachischen Midraschim sind für den Verfasser die grundlegenden Arbeiten Hoffmanns vergebens erschienen. Juda Hannassi ist noch immer der unbedingte Abschliesser der Mischna, während man bei genaueren Forschungen noch Jochanan und Simon ben Lakisch zu den ״Demi-Tannaim“ rechnen kann und ihre Spuren in der Mischna findet. Und macht nachher Verfasser Versuche, das Wesen der Mischna und Gemara zu kennzeichnen, so sind es auch nur hier Einzelheiten, die er bietet; wir müssen aber auch diese für dankenswert annehmen, zumal es eine genügende Kennzeichnung der Gemara in Ermangelung einer Quellenscheidung nach Amoräerngeschlechtern bis jetzt nur 9 יבכח■her nicht בפעל gibt. (Schluß folgt.) Predigtumrisse. במדבר• Das Zelt mit der Thora als Mittelpunkt des Lagers, umgeben von den Leviten und Priestern. Die zwölf Stämme nach allen Seiten im weiten Kroise umher, Alle ihr Auge auf das Zelt in der Mitte gerichtet. — So soll es für alle Zeiten bleiben. Der Mittelpunkt für Israel sei stets die Bundeslade mit dem Geiste des Forschens und Ausführens: die geistigen Führer und Träger des Gedankens müssen schützend das Geistesgut umgeben und dürfen es nicht in Vergessenheit sinken lassen. Wie die zwölf Stämme nach verschiedenen Seiten sich lagern, so mögen auch wir nach Richtungen geteilt sein —nur wenden wir unser Auge nach demselben Mittelpunkte des Strebens, bereit, Jeder auf seine Weise dafür zu kämpfen Wenn es aber heißt, sich vorwärts bewegen zum Besten des Ganzen, dann ziehen wir Alle nach einer Richtung, gel°itet von der Wolken- und Feuersäule, die alles vereint. שבועות• Moses steigt zu den Höhen empor, um die Thora zu holen, da drängen ihn die Himmelsschaaren zur Seite: Was will der Erdensohn in den Höhen? Da ruft Moses: Seid ihr von irdischen Leidenschaften gepeinigt? Was wollt Ihr mit der Lehre? Wir Erdenmenschen, umgeben von den Irrbahnen des Lebens, bedürfen ihrer, nicht die Engel. Und so wird Moses das hohe Gut der Lehre für Israel zuteil. — Soll die Thora nur Sache der Engel, der Geisteshohen, der Gelehrten sein? Wollen sie das Wissen für sich bewahren? Vergessen sie, daß Lehre und Glauben Sache des Volkes sein müssen, das sich im Leben kämpfend vorwärts bewegt und da der Stütze des Gotteswortes doppelt bedarf? Darum nicht zagend, nicht kargend, sondern reichlich und freudig bietet der Gemeinde das hehre Geistesgut — holt es heraus aus dem Staub der Büchersammlungen und bietet es allen: Durch Euren Eifer wird es wirken und die Thora wird nicht vergessen sein. Ruft dem Eiferer für die Thora nicht zu: Was will er in den Höhen? Nicht Euch Engeln auf einsamer AAHssenshöhe — uns Menschen ist die Thora gegeben! Nicht dem Wissensstaube, dem Leben soll sie dienen. Winke für den Unterricht. Wiederholung von אם etc. Dabei den Namen des ersten Buchstaben ״Aleph“ angeben; den des zweiten ״Beth“ oder auch ״Beis“ nach unserer Aussprache. ״Aleph“ heißt ״Herrscher, Fürst“, weil es der erste Buchstabo ist. Beis heißt ״Haus“ (Gestalt der Buchstaben: Oben Dach, hinten Wand, unten Schwelle, vorn offen, das ist die offene Tür. Beide Buchstaben vereint geben אם .,Aleph Beis“ Fürst oder Herrscher des Hauses, Vater! (Die Namen der Buchstaben lernen sich später schwer; so hat man Gelegenheit, die Worte und Buchstaben zu wiederholen, da man, auf diese Einzelheiten eingehend, doch vorwärtskommt, ohne die Kinder mit neuen Worten zu belasten) Inhalt der Nummer II. Wissenschaftliche Aufsätze: Nochmals Bestätigung einer früheren A'ermutung. ATon Dr.L. A. Rosenthal. — Der Pessimismus in Israel ein Seitenstück seines Optimismus. (Fortsetzung ) Von Dr. Lerich. — Literaturbericht. Rezensionen: Oskar Frankl: Der Jude in den deutschen Dichtungen des 15., 16. und 17. Jahrhunderts. — L. Landau: Epitre historique du R. Scherira Gaon, traduite de l’hebreu moderne arameen et commentee, avec une introduction. Predigtumrisse. — Winke für den Unterricht. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.